PfadnavigationHomePolitikDeutschlandReutlingenNach Anschlag auf Umspannwerk erscheint Beitrag auf linksextremer Sabotage-SeiteStand: 08:42 UhrLesedauer: 3 MinutenNach einem großflächigen Stromausfall in Reutlingen stehen Polizeikräfte auf dem Gelände eines Umspannwerks, in dem es in der Nacht gebrannt hatte, und sichern SpurenQuelle: Christoph Schmidt/dpaWenige Tage nach dem Brandanschlag auf die Energieversorgung in Reutlingen melden sich Aktivisten auf einer linksextremistischen Internetseite zu Wort. Bei der Tat sehen die Ermittler Parallelen zu den Anschlägen auf die Stromversorgung in Berlin.Nach dem Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Reutlingen ist auf der linksextremistischen Internetplattform „Switch Off“ ein Beitrag zur Tat erschienen. Das könnte einen Hinweis auf die Täter liefern. Zwar handelt es sich nicht um ein klassisches Bekennerschreiben, aber der Text greift den Anschlag auf, ordnet ihn ideologisch ein und stellt ihn in einen größeren Zusammenhang mit Angriffen auf Energieinfrastruktur und Industrieanlagen in Frankreich.Die anonymen Autoren verweisen auf den Stromausfall in Reutlingen und zitieren Medienberichte über die laufenden Ermittlungen. Zudem heben sie hervor, dass sich im betroffenen Industriegebiet unter anderem das Bosch-Halbleiterwerk befindet. Die Fabrik zählt zu den wichtigsten Standorten des Konzerns für die Produktion von Mikrochips. Darüber hinaus verweist der Beitrag auf ähnliche Angriffe gegen die Stromversorgung von Industrieanlagen und Halbleiterstandorten, insbesondere in Frankreich.Nach Erkenntnissen aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei „Switch Off“ um eine Mitmachkampagne, unter deren Dach in verschiedenen Ländern Sabotageakte gegen Infrastruktur- und Industrieziele propagiert werden. Ermittler beschreiben die Struktur als lose organisierte, franchiseähnliche Bewegung ohne erkennbare zentrale Führung. Ziel seien nach dem Selbstverständnis der Akteure Unternehmen und Einrichtungen, die als Mitverursacher von Umweltzerstörung, Industrialisierung oder technologischer Entwicklung angesehen werden. In Berlin gab es etwa mehrfach Anschläge auf einen Zementhersteller. Lesen Sie auchBei der Tat von Reutlingen sehen die Ermittler deutliche Parallelen zu den Brandanschlägen auf die Stromversorgung in Berlin aus dem vergangenen Herbst und dem Januar dieses Jahres, wie WELT exklusiv am Dienstag berichtete. In Sicherheitskreisen ist teilweise sogar von einem „Copy-Paste-Anschlag“ die Rede. Demnach sprechen mehrere Umstände für ein ähnliches Vorgehen der Täter: Das Gelände des Umspannwerks soll zuvor über einen längeren Zeitraum ausgespäht worden sein. Um auf das Areal zu gelangen, wurde nach bisherigen Erkenntnissen ein Zaun aufgebogen. Im Inneren entdeckten die Ermittler mehrere Brandherde. Die Feuer wurden nach Informationen von WELT an mehreren Stellen mit Autoreifen und Brandbeschleunigern gelegt. Auch bei früheren Anschlägen auf die Berliner Energieversorgung waren vergleichbare Tatmittel eingesetzt worden.WELT hatte erst vor wenigen Wochen über eine interne Gefährdungsanalyse der Berliner Polizei enthüllt, in der das mutmaßliche Vorgehen der linksextremistischen Sabotageszene erstmalig detailliert beschrieben wurde. Demnach agieren die Täter meist in kleinen, konspirativen Gruppen, spähen mögliche Ziele über längere Zeit aus und wählen bevorzugt schwer einsehbare Tatorte. Die Polizei geht zudem davon aus, dass Fluchtwege im Vorfeld geplant werden und häufig über Waldstücke, Grünanlagen oder andere schwer zugängliche Bereiche führen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sollen auch die Täter von Reutlingen nach dem Anschlag über ein Waldgebiet geflüchtet sein. Zur Tat von Reutlingen sagte ein Ermittler: „Die Art des Brandanschlags kommt uns bekannt vor.“Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise für uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (8SNK792J).