PfadnavigationHomeGeschichteGladiatorenkämpfeManch Herrscher entehrte seine Stellung durch widerwärtige DarbietungenStand: 11:47 UhrLesedauer: 5 MinutenKirk Douglas kämpft als Gladiator in Stanley Kubricks Kinofilm „Spartacus“ gegen einen RetiariusQuelle: picture alliance/COLLECTION CHRISTOPHEL/Universal Pictures - Bryna ProduWie im Alten Rom: US-Präsident Donald Trump feiert die USA und seinen 80. Geburtstag mit martialischen Schaukämpfen. Sein Vorgänger im Geiste, Kaiser Commodus, stieg sogar selbst in die Arena und zog dort blank. Das dürfte sich nicht einmal Trump trauen.Der Höhepunkt wurde häufig blutig. Im kaiserzeitlichen Rom war es üblich, dass Herrscher ihre Geburtstage zum Anlass nahmen, Geschenke zu verteilen und große Feiern zu veranstalten – panem et circenses, wie es der Dichter Juvenal zusammenfasste: kostenloses Brot für die Massen und (Zirkus-)Spiele. Zu denen oft auch Duelle von Schwert- und anderen Kämpfern gehörten, also von Gladiatoren. An dieser fast zwei Jahrtausende alten, aber schon lange überwundenen Tradition orientiert sich augenscheinlich US-Präsident Donald Trump. Der Althistoriker Michael Sommer sieht jedenfalls Parallelen zwischen den Käfigkämpfen der Kampfsportart „Mixed Martial Arts“ vor dem Weißen Haus und den Gladiatoren im Alten Rom. Die Kämpfe sollen den Auftakt zu den Feierlichkeiten anlässlich des 250. Jahrestages der Nation bilden – und finden nicht durch Zufall an Trumps 80. Geburtstag statt, dem 14. Juni 2026, und nicht erst am 4. Juli. Lesen Sie auch„In beiden Fällen sehen wir einen Wettkampf mit Siegern und Besiegten“, sagt Sommer. Es gehe darum, Stärke, Technik und Mut unter Beweis zu stellen. „Die Römer nannten das virtus.“ Das war die „zentrale Bewährungstugend der römischen Gesellschaft“, der „Gradmesser für den Wert, den ein Mann hatte, ob er nun Gladiator, Soldat oder Senator“ war. Im Kern sei so eine Veranstaltung politisch: „Der Spielgeber klinkt sich sozusagen in den Wettbewerb um virtus ein“, sagt Sommer. Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugenCaesar beispielsweise, nach der Diktatur Sullas 82 bis 79 v. Chr. der zweite Alleinherrscher Roms und seit 46 v. Chr. der erste mit wirklich monarchischen Ambitionen, war beim Pöbel der Metropole beliebt für seine beispielslos aufwendigen Spiele. Allerdings interessierte er sich selbst wenig für das Kämpfen in der Arena: Übel stieß auf, dass er in der Ehrenloge lieber Korrespondenz erledigte, als den Gladiatoren zuzusehen. Lesen Sie auchAugustus dagegen, der Adoptivsohn Caesars und erste Imperator der Kaiserzeit, ging gern zu den ludi, wie der lateinische Oberbegriff für jede Art von Spielen lautete. Allerdings machte auch er sich unbeliebt, denn er verbot das Töten unterlegener Gladiatoren, auch wenn das Publikum das durch den gesenkten Daumen verlangte.Richtig auf ihre Kosten kamen die Massen der Millionenstadt Rom dann in der nur knapp vierjährigen Herrschaft von Caligula: „Der junge Kaiser liebte und veranstaltete jede Art von Spielen“, schreibt der Althistoriker Alexander Demandt in seinem Buch „Das Privatleben der römischen Kaiser“ (Ch. Beck München. 3. Aufl. 2012. 308 S., 14,95 Euro): „Er verfiel in Blutrausch und tobte seinen bestialischen Sadismus nicht nur an Verbrechern aus.“Caligulas Onkel und Nachfolger Claudius heilte zwar vieles, was sein Neffe mutwillig zerstört hatte – doch die Neigung zu Gladiatorenkämpfen an Feiertagen teilte er. Der Historiker Sueton schrieb in seiner Biografie über Claudius: „Bei jedem Gladiatorenkampf, ob einem selbst veranstalteten oder dem eines anderen, befahl er, dass selbst diejenigen, die versehentlich fielen, getötet werden sollten, insbesondere die Retiarios.