PfadnavigationHomePolitikDeutschlandReutlingen„Die Art des Brandanschlags kommt uns bekannt vor“Stand: 12:28 UhrLesedauer: 3 MinutenErmittler sichern Spuren auf dem Gelände des Umspannwerks in ReutlingenQuelle: Christoph Schmidt/dpaEs gibt Parallelen zu Attacken in Berlin: Nach dem Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Reutlingen verdichten sich nach WELT-Informationen die Hinweise auf einen linksextremistischen Hintergrund.Nach Informationen von WELT sehen die Ermittler nach dem Brandanschlag auf ein Umspannwerk bei Reutlingen inzwischen deutliche Parallelen zu den Attacken auf die Stromversorgung in Berlin aus dem vergangenen Herbst und dem Januar dieses Jahres. In Sicherheitskreisen ist teilweise sogar von einem „Copy-Paste-Anschlag“ die Rede. Demnach sprechen mehrere Umstände für ein ähnliches Vorgehen der Täter: Das Gelände soll zuvor über einen längeren Zeitraum ausgespäht worden sein. Um auf das Areal zu gelangen, wurde nach bisherigen Erkenntnissen ein Zaun aufgebogen. Im Umspannwerk entdeckten die Ermittler mehrere Brandherde. Die Feuer wurden nach Informationen von WELT mit Brandträgern wie Autoreifen und Brandbeschleunigern gelegt. Auch der Brandanschlag auf den Technologiepark Adlershof in Berlin wurde so begangen. Ein Bekennerschreiben für den Anschlag in Reutlingen liegt bislang nicht vor.WELT hatte erst vor wenigen Wochen eine interne Gefährdungsanalyse der Berliner Polizei über das Vorgehen der linksextremen Sabotageszene enthüllt. Darin beschrieben die Ermittler detailliert das mutmaßliche Vorgehen bei Angriffen auf die Energieversorgung. Demnach agieren die Täter meist in kleinen, konspirativen Gruppen, spähen mögliche Ziele über längere Zeit aus und wählen bevorzugt schwer einsehbare Tatorte, die nachts kaum einsehbar sind. Die Polizei geht zudem davon aus, dass Fluchtwege im Vorfeld geplant werden und häufig über Waldstücke, Grünanlagen oder andere schwer zugängliche Bereiche führen. Auch die gezielte Auswahl kritischer Infrastruktur als Anschlagsziel sowie der Einsatz von szenetypischen „Brandlegungsmitteln“ gehörten nach Einschätzung der Ermittler zum typischen Vorgehen der Szene. In Sicherheitskreisen wird derzeit von einem linksextremistischen Tatmotiv ausgegangen. Hinweise auf die Beteiligung eines ausländischen Staates oder sogenannter Low-Level-Agenten haben die Ermittler nach WELT-Informationen bislang nicht. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die Täter nach der Tat durch ein angrenzendes Waldstück geflüchtet sein. Lesen Sie auchOffiziell wollte ein Sprecher des Landeskriminalamtes die Erkenntnisse weder bestätigen noch dementieren. Der Sprecher sagte lediglich, dass man weiterhin in alle Richtungen ermittle. Zudem betonte er, dass man die Fahndung nach den Tätern intensiviere und dafür Mitarbeiter aus dem gesamten Landeskriminalamt zusammenführe. Eine genaue Zahl wollte der Sprecher nicht nennen, sprach aber von mehreren Abteilungen.Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg rechnet der gewaltorientierten linksextremistischen Szene in Reutlingen derzeit eine niedrige zweistellige Zahl von Personen zu. Entsprechende Akteure seien der Behörde als Angehörige der autonomen Szene bekannt, erklärte eine Sprecherin des Verfassungsschutzes. Landesweit zählt der Verfassungsschutz rund 2700 Linksextremisten, davon etwa 850 gewaltorientierte Anhänger. Im Jahr 2024 registrierten die Behörden 342 linksextremistisch motivierte Straftaten, darunter 34 Gewaltdelikte.Am Dienstag hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gemeinsam mit dem Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) Holger Münch die aktuellen Zahlen für politisch motivierte Kriminalität vorgestellt. Zwar sind rechtsextreme Straftaten immer noch das größte Feld innerhalb der politisch motivierten Kriminalität. Doch gab es im vergangenen Jahr den größten Zuwachs bei linksextremen Straftaten.Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise für uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (8SNK792J).mit dpa
Reutlingen: „Die Art des Brandanschlags kommt uns bekannt vor“ - WELT
Es gibt Parallelen zu Attacken in Berlin: Nach dem Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Reutlingen verdichten sich nach WELT-Informationen die Hinweise auf einen linksextremistischen Hintergrund.














