Kaum jemand zählt die „dringlichen“ Berichtsanträge, Sondersitzungen und Untersuchungsausschüsse noch. Unaufhörlich hat die Opposition im Hessischen Landtag in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren parlamentarische Instrumente strapaziert, die prinzipiell Potential haben. Aber nie förderten sie etwas Neues zutage, das den Aufwand gerechtfertigt hätte. Und immer hatte es sich von Anfang an abgezeichnet.Der aktuelle Fall des Deutschen Fußball-Bundes lag anders. Das unausgesprochene, aber dramatische Szenario in den Köpfen mancher Journalisten und Oppositionspolitiker schien nicht völlig aus der Luft gegriffen: Ältere Herren der Landesregierung treffen sich heimlich mit Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes, um einen Weg zu finden, wie man den Verband künftig vor den lästigen Steuerbehörden schützen könne. Politiker schalten also die Kontrollfunktion des Staates aus. Diese Enthüllung hätte den Aufklärern Ruhm und Ehre eingetragen. Auch auf die Opposition wäre etwas Glanz gefallen, weil die schwarz-rote Koalition mit einem großen Skandal zu kämpfen gehabt hätte.Phantastische GeschichteDie phantastische Geschichte konnte sich eine Weile halten, weil Finanzminister Alexander Lorz (CDU) erst die Aufhebung des Steuergeheimnisses erwirken musste, bevor er sich im Haushaltsausschuss äußern durfte. Doch nach dessen Sondersitzung scheint die Luft aus der Sache raus zu sein. Lorz erinnerte daran, dass das Landgericht Frankfurt im Februar nicht nur den früheren Schatzmeister des DFB vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen habe. Die Richterin habe auch in ungewöhnlich massiver Weise Kritik an der Art geübt, wie die Frankfurter Finanzverwaltung mit dem DFB umgegangen sei. Um jeden Anschein der Voreingenommenheit zu vermeiden, habe das Ministerium daraufhin angeordnet, dass die Steuerangelegenheiten des DFB künftig nicht mehr im Finanzamt Frankfurt, sondern in Bad Homburg bearbeitet würden. So erklärte es Lorz.Der Vorgang wirft ein Schlaglicht auf das mühsame Geschäft der parlamentarischen Opposition. Mit einer klugen gesetzgeberischen Arbeit kann sie die Masse der Wähler nicht beeindrucken. Denn die bekommt davon nichts mit. Anders sieht die Sache aus, wenn die Regierung echte Skandale produziert. Was deren Ansehen schadet, kann am Ende der Opposition helfen. Anders gesagt: Eine Regierung, die spektakuläre Fehlleistungen vermeidet, drängt die Opposition ins Abseits. Grüne, FDP und AfD in Hessen haben ihr Schicksal nicht selbst in der Hand. Sie sind ohne Macht.
DFB darf das Finanzamt wechseln: Von Skandal kann keine Rede sein
Der DFB und die Landesregierung in den Hauptrollen eines Skandals? Was die Öffentlichkeit aufhorchen ließ, scheint sich in Luft aufzulösen.
Der DFB wechselt sein Finanzamt von Frankfurt zu Bad Homburg, um Interessenskonflikte nach einer Richter-Kritik auszuschließen. Dies zeigt, dass etablierte Institutionen ihre Governance-Kontrollen anpassen müssen, wenn externe Prüfer die Compliance-Integrität infrage stellen.








