Auf dem Balkon nebenan ist schon Halligalli, auf dem eigenen TV-Gerät ist der Elfer noch gar nicht geschossen. Bei dem einen ertönt der „Tagesschau“-Gong um Punkt acht, bei anderen zehn Sekunden später. Verschiedene Übertragungswege, das ist der Grund dafür, bringen eben unterschiedlich lange Verzögerungen mit sich. Die schlechte Nachricht: Das wird auch demnächst bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Nordamerika so sein. Und es liegt nicht etwa daran, dass die TV-Signale für den Weg über den Atlantik so lange brauchen würden.Das beträfe erstens alle Anbieter und Übertragungswege gleichermaßen, und zweitens macht es bei der Gesamtverzögerung den geringsten Teil aus. Ein Ping, also eine Anfrage an einen Server in den USA, dauert über die Glasfaser-Seekabel für gewöhnlich nur etwa eine Zehntelsekunde. Bei den Unterschieden zwischen Satellit, Antenne, Kabel und verschiedene Arten von Streams geht es dagegen um Verzögerungen von bis zu zehn Sekunden, in Einzelfällen auch mehr. Wenn es ganz dick kommt, läuft womöglich noch der Check durch den Videoassistenten, während der Nachbar schon jubelt. Was ist schuld daran?Die Bildsignale werden nicht 1:1 von den Übertragungswägen vor den Stadien weitergereicht, sondern durchlaufen, bevor sie auf den verschiedenen Empfangsgeräten ankommen, eine Reihe von Verarbeitungsschritten. Die Signale werden komprimiert, damit sie sich schneller und günstiger übertragen lassen und anschließend verteilt, zwischengespeichert und am Ende der Kette auf dem Gerät des Zuschauers wieder dekodiert.Beim Streaming kommt noch dazu, dass die Signale in kleine Datenpakete zerlegt und auf den Endgeräten der Zuschauer wieder zusammengesetzt werden. Weil einzelne Pakete fehlerhaft sein oder verloren gehen können, bauen die Endgeräte, also etwa eine Empfangsbox oder die Software in einem Smart-TV, einen kleinen Puffer auf. So können fehlende Pakete sozusagen nachgeordert werden, ohne dass der Stream unterbrochen wird. Das ruft eine Verzögerung hervor.LiveFußball-WM 2026:Vor dem Eröffnungsspiel: Es drohen Unruhen in Mexiko-Stadt – und GewitterShakira und Burna Boy sollen bei der Eröffnungsfeier auftreten, bevor Mexiko und Südafrika diese WM auch sportlich einläuten. Doch die Lage in Mexiko-Stadt ist in mehrerer Hinsicht kompliziert.Viele Faktoren bestimmen die VerzögerungErst wenn dieser Puffer aufgebraucht ist, kommt es zu den gefürchteten Rucklern und Standbildern. Die treten bei Sportübertragungen oder bei Filmen erfahrungsgemäß immer dann auf, wenn es spannend wird. Verursacht werden kann das beispielsweise durch Überlastung des Netzes, schwaches Wlan oder Stau im eigenen heimischen Netz.Wie schnell welcher Weg genau ist, hängt von so vielen Faktoren ab, dass man kaum allgemeingültige Verzögerungszeiten angeben kann. So kann es passieren, dass zwei Geräte im selben Haushalt unterschiedlich schnell dabei sind, Signale zu decodieren oder unterschiedlich große Puffer anlegen. Mit dem Ergebnis, dass die Verzögerungen unterschiedlich sind, obwohl alle sonstigen Bedingungen identisch sind. Ein Streaming-Sonderfall sind Anbieter, die über ein eigenes Glasfasernetz verfügen. Sie können Streams bevorzugt durchleiten, auch ihnen bleiben aber die technischen Vorbereitungen wie etwa das Komprimieren der Signaldaten nicht erspart.Durch moderne Verfahren und schnellere Computer sind die Verzögerungen inzwischen deutlich kleiner geworden, auch beim Streaming. Zur WM nutzt der Kabel-TV-Anbieter Vodafone einen früh abgezweigten Stream von ARD und ZDF und will damit die Verzögerung verkürzen. Gut dabei ist man mit Satellitenfernsehen, Antennenfernsehen und Kabelempfang. Am schnellsten aber erfahren Fans im guten alten Dampfradio, dem analogen Rundfunk, was los ist.Alle anderen an ihren jeweiligen Bildschirmen können sich mit einem trösten: Wirklich live sehen das Geschehen nur die Zuschauer in den Stadien. Wenn sie nicht gerade weggeschaut haben.