AnalyseHalbleiter sind weltweit gefragt, weshalb Infineon seit Monaten an der Börse reüssiert. Trotz des jüngsten Rücksetzers ist das Unternehmen daher nicht mehr günstig. Doch unter anderem das Momentum ist verlockend.Es läuft für die Halbleiterhersteller an der Börse. Seit April haben sich die Valoren zum Beispiel von Infineon nahezu verdoppelt, trotz des jüngsten Rücksetzers seit Ende Mai. Das Unternehmen aus Neubiberg nahe München findet sich daher auch in der Rangliste von The Market für die Aktien mit dem höchsten Momentum. Kann das so weiter gehen?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Hintergrund des Sternenflugs an der Börse ist schnell skizziert: Halbleiter sind die Basis für elektronische Produkte wie Smartphones, elektrische Autos und auch Rechenzentren für die künstliche Intelligenz (KI). Weil all diese Produkte weltweit gefragt sind, profitieren Halbleiterhersteller wie Infineon. Entsprechend rechnet zum Beispiel das Beratungshaus pwc mit kräftigen Branchenwachstum.Das wiederum sorgt für Kurssteigerungen nicht nur bei Infineon. Auch der Index Philadelphia Semiconductor Index (PLX), der die Entwicklung ausgewählter Chiphersteller spiegelt, legte seit April deutlich zu.Drei- statt Vierklang soll Komplexität senkenDas Unternehmen ist im März 2000 als ehemalige Halbleitersparte von Siemens an die Börse gegangen. Seitdem hat sich viel getan. Infineon ist nach eigenen Angaben beispielsweise Weltmarktführer bei Autochips und Leistungshalbleitern (Chips zum Steuern hoher Stromstärken). Auch bei Sicherheitsanwendungen ist das Unternehmen führend. Dahinter verbergen sich zum Beispiel jene Chips, die in Kredit- oder Debitkarten verbaut werden und dort Informationen über den Karteninhaber verschlüsselt speichern. In der Summe hat Infineon rund 189ʼ000 unterschiedliche Produkte im Angebot.Orchestriert wurde die Vielfalt bislang durch vier Divisionen. Zum 1. Juli wird die Zahl auf drei gesenkt. Das soll unter anderem die Komplexität reduzieren, hiess es auf eine Analystenveranstaltung des Unternehmens am 6. Mai. Der Schritt findet den Beifall von Investoren wie Sebastian Junker, Portfolio Manager Equities bei Metzler Asset Management. Die Bereiche entwickelten sich zuletzt teils in ähnliche Richtungen. «Eine klare Trennung der Endmärkte macht zunehmend weniger Sinn.»Nach der Delle ist vor dem WachstumDieser Vierklang sorgte lange für stetig steigenden Umsatz. Doch in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 (30. September) sanken die Zahlen. Der gesamte Halbleitermarkt litt. «Während des Lieferengpasses nach der Pandemie haben Kunden aus der Automobil- und Industriebranche riesige Lagerbestände angehäuft, deren Abbau erst Ende letzten Jahres abgeschlossen war», sagt Abed Jarad, Analyst bei mwb research. Die von Bloomberg erfassten Analysten erwarten für 2026 und 2027 einen Umsatzanstieg.Auch das Unternehmen selbst geht für das laufende Geschäftsjahr von einer «deutlichen» Umsatzsteigerung aus. «Die Markterholung gewinnt klar an Kraft», sagte CEO Jochen Hanebeck auf der Analystenveranstaltung im Mai.Diese Einschätzung wird durch die Entwicklung der aufgelaufenen Bestellungen («Order Backlog») gestützt, die noch nicht zu greifbarem Umsatz geronnen sind. Im ersten Quartal 2026 waren es 21 Mrd. €, im zweiten schon 25 Mrd..Eine ähnliche Entwicklung wie der Umsatz zeigt der Gewinn auf der Stufe Ebitda: zuletzt ein Rückgang, kombiniert mit optimistischen Prognosen.Infineon profitiert dabei vor allem von zwei Treibern.Heute stark in China, morgen schwach wegen