PfadnavigationHomePolitikAuslandEskalation am GolfUS-Militär bombardiert Iran erneut – Straße von Hormus angeblich zeitweise gesperrtStand: 04:22 UhrLesedauer: 7 MinutenUS-Präsident Donald Trump hat weitere Angriffe gegen den Iran umsetzen lassenQuelle: BRENDAN SMIALOWSKI/AFPDas US-Militär hat nach eigenen Angaben seine jüngste Angriffswelle im Iran beendet. Ziele waren Militär- und Kommunikationssysteme. Der Iran droht mit Vergeltung, während sich beide Seiten weiter widersprechende Darstellungen liefern.Das US-Militär hat eigenen Angaben zufolge seine jüngste Runde von Luftangriffen gegen den Iran abgeschlossen. Die Streitkräfte haben „iranische militärische Überwachungsfähigkeiten, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsanlagen im gesamten Iran“ ins Visier genommen, wie das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) am Donnerstag mitteilte. Zu den Schäden durch die Angriffe machte das Kommando keine Angaben.„Die Angriffe erfolgen als Reaktion auf die unbegründete und anhaltende Aggression des Irans“, erklärte Centcom. „US-Streitkräfte bleiben wachsam, schlagkräftig und einsatzbereit.“Der Iran hat mit Vergeltung gedroht. In Bahrain, wo US-Truppen stationiert sind, heulten am frühen Donnerstagmorgen die Sirenen.Zwischenzeitlich überzogen sich die USA und der Iran mit völlig gegensätzlichen Darstellungen zur derzeitigen militärischen und politischen Lage. Während staatliche iranische Medien am Donnerstag meldeten, die strategisch wichtige Straße von Hormus sei gesperrt und US-Schiffe seien attackiert worden, dementierte das US-Militär umgehend. Es seien keine US-Kriegsschiffe getroffen worden, teilte das US-Zentralkommando (Centcom) mit. Auch die iranische Behauptung, die strategisch wichtige Meerenge sei gesperrt, wies das Centcom zurück und erklärte dagegen, Handelsschiffe passierten die Meerenge weiterhin. Auch auf politischer Ebene bleiben die Aussagen widersprüchlich: US-Präsident Donald Trump erklärte, er stehe in direktem Kontakt mit der Führung in Teheran und wolle die Angriffe bald stoppen, weil der Iran ihn darum gebeten habe. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter wies dies als falsche Behauptung und Vorwand Trumps zurück, um einen Krieg zu vermeiden.Kurz zuvor hatte das iranische Militär die Straße von Hormus als Reaktion auf die jüngsten US-Angriffe auf Ziele im Süden des Landes nach eigenen Angaben komplett gesperrt. Jedes Schiff, dass die Meerenge zu passieren versuche, werde angegriffen, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der Militärführung. Iranischen Medien zufolge seien bereits zwei Schiffe getroffen worden, die das Verbot missachtet und eine Durchfahrt durch die Meerenge versucht hätten.Berichte über Angriffe bei TeheranNahe der iranischen Hauptstadt Teheran haben sich mitten in der Nacht mehrere Explosionen ereignet. Der staatliche iranische Rundfunk meldete Explosionen in der Pendlermetropole Karadsch, die nur wenige Kilometer von der Millionenstadt Teheran entfernt liegt. Weiter westlich von Karadsch seien Kampfdrohnen gesichtet worden. Details dazu lagen zunächst nicht vor.In den sozialen Medien gab es mehrere Berichte über eine Angriffswelle nahe der Hauptstadt, nachdem das US-Militär zuvor Ziele an der mehr als 1000 Kilometer entfernten Südküste des Irans bombardiert hatte. Ein als Vahid bekannter Online-Journalist berichtete auf Telegram über mehrere Explosionen bei Karadsch, die Gebäude und Fenster zittern ließen und Bewohner aus dem Schlaf rissen.„Zwei furchtbare Explosionsgeräusche kamen aus Richtung Karadsch. Sie haben wieder zugeschlagen“, zitierte er einen Bewohner. „Sie haben wohl den Pajam-Flughafen getroffen. Ich bin drei Meter hoch aus dem Schlaf gesprungen“, habe ihm ein anderer Iraner geschrieben.Auch südöstlich von Teheran in Waramin gab es Explosionen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. Offiziell äußerten sich die Behörden nicht zur Ursache.Zuvor hatte die US-Armee neue Angriffe auf den Iran auf Befehl von US-Präsident Donald Trump gemeldet. „Die Angriffe sind eine Reaktion auf die ungerechtfertigte und anhaltende Aggression des Irans“, teilte das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Die neuesten Maßnahmen hätten um 17:15 Uhr US-Ostküstenzeit (23:15 Uhr deutscher Zeit) begonnen. Centcom bezeichnete diese als „Selbstverteidigungsschläge“. Kurz zuvor hatte Trump bereits weitere Angriffe für „heute“ angekündigt. „Sie haben zu lange gebraucht, um einen für sie großartigen Deal auszuhandeln, jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social mit Blick auf die sich seit Wochen hinziehenden Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zwischen den beiden Ländern.„Wir werden sie heute wieder hart treffen“, sagte Trump dann wenige Stunden später im Weißen Haus. „Wir standen kurz vor einem Abkommen, aber sie halten uns hin, sie halten uns weiterhin zum Narren.