Als Folge des Irankriegs wird die deutsche Konjunktur in diesem Jahr noch mehr von der staatlichen Nachfrage abhängen als bisher angenommen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erwartet in seinem Frühjahrsgutachten, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 0,5 Prozentpunkte und im kommenden Jahr um 0,8 Prozent wachsen wird.Jeweils 0,3 Prozentpunkte davon gehen gemäß der Analyse auf schuldenfinanzierte staatliche Mehrausgaben zurück. Privatwirtschaftliche Wachstumsimpulse bleiben demnach vor allem in diesem Jahr ausgesprochen gering. 0,2 Prozentpunkte des Wachstums werden in diesem Jahr einer höheren Zahl an Arbeitstagen zugeschrieben.Beschleunigung der Inflation auf rund drei ProzentFür beide Jahre prognostizieren die Gutachter eine Beschleunigung der Inflation auf rund drei Prozent. Mit fast drei Millionen Arbeitslosen dürfte die Arbeitslosenquote in diesem Jahresdurchschnitt von 6,3 auf 6,4 Prozent steigen und erst 2027 wieder sinken. Das staatliche Finanzierungsdefizit soll gemäß der Prognose von 2,7 Prozent des BIP im vergangenen Jahr auf 3,7 Prozent in diesem und auf 4,3 Prozent im Jahr 2027 steigen.Noch im Herbst hatte der Sachverständigenrat ein Wirtschaftswachstum für dieses Jahr von 0,9 Prozent erwartet. Mit der grob halbierten Prognose folgen die fünf Wirtschaftsprofessoren der Linie der großen Wirtschaftsforschungsinstitute und der Bundesregierung. Der maßgebliche Grund dafür sind die gestiegenen Energiepreise und die Unsicherheit als Folge des andauernden Irankriegs und der Sperrung der Straße von Hormus. Das belastet direkt den privaten Konsum und die Investitionsbereitschaft in Deutschland. Zugleich dämpft der Irankrieg die weltwirtschaftliche Entwicklung, was den deutschen Export zusätzlich hemmt.Im Risikoszenario droht StagnationAusdrücklich weisen die Gutachter darauf hin, dass die Unsicherheit der Prognose vor allem wegen der künftigen Entwicklungen am Persischen Golf ausgesprochen hoch sei. In einem Risikoszenario, in dem die Energiepreise viel länger viel höher bleiben als derzeit an den Finanzmärkten erwartet, würde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr faktisch in die Stagnation rutschen. In diesem Fall erwarten die Gutachter für dieses Jahr nur noch einen minimalen Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent. In dem alternativen Szenario ist unterstellt, dass der Ölpreis bis Oktober 2026 auf einem Niveau von etwa 120 Dollar je Barrel (zu 159 Litern) liegen werde. Zuletzt wurde Öl der Sorte Brent um 95 Dollar gehandelt.Der private Konsum wird nach Prognose des Sachverständigenrats in diesem Jahr um 0,3 Prozent zulegen, nach einem Anstieg von 1,6 Prozent im vergangenen Jahr. Die privaten Ausrüstungsinvestitionen sollen weiter schrumpfen. Im privaten Wohnungsbau erwarten die Gutachter dagegen einen Zuwachs. Als Folge der staatlichen Nachfrage erwartet der Sachverständigenrat für die Ausrüstungsinvestitionen insgesamt einen minimalen Zuwachs von 0,2 Prozent und für die Bauinvestitionen ein Plus von 1,1 Prozent. Der Export, der in den Vorjahren geschrumpft war, wird gemäß der Prognose in diesem Jahr preisbereinigt nicht zulegen.Importpreise steigen stärker als die ExportpreiseMit den steigenden Energiepreisen haben sich die Terms of Trade zulasten Deutschlands verschlechtert. Die Importpreise steigen stärker als die Exportpreise. Für das in Deutschland Erwirtschaftete können die Deutschen so immer weniger im Ausland kaufen, was einen Verlust an Realeinkommen bedeutet.Dieser reale Einkommensverlust im Außenhandel wird mit der üblichen Berechnung des Bruttoinlandsprodukts nicht erfasst. Die Gutachter haben deshalb in diesem Frühjahr auch ein „Realwert-BIP“ errechnet, das dieses Manko behebt. In dieser Rechnung würde die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 0,3 Prozent sinken und erst im kommenden Jahr um 0,6 Prozent steigen.
Sachverständigengutachten: Wirtschaftsweise senken Konjunkturprognose deutlich
Die Wirtschaft wird in diesem Jahr nur noch um 0,5 Prozent wachsen. Hauptgrund ist laut Sachverständigenrat der Irankrieg. In einem Risikoszenario droht die Stagnation.











