PfadnavigationHomePolitikAuslandUnruhen nach MesserangriffNeue Ausschreitungen in Belfast – Polizei setzt Wasserwerfer einStand: 11.06.2026Lesedauer: 4 MinutenEine Bluttat verschärft die Spannungen im Vereinigten Königreich: In Southampton fordern Demonstranten Abschiebungen, in Belfast brennen Häuser und Autos.In Belfast wächst nach fremdenfeindlichen Ausschreitungen die Angst vor neuer Gewalt. Rechtsextreme mobilisieren weiter, Schulen schließen, der Nahverkehr steht still. Die Polizei setzt Wasserwerfer gegen gewalttätige Demonstranten ein.Den zweiten Abend in Folge ist es in Nordirland zu Gewalt bei ausländerfeindlichen Protesten gekommen. Die Polizei ging in der Nähe von Belfast mit Wasserwerfern gegen Steine werfende Demonstranten vor. „Es werden Gegenstände auf Beamte geworfen. Diese setzen nun Wasserwerfer ein, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten“, erklärte die Polizei.Die neuen Ausschreitungen ereigneten sich in Glengormley nördlich von Belfast. Aus den Reihen der Demonstranten wurden laut dem Bericht von Reportern der Nachrichtenagentur AFP Steine und Flaschen auf die Beamten geworfen. Zudem wurden Feuer auf der Fahrbahn gelegt.Im Zentrum von Belfast blieb es derweil ruhig. Die Polizei hatte im Laufe des Tages ihre Präsenz in der Hauptstadt des zu Großbritannien gehörenden Landesteils Nordirland massiv verstärkt. Zudem blieben viele Schulen und Geschäfte am Mittwoch geschlossen.Brutaler Messerangriff eines Sudanesen Rechtsextreme Aktivisten hatten zu den Protesten aufgerufen, bei denen Fahrzeuge und Häuser in Brand gesteckt wurden. Auslöser war ein brutaler Messerangriff eines sudanesischen Migranten. Ein Video zeigt den Täter – einen 30-jährigen Sudanesen namens Hadi Alodid –, der einen am Boden liegenden, blutüberströmten Mann mehrfach mit einem Messer attackiert und offenbar versucht, ihm die Kehle durchzuschneiden. Das Opfer, Stephen Ogilvie, wurde schwer verletzt.Lesen Sie auchDaraufhin hatten der bekannte Rechtsradikale Tommy Robinson sowie US-Tech-Milliardär Elon Musk zu Protesten gegen Migranten aufgerufen. Demonstrationen und Ausschreitungen gab es auch in mehreren anderen Städten in Großbritannien.Angesichts neuer Aufrufe zu Protesten beendeten am Mittwoch örtlichen Medien zufolge mehrere Schulen schon am Mittag den Unterricht. Der öffentliche Nahverkehr mit Bussen und Zügen wurde laut einer Mitteilung des Betreibers eingestellt. Auch mehrere Geschäfte wurden geschlossen. Lesen Sie auchDie Polizei kündigte an, ihre Kräfte aufzustocken, Verstärkung aus anderen Regionen des Vereinigten Königreichs sollte am Donnerstag eintreffen. Der nordirische Polizeichef Jon Boutcher bezeichnete die Ausschreitungen als einen „massiven Akt der Selbstzerstörung durch hirnlose Idioten“. Lesen Sie auchMaskierte Demonstranten rissen Ziegelsteine aus den Mauern von Häusern und schlugen mit Vorschlaghämmern auf Gehwege ein, um die Steine nach der Bereitschaftspolizei zu werfen. An einer Stelle nutzte die aufgebrachte Menge Teile eines abgebauten Lattenzauns als Deckung auf der Straße.Die britische Regierung kündigte einen harten Kurs gegen die Verantwortlichen an. Diese würden die „volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“, versicherte Premierminister Keir Starmer im Onlinedienst X. Die Vorfälle in Belfast seien „schockierend und völlig inakzeptabel“. Laut Polizei wurden bislang drei Menschen festgenommen.Auch die nordirische Regierungschefin Michelle O'Neill verurteilte die Proteste scharf und rief zur Ruhe auf. „Gruppen maskierter Männer, die Familien aus ihren Häusern vertreiben, indem sie diese niederbrennen – das ist nichts anderes als widerliche Feigheit“, schrieb sie im Onlinedienst X.Die Familie des Opfers des Messerangriffs rief unterdessen dazu auf, den Vorfall nicht fremdenfeindlich auszuschlachten. „Wir möchten nicht, dass diese schreckliche Tragödie dazu genutzt wird, die Menschen zu spalten oder Feindseligkeiten anzufeuern“, erklärte die Familie in einem Facebook-Post auf der Seite eines Lokalpolitikers. Sie hob hervor, dass viele Migranten etwa im Gesundheitssystem einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisteten.Augenzeugen beschrieben derweil bedrohliche Szenen während der Ausschreitungen am Dienstag. „Gegen 19.30 Uhr legten sie Feuer in den Müllcontainern“, berichtete der Bewohner eines Hauses mit Blick auf die Demonstranten. „Wir hörten Polizeiwagen und Sirenen“, sagte Eemran, ein Ingenieur indischer Herkunft. Feuerwehrleute seien ins Haus gekommen und hätten alle nach draußen geholt. Polizeichef Boutcher sagte dem Sender BBC, Beamte hätten „viele Familien“ gerettet. Unter anderem sei ein zwei Monate altes Baby zu einer Polizeiwache gebracht worden.Der Tatverdächtige Hadi Alodid wurde mittlerweile einem Richter vorgeführt. Dem 30-Jährigen wird versuchter Mord vorgeworfen. Vor Gericht wurde bekannt, dass der von ihm angegriffene Mann ein Auge verloren habe. Das Gericht lehnte eine Freilassung auf Kaution ab. Am 8. Juli soll der Verdächtige erneut vor der Justiz erscheinen. Der Mann sei vorher nicht polizeibekannt gewesen, sagte Polizeichef Boutcher. Ein terroristisches Motiv wurde bislang ausgeschlossen. Der Mann soll sich seit 2023 in Nordirland aufhalten.Die führende Labour-Politikerin Anna Turley machte Online-Dienste für die Ausschreitungen mitverantwortlich. Der hinter X stehende US-Tech-Milliardär Musk habe wie jeder „die Verantwortung, zur Ruhe aufzurufen und nicht Groll oder Hass zu schüren“, erklärte sie. Musk hatte Posts von rechtsextremen Aktivisten wiederholt und die Protestierenden auf X aufgefordert, „wiederholt und laut“ auf die Straße zu gehen.UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk mahnte in diesem Zusammenhang mehr Verantwortung in den sozialen Netzen an. „Provider“ müssten „die Verantwortung ernst nehmen, dass Entmenschlichung, hasserfüllte Sprache, Gewalt und der Aufruf zu Gewalt nicht hinzunehmen sind“, sagte er am Mittwoch vor Journalisten in Genf. Die Bilder von den Ausschreitungen seien „schockierend“.AFP/AP/nw/saha/ll
Belfast: Neue Ausschreitungen nach Messerangriff – Polizei setzt Wasserwerfer ein - WELT
In Belfast wächst nach fremdenfeindlichen Ausschreitungen die Angst vor neuer Gewalt. Rechtsextreme mobilisieren weiter, Schulen schließen, der Nahverkehr steht still. Die Polizei setzt Wasserwerfer gegen gewalttätige Demonstranten ein.











