Die Stimmung auf New Yorks Straßen ist schon in der Nacht vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM ekstatisch. Menschen brüllen, hüpfen, besteigen Autodächer, es ist ein großer Moment in den Straßen der Metropole. Und ein historischer Moment im Basketball. Die New York Knicks haben im Kampf um den NBA-Titel trotz eines zwischenzeitlichen 29-Punkte-Rückstands gegen San Antonio gewonnen; so eine Aufholjagd gab es noch nie in einer Finalserie.Die Szenen unterscheiden sich zwar von vielen unvergesslichen Fußballmomenten, es wird kaum gesungen, und es sind mehr Frauen unter den Feiernden. Wenige sind betrunken. Aber die Empfindungen, diese speziellen Sportgefühle, diese in einem unmittelbaren Moment ausbrechende und sehr tief empfundene Freude entstehen nicht bei vielen anderen Gelegenheiten im Leben.Das macht SpaßUntermalt von einem echten Interesse an Sportdetails: Welche Entscheidungen trafen die Trainer? Wo waren die Schlüsselmomente? Welcher Spieler war an entscheidenden Aktionen beteiligt? Was passierte in den Köpfen? Welche Rolle spielten Glück und Pech? Das macht einfach Spaß.Von sofort an geht es nun auch im Fußball nicht mehr zuallererst um Autokraten, Gier oder unerbittliche und ungerechte Behörden. Der Ball rollt. Es ist damit Zeit für eine etwas bessere Laune, wenn es um die Fußball-WM geht. Der Zauber des Spiels wird wirksam bleiben, zum Glück.Auch bei diesem Weltturnier werden die Tore, die vergebenen Chancen, die Schiedsrichterentscheidungen, die Pfostentreffer und die Kunststücke der Besten sehr viele Menschen glücklich machen, zu Tränen rühren, unterhalten, begeistern, enttäuschen, faszinieren.Nicht weil es sich angeblich um das „allergrößte Ereignis in der Geschichte der Menschheit“ (Gianni Infantino) handelt. Wer will das schon? Das Schöne ist, dass auch 2026 immer noch ganz normaler WM-Fußball gespielt werden wird. Diese Art von Fußball, die die Identitäten und Mentalitäten von Nationen und ihrer Geschichte in einem Spiel sichtbar und in einer friedlichen Form bedeutsam macht.Es mag nicht immer einfach sein, das Gift loszuwerden, das in den Organismus dieses Turniers injiziert wurde und das auch weiterhin relevant bleibt. Aber jetzt wird gespielt. Es gibt keinen überzeugenden Grund, sich gegen diese Magie zu wappnen, die ganz sicher entstehen wird. Ja, die Lage bleibt schwierig, im Fußball und auf dem ganzen Planeten. Aber es ist WM. Und damit auch eine Zeit, sich vielleicht zwischendurch mal wieder mitreißen zu lassen – so wie die New Yorker von ihren Knicks.