Wer verstehen will, wie deutsche Industriepolitik im Jahr 2026 zwischen Anspruch und Wirklichkeit zerreißt, sollte die Antwort der Brandenburger Landesregierung auf die Kleine Anfrage 1042 der BSW-Fraktion lesen. Auf sieben Seiten reiht sich dort, wo eine strategische Standortpolitik zu erwarten wäre, ein bemerkenswertes Vokabular der Nicht-Zuständigkeit: „liegen keine Informationen vor“, „erfassen keine statistischen Daten“, „sieht derzeit keine Notwendigkeit“, „ist derzeit nicht geplant“.

Brandenburg, eines der wichtigsten Wachstumsländer für Rechenzentren in Deutschland, präsentiert sich als ein Land, das den Boom geschehen lässt, ohne ihn zu steuern – und vielleicht nicht einmal beobachtet.

Der zentrale Widerspruch: Anlage ohne Übersicht

Die brisanteste Aussage steht gleich in der Antwort auf Frage 1 des Dokuments, das der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung unter Berliner Zeitung exklusiv vorliegt. Das Land und die Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) erfassen demnach selbst keine statistischen Daten zu Rechenzentren im Land. Es gibt keine Gesamtzahlen, keine konsolidierte Liste von Standorten, keine Übersicht über Energie- oder Wasserbedarfe, keine Datenbasis zu Arbeitsplätzen oder Abwärmepotenzialen.