Bislang erreichen nur wenige deutsche Unternehmen durch KI maßgebliche Produktivitätsfortschritte. Laut einer Analyse der Unternehmensberatung McKinsey von rund 16.200 deutschen Unternehmen haben nur rund 30 Unternehmen fast die Hälfte des gesamten Produktivitätswachstums der deutschen Wirtschaft im Zeitraum zwischen 2019 und 2023 erzeugt. In der Breite habe die Produktivität kaum zugelegt, das Potential für Produktivitätssteigerungen durch KI bleibe bislang weitgehend ungenutzt.Große Hindernisse für Produktivitätsfortschritte lägen oft in der Unternehmenskultur, mangelnder Veränderungsbereitschaft und im regulatorischen Umfeld. Deutsche Unternehmen seien zudem zu wenig in Wachstumsfeldern aktiv und hätten Probleme, im Gegenzug „strukturell schrumpfende Geschäftsfelder loszulassen“. Obwohl KI mittlerweile in den Unternehmen breit genutzt werde, blieben die wirtschaftlichen Fortschritte dadurch sehr begrenzt: Rund 90 Prozent aller KI-Anwendungen kommen demnach in den Unternehmen nicht über die Pilotphase hinaus.Laut McKinsey verfügt Deutschland über das größte KI-Automatisierungspotential in Europa. „59 Prozent der derzeitigen Arbeitsstunden könnten theoretisch mithilfe bestehender Technologien automatisiert werden“, heißt es in einer Studie der Berater, der größere Teil durch KI-gestützte Agenten für kognitive Aufgaben, der kleinere Teil durch Roboter für körperliche Arbeit. Die Werte spiegelten allerdings lediglich die technische Machbarkeit wider und seien keine Prognose für die tatsächliche Umsetzung oder den Verlust von Arbeitsplätzen.KI-Lizenzen und Pro-Accounts für MitarbeiterAuch Ökonomen des ZEW Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim haben sich gerade mit dem KI-Einsatz in deutschen Unternehmen befasst. Viele Unternehmen fördern den Einsatz generativer KI-Anwendungen gezielt. So stellen im verarbeitenden Gewerbe rund 41 Prozent der Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern ihrer Belegschaft Lizenzen und Pro-Accounts für kommerzielle Anbieter zur Verfügung. Noch häufiger ist das mit 73 Prozent bei Unternehmen der Informationswirtschaft der Fall – dazu zählen zum Beispiel Verlage, Telekommunikationsunternehmen, IT-Dienstleister, Rechtsanwälte, Architekten, Werber und Unternehmensberater.Kleinere Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten stellen solche Lizenzen und Pro-Accounts deutlich seltener zur Verfügung, im verarbeitenden Gewerbe nur zehn Prozent, in der Informationswirtschaft 34 Prozent. Das ist das Ergebnis einer im März und April durchgeführten repräsentativen Umfrage der Forscher unter 1500 deutschen Unternehmen.Eine kleine Zahl von Unternehmen verbietet ihren Mitarbeitern den Einsatz generativer KI ausdrücklich – zum Beispiel aus rechtlichen Gründen oder aus Sorge vor einem Datenabfluss. Allerdings sind das nur sehr wenige: im verarbeitenden Gewerbe waren es acht Prozent der befragten Unternehmen, in der Informationswirtschaft vier Prozent. Laut den Wissenschaftlern haben Unternehmen heute generell weniger Kontrolle als früher, welche Software von der eigenen Belegschaft genutzt wird, weil Mitarbeiter auch auf eigene Faust generative KI-Tools für ihre Arbeit nutzen können.Die Sorge vor Datenabflüssen könnte auch der Grund sein, warum bislang in Unternehmen generative KI-Anwendungen, die mit eigenen Unternehmensdaten angereichert wurden, noch nicht so stark verbreitet sind. Lediglich in großen Unternehmen der Informationswirtschaft – die sich vermutlich auch höhere Sicherheitsstandards leisten können – sind solche KI-Anwendungen in 45 Prozent der Fälle verbreitet, im verarbeitenden Gewerbe sind es bei den großen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern nur 16 Prozent, und bei den kleineren Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern sind es lediglich vier Prozent.
McKinsey: Warum KI-Projekte in der Pilotphase scheitern
Immer mehr Unternehmen stellen ihrer Belegschaft KI-Tools zur Verfügung. Große Produktivitätsfortschritte sind jedoch bislang noch selten.










