Rassistische Beleidigungen und Diskriminierung gehören in München zum Schulalltag. Jugendliche werden wegen ihrer Hautfarbe beleidigt, im Lehrerzimmer sagt eine Lehrkraft, Kinder sollten in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden, im Klassenchat kursieren rassistische Bilder, und an die Wände im Schulgebäude hat jemand Hakenkreuze geschmiert. Insgesamt 154 Meldungen von rechtem Hass, Diskriminierung und Sexismus gingen bei der Fachstelle für Demokratie für das Jahr 2025 ein – deutlich mehr als im Vorjahr. Ein Drittel der Meldungen stuft die Stelle in ihrem jährlichen Bericht als strafrechtlich relevant ein.Schülerinnen und Schüler waren in der Mehrheit der Fälle die Betroffenen (66 Prozent) – aber auch die Täter (56 Prozent). Bei fast jedem fünften Vorfall wurde eine Lehrkraft als Täter angegeben (19 Prozent). An Münchner Schulen wurden Menschen wegen ihres jüdischen Glaubens diskrimiert oder wegen ihres Geschlechts verspottet, „Schwuchtel“ wurde als Schimpfwort verwendet, ein Schüler zog einer Schülerin die Unterhose herunter. Lehrkräfte sprachen das N-Wort aus, kommentierten die Kleidung oder den Körper von Schülerinnen.„Die Fälle aus dem Bericht sind wie Beispiele zu sehen“, sagt eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Demokratie. Aus Sorge vor persönlichen Anfeindungen von rechts möchte sie anonym bleiben. „Wir gehen davon aus, dass jeden Tag an jeder Schule Menschen diskriminiert werden.“ Denn Probleme, die in der Gesellschaft aufträten, zeigten sich auch an Schulen. In München gibt es mehr als 350 öffentliche Schulen – sehr wahrscheinlich passiert also viel mehr, als bisher gemeldet wird.Schülerinnen und Schüler, die beleidigt oder diskriminiert werden, nähmen das oft hin, hielten das aus. „Auch Kinder und Jugendliche, die etwas beobachten, und Lehrkräfte sind manchmal überfordert und wissen nicht, wie sie reagieren und was sie wem melden sollen“, sagt die Mitarbeiterin der Fachstelle für Demokratie. „Viele befürchten Konsequenzen, wenn sie so etwas melden.“Seit vier Jahren gibt es bei der Fachstelle für Demokratie eine eigene Anlaufstelle bei Diskriminierung und rechtem Hass an Münchner Schulen. Jedes Jahr erstellen die Mitarbeiter einen Bericht, außerdem beraten sie Betroffene und auch Lehrkräfte und Schulleitungen dabei, wie sie damit umgehen sollen, wenn zum Beispiel ein Kind in der Klasse mit dem N-Wort beleidigt oder sexistisch angegangen wird.Der erste Bericht erschien im Jahr 2022, damals waren 55 Meldungen eingegangen. Seitdem sind die Zahlen jedes Jahr gestiegen. Ob Diskriminierung und Beleidigung häufiger werden oder ob die Zahl der Meldungen steigt, weil die Anlaufstelle bekannter wird und das Bewusstsein dafür wächst, dass solche Vorfälle eben kein ganz normaler Teil des Schulalltags sind, das könne man anhand der Zahlen nicht feststellen, heißt es in dem Bericht. Wahrscheinlich sei eine Kombination.„An fast jeder Schule gibt es Hakenkreuze“, sagt die Mitarbeiterin der Fachstelle für Demokratie. „Das darf einfach nicht normal sein.“ Es sei wichtig, genau hinzusehen und jeden rechtsextremen Sticker, jede Schmiererei und jedes rassistische Bild im Klassenchat zu melden. „Das sind keine Kleinigkeiten. So etwas verändert das Schulklima und führt dazu, dass Schule für manche Kinder kein sicherer und guter Ort ist“, sagt sie.Lehrer und Schulleitungen der städtischen Schulen haben die Pflicht, Vorfälle zu melden, es melden sich aber auch staatliche Schulen und einzelne Personen bei der Anlaufstelle. Ziel ist es, dass die Zahlen im Bericht immer besser die Wirklichkeit abbilden. Die meisten Meldungen, nämlich 28, gingen im Mai 2025 ein. Acht davon bezogen sich auf die Aktionen der rechtsextremen „Identitären Bewegung“.Im Mai vergangenen Jahres hatten rechtsextreme Aktivisten an Münchner Schulen Flyer verteilt und an vier Schulen, dem Willi-Graf-Gymnasium in Schwabing, dem St.-Anna-Gymnasium im Lehel, dem Max-Josef-Stift in Bogenhausen und dem Maximiliansgymnasium in Schwabing, Transparente gezeigt. An einer Schule zündeten die Aktivisten Böller. Die betroffenen Schulen hätten sehr schnell, verantwortungsvoll und entschieden auf die Aktionen reagiert, heißt es in dem Bericht. In diesem Jahr habe es ihres Wissens noch keine Aktionen an Münchner Schulen gegeben, sagt die Mitarbeiterin der Fachstelle. „Vielleicht haben sich die Aktionen nicht gelohnt. Oder sie planen gerade die nächste, das kann man nicht sagen.“Lehrer und Eltern wissen oft nicht, was Kinder in Sozialen Medien sehenWas der Bericht auch erwähnt: Social Media bleibe bei der Verbreitung rechter Inhalte unter Schülerinnen und Schülern weiterhin bedeutend. Extreme rechte Parteien und Akteure nutzten eine große Reichweite gezielt, um „rechte, demokratie- und menschenfeindliche Inhalte unter jungen Menschen zu normalisieren“. Lehrkräfte und auch die Eltern wüssten oft nicht genau, was Kinder und Jugendliche zum Beispiel auf Tiktok sehen. Es sei sehr wichtig, heißt es im Bericht, dass Schulen darauf reagierten und im Unterricht Inhalte aufgriffen und thematisierten.Einige Münchner Schulen sind selbst gegen Diskriminierung aktiv, Schüler haben einen Arbeitskreis mit der Schulsozialarbeit gebildet, haben interne Meldestrukturen aufgebaut oder veranstalten Aktionstage für Menschenrechte und Demokratie. Andere haben Podcasts zum Thema Rechtsextremismus aufgenommen. Und manche Lehrkräfte geben Schülern, die andere diskriminieren, die Aufgabe, drei Influencer auf Tiktok oder Instagram zu finden, die antirassistische Aufklärungsarbeit machen. Im besten Falle regt sie das an, sich mit deren Inhalten zu befassen. Und beeinflusst den Algorithmus im Feed der Jugendlichen.Wer Diskriminierung, Sexismus oder rechten Hass an einer Münchner Schule beobachtet oder erlebt hat, kann das hier melden: per E-Mail an demokratie.schule@muenchen.de, telefonisch unter 089/233 92642 oder über ein Online-Formular unter www.melden-gegen-diskriminierung.de.
München: Wenn der Lehrer das N-Wort sagt - Rassismus und Diskriminierung an Schulen
In Münchner Schulen häufen sich Meldungen über Rassismus, Diskriminierung und rechten Hass. Betroffen sind vor allem Schüler und Lehrer. Rechtsextreme Symbole und Vorfälle prägen das Schulklima.