“ Er wollte sich nicht dazu äußern, ob das auch Angriffe auf Brücken und zivile Infrastruktur beinhalten würde. Damit hatte Trump dem Iran zu Beginn des Kriegs gedroht und war dafür international scharf kritisiert worden. Er forderte den Iran auf, ein Abkommen mit den USA zu unterzeichnen. „Wir standen kurz vor einem Abkommen, aber sie halten uns immer wieder hin“, sagte Trump. In der Nacht zum Mittwoch hatten sich die beiden Seiten nach dem Absturz eines US-Kampfhubschraubers Gefechte geliefert.Auch in den vergangenen Tagen AngriffeIn den vergangenen Tagen kam es trotz einer Waffenruhe im Iran-Krieg zu gegenseitigem Beschuss. Am Sonntag feuerten Irans Streitkräfte gut zwei Monate nach Beginn der Feuerpause erstmals wieder Raketen auf Israel. Israel griff daraufhin Ziele im Iran an. Trump rief beide Staaten zu einer sofortigen Waffenruhe auf, woraufhin beide Seiten erklärten, ihre Angriffe einzustellen.In der Nacht zu Mittwoch bombardierte das US-Militär als Reaktion auf den Abschuss eines Apache-Kampfhubschraubers eigenen Angaben zufolge im Iran Flugabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen. Trump hatte zuvor den Iran für den Absturz verantwortlich gemacht und Vergeltung angekündigt. Iranischen Angaben zufolge wurden bei den Bombardierungen mit zwei Wasserspeichern auch zivile Infrastruktur zerstört.Irans Präsident kritisierte die Angriffe scharf. „Die Infrastruktur eines Landes ist die Lebensader der Menschen“, schrieb Massud Peseschkian auf X. „Wer mit Angriffen auf Verkehrsnetze, Stromversorgung oder Wasserindustrie droht, demonstriert keine Stärke, sondern nur Verzweiflung.“Lesen Sie auchDerweil hat das US-Militär hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump Öltanker und andere Handelsschiffe in einer „geheimen Mission“ dabei unterstützt, die Straße von Hormus zu durchqueren. Er habe dies im vergangenen Monat angeordnet, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social, ohne genauere Angaben zu der Unterstützung zu machen. „Heute freue ich mich, bekannt zu geben, dass diese Bemühungen dazu geführt haben, dass mehr als 100 MILLIONEN Barrel Öl die Straße durchquert haben und auf den freien Markt gelangt sind“, schrieb er. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden im vergangenen Jahr pro Tag im Schnitt 20 Millionen Barrel an Rohöl und Ölprodukten durch die Meerenge transportiert. Trump schrieb weiter, dass mehr als 200 Handelsschiffe die Meerenge sicher durchquert hätten. Eine unabhängige Bestätigung für seine Angaben gab es zunächst nicht. Zuvor hatte der Präsident im Weißen Haus bereits vor Reportern vage von dem US-Vorgehen gesprochen und gesagt, dass er nun offen darüber reden könne, weil der Iran es herausgefunden habe. Bericht: Schiffe schalteten Transponder ausDie „New York Times“ hatte bereits vor etwa anderthalb Wochen unter Berufung auf US-Beamte berichtet, dass US-Streitkräfte dabei geholfen hätten, die Durchfahrt Dutzender Handelsschiffe durch die Straße von Hormus zu koordinieren. In dem Bericht war von etwa 70 Schiffen in den zum damaligen Zeitpunkt zurückliegenden drei Wochen die Rede. Die meisten Schiffe hätten ihre Transponder ausgeschaltet, um bei der Durchfahrt nicht entdeckt zu werden, zitierte die Zeitung US-Beamte. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte nun bei einem Besuch eines Militärstützpunkts in Florida, das „Projekt Freiheit“ sei nie gestoppt, sondern im Verborgenen weitergeführt worden. Die USA hatten diese Initiative Anfang vergangenen Monats gestartet, um die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen. Kurz darauf verkündete Trump aber überraschend, den US-Einsatz für eine sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Meerenge „für kurze Zeit“ auszusetzen. Straße von Hormus ist zentraler StreitpunktTrump stellte in seinem Post nun keinen namentlichen Bezug zu der Initiative her. Mit Blick auf die nach seiner Darstellung verdeckte US-Mission behauptete er: „Dieser überaus erfolgreiche Einsatz ist darauf zurückzuführen, dass die VEREINIGTEN STAATEN von AMERIKA die Straße von Hormus KONTROLLIEREN – NICHT der Iran.“Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar durch Drohungen, Kontrollen und Angriffe auf Schiffe den Schiffsverkehr in der Meerenge weitgehend zum Erliegen gebracht und die Kontrolle über die wichtige Exportroute für sich beansprucht. Die USA reagierten darauf ihrerseits mit einer Blockade iranischer Häfen, um den Iran am Export von Öl zu hindern. Die Straße von Hormus ist als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung. Für die Islamische Republik ist der Ölexport das wichtigste wirtschaftliche Standbein.Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges sind auch in den USA spürbar. Trump hat ein Interesse daran, positive Nachrichten zu vermelden. Die Öffnung der Straße von Hormus ist eines der zentralen Anliegen seiner Regierung, doch die Verhandlungen über ein Abkommen zur Beendigung des Krieges stecken fest.AP/Reuters/dpa/lay/saha/ceb
Eskalation am Golf: US-Militär bombardiert Iran erneut – Straße von Hormus angeblich zeitweise gesperrt - WELT
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben seine jüngste Angriffswelle im Iran beendet. Ziele waren Militär- und Kommunikationssysteme. Der Iran droht mit Vergeltung, während sich beide Seiten weiter widersprechende Darstellungen liefern.