China?Ein wichtiger Markt für das Unternehmen ist China. Dort wird ein knappes Drittel des Umsatzes erwirtschaftet. Der Anteil ist im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr sogar gestiegen. Das ist Stärke wie Schwäche gleichermassen.Eine Stärke, weil das Unternehmen damit von der Dynamik Chinas profitieren und ein eventuelles Schwächeln anderer Märkte kompensieren kann. Immerhin wächst beispielsweise Chinas Elektroautobranche deutlich. Infineon beliefert die meisten chinesischen Hersteller und ist dort mit einem Marktanteil von 12,4% Marktführer. Diese Position hat Infineon mit der Übernahme des Sensorik-Spezialisten AMS-Osram ausgebaut. Gefragt sind dort Microcontroller der Aurix-Familie (zum Beispiel für Assistenzsysteme) oder Sensoren für die Kontrolle des Reifendrucks.Allerdings liegt darin auch eine potenzielle Schwäche. «Wenn China den Raum betritt, verschwinden die Gewinne», notierte zuletzt Harris «Kuppy» Kupperman, Gründer und CIO des Hedgefondshauses Praetorian Capital. Die Volksrepublik habe bereits mehrfach einen Markt mit günstig finanzierten Produkten überflutet. Infineon selbst sieht sich wegen der grossen Verlässlichkeit der eigenen Chips gerüstet, hiess es im Analysten-Call. Man beobachte die Entwicklung in China genau, sagt Fondsmanager Junker.Chip-Chip-Hurra dank KIDer zweite Grosstrend, von dem Infineon profitiert, ist die rasante Entwicklung der KI. Die Logik dahinter: KI braucht Server, Server brauchen Prozessoren und Prozessoren brauchen leistungsstarke Chips. Diese Nachfrage hält an. «Wir sehen keinerlei Anzeichen für eine Abschwächung im KI-Bereich», sagt mwb-Analyst Jarad. «Im Gegenteil, die Nachfrage nach spezialisierter Stromversorgungsinfrastruktur für Rechenzentren ist nach wie vor ungebrochen und nimmt weiter zu.»Neue Produkte können den Umsatz weiter anschieben. Immerhin geht es bei KI nicht nur nicht nur um Leistungsfähigkeit, sondern auch um Effizienz, um so den Stromverbrauch zu drosseln.Infineon hat dazu einiges auf den Weg gebracht. Zum Angebot gehören Bauteile für die Erzeugung nachhaltiger Energie und deren Speicherung, für Kühlsysteme oder KI-Racks. Das sind standardisierte Schränke, welche die Serverhardware aufnehmen. Jeder einzelne beherbergt etwa 20ʼ000 bis 25ʼ000 Leistungshalbleiter.KI-Investitionen: vor der Ernte die Saat2026 soll der mit Rechenzentren für KI erwirtschaftete Umsatz laut Infineon-Prognose bei 1,5 Mrd. € liegen (also bei knapp 10% des Gesamtumsatzes), 2027 bei 2,5 Mrd. €. Eine Prognose, die Johannes Schaller, Analyst von Deutsche Bank Research, für realistisch hält. Sogar bis zu 4 Mrd. seien theoretisch denkbar. Infineon hat in diesem strukturellem Wachstumsfeld eine starke Marktposition, sagt Markus Golinski, Portfoliomanager bei Union Investment. «Die Aktie bekommt etwas KI-Fantasie.»Helfen können dabei Entwicklungen wie die 2024 vorgestellten weltweit ersten 300 Millimeter messenden Wafer aus Galliumnitrid. Wafer sind dünne Scheiben aus Halbleitermaterial wie etwa aus Silicium oder eben Galliumnitrid. Das neue Material sorgt für eine höhere Effizienz. Mehr noch: Im Vergleich zu 200 Millimeter-Wafern lässt sich auf den grösseren Scheiben die 2,3-fache Menge Chips aufbringen. Gut für KI-Kunden.Auch die Standorterweiterung im Werk Dresden per Anfang Juli kommt zur rechten Zeit. Dort sollen unter anderem Chips für die Stromversorgung in Rechenzentren gefertigt werden.Damit es so weiter geht, will Infineon 2026 gut 2,7 Mrd. € investieren. Zum Jahresabschluss 2025 war noch die Rede von 2,2 Mrd. €. 500 Mio