Weiße Kacheln, grelles Licht. Madonna fummelt mit einem Typen ohne Oberteil in einer Kabine der Club-Toilette, während sie auf tanzbare Party-Beats singt: „Everybody is watching now, I don’t care.“ Passend dazu schaut Schauspielerin Gwendoline Christie mit bestürzter Miene über die kalte Metallwand. In der Kabine nebenan knutschen zwei Männer, auf der anderen Seite tratschen die Musikerinnen Arca und Shygirl mit Schauspieler Richard E. Grant, und am Waschbecken wirft gerade Kate Moss ihr Haar zurück, als im Song das Wort „Kokain“ fällt. Madonnas Club-Toilette: unisex, queer und kinky.Die 67-Jährige ist also zurück und tanzt in ihrer neuen beinahe 14-minütigen Musikvideo-Collage gemeinsam mit relativ beeindruckend vielen Promis zu sechs Songs ihres neuen Albums „Confessions II“, das am 3. Juli erscheinen soll. Neben weniger überraschenden Cameo-Auftritten (Sabrina Carpenter, die auf einem der Songs auch mitsingt) lässt sich im steten Gewusel auch Benedict Cumberbatch im Anzug erblicken, der, so locker das für einen Briten eben geht, zum Song „Danceteria“ lipsyncht: „Everybody get up and dance.“YouTubeDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von YouTube angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.„Confessions II“ wird der Nachfolger des berühmten Elektropop-Albums „Confessions on a Dance Floor“, erschienen im Jahr 2005, und nach recht einhelliger Meinung das bis hierhin letzte zwingende Werk der Sängerin. Eine Rückkehr also. Vielleicht auch eine Verteidigung ihres Platzes im Glitzerlicht.Angedeutet hatte sich das bereits beim gemeinsamen Auftritt mit Sabrina Carpenter bei deren Coachella-Set, in dem nicht nur die Jüngere der beiden in einem beeindruckenden Body auftrat. Auch im neuen Video sind sie im Partnerlook zu sehen. Ähnlich, aber nicht gleich spiegeln sie die Bewegungen der anderen während des gemeinsamen Songs „Bring Your Love“. Madonna, das wird allemal klar, ist kein Popstar im Ruhestand.„Madonna völlig wild!“, titelte ein großes deutsches Boulevardblatt, was so nicht ganz stimmtTrotzdem ist da viel Nostalgie: Slowmotions, wehendes, blondes Haar, kühl-dystopische Clubatmosphäre und Tanzsequenzen, die unter anderem verschwommen durch eine regenbenetzte Scheibe gefilmt sind, erinnern an die Musikvideos der 2000er – an Lady Gagas „Paparazzi“, an Rihannas „Umbrella“, an Madonnas eigene Videos zu „Confessions on a Dance Floor“. Gilt auch für die Outfits: hautenges Latex, meist in Schwarz, manchmal in Blau und manchmal mit ein bisschen Bling-Bling.„Madonna völlig wild!“, titelte ein großes deutsches Boulevardblatt, sehr aufgeregt. Doch wild ist, wenn es so was in Musikvideos denn noch gibt, höchstens die Szene während des „Good For The Soul“- Parts. Tänzerinnen und Tänzer in Unterwäsche rekeln sich da in einem nebelverhangenen grünen Garten und schicken unentwegt grüne Laserstrahlen aus ihren Geschlechtsteilen. Bei Madonna selbst leuchtet es untenrum hingegen Heiligenschein-weiß und eher diffus.Ansonsten bietet das an schönste MTV-Zeiten erinnernde Video noch ein paar mehr Tanzszenen, ein paar mehr Berühmtheiten und ein paar Kamerafrauen in Lack und Leder, die auf der Afterparty herumfläzen und Bananen essen, bis schließlich Madonnas Tochter Lourdes Leon herumirrt und ruft: „Cut, Bitch!“Es wird womöglich nicht immer vollständig klar, was genau hier gefeiert wird – das Früher, das Heute, das Morgen, das Leben –, aber vielleicht genügt es in diesen Tagen ja auch schon, dass irgendwer überhaupt noch feiert. Zu den schönsten Momenten gehört denn auch der Abspann, der mit immenser Akribie und über knapp drei Minuten kinofilmartig alle Beteiligten auflistet: die kreativen Schöpfer, die Tänzer, Techniker und die Barista. Für die Security, nur zum Beispiel, war Lauris Beinerts zuständig.