“ Offenbar mochte er diesen Typ von Gladiator nicht, der mit Netz, Dreizack und einem Schutz für den linken Arm nur leicht bewaffnet war. Lesen Sie auchNero, der letzte Kaiser aus dem julischen Geschlecht, schickte Frauen und Kinder, mitunter sogar Honoratioren der stadtrömischen Gesellschaft in Gladiatorenduelle. „Er zwang vierhundert Senatoren und sechshundert römische Ritter, darunter einige wohlhabende und tadellose, in der Arena zu kämpfen“, berichtete Sueton.Der vormalige General Vespasian hatte dann als Kaiser weniger Freude an den blutrünstigen Schaukämpfen; vermutlich hatte er in seiner Laufbahn beim Militär genügend menschliches Leid gesehen. Stattdessen begeisterte er sich für Tierhetzen. Und er ließ auf einem Teil des früheren Nero-Palastes das Kolosseum errichten, benannt nach der einst hier aufgestellten Monumentalstatue des verrückten Vorgängers.Lesen Sie auchZur Eröffnung der technisch beispiellos fortschrittlichen Arena setzte Vespasians Sohn Titus hunderttägige Spiele an, die möglicherweise seinen Geburtstag am 30. Dezember umfassten. Der Dichter Martial verewigte den Kampf der Gladiatoren Priscus und Verus gegeneinander. Die beiden kämpften absolut gleichwertig und erklärten sich beide, als sie erschöpft waren, gleichzeitig für besiegt. Titus entschied jedoch, beide seien Sieger, und schenkte ihnen unter dem Jubel der Massen das hölzerne Schwert als Symbol ihrer Freiheit.Die meisten der folgenden, oft erfahrenen und teilweise schon älteren Adoptivkaiser zeigten wenig Begeisterung für das blutige Kämpfen im Kolosseum. Marc Aurel verbot sogar die Benutzung scharfer Waffen, wie Cassius Dio überlieferte – zumindest bei Kämpfen, die er persönlich besuchte.Ganz anders sein Sohn Commodus, seit dem Blockbuster „Gladiator“ vielleicht der bekannteste römische Kaiser jener Zeit. Er verkehrte nicht nur begeistert mit Gladiatoren, sondern nahm auch persönlich an Tierhetzen und sogar (allerdings manipulierten) Duellen teil. Schließlich aber übertrieb es Commodus: „Als er jedoch nackt ins Amphitheater kam, zu den Waffen griff und als Gladiator kämpfte, bot sich dem Volk ein schändlicher Anblick“, berichtete der antike Historiker Herodian: „Ein hochgeborener römischer Kaiser, dessen Väter und Vorfahren viele Siege errungen hatten, zog nicht gegen Barbaren oder Gegner, die der Römer würdig gewesen wären, in den Krieg, sondern entehrte seine hohe Stellung durch erniedrigende und widerwärtige Darbietungen.“Schließlich verfiel Commodus dem Wahnsinn und wollte vom Kaiserpalast in eine Gladiatorenkaserne umziehen; sich selbst ließ er als „Bezwinger von tausend Gladiatoren“ feiern. Am letzten Tag des Jahres 192 wurde er ermordet – eine Erlösung.Bis ins vierte Jahrhundert nach Christus blieben Gladiatorenkämpfe populär in Rom. Constantin verbot sie zwar per Gesetz, doch darum scherte man sich in der Metropole lange nicht. Erst ab Anfang des 5. Jahrhunderts fanden keine öffentlichen Schaukämpfe mehr statt. Indirekte Nachfolger wurden im europäischen Mittelalter die ritterlichen Turniere – und im Juni 2026 der Käfigkampf vor dem Weißen Haus.Sven Felix Kellerhoff ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Seine Themenschwerpunkte sind zwar Nationalsozialismus, DDR und Terrorismus. Er hat aber auch Alte Geschichte studiert, vorwiegend bei Alexander Demandt in Berlin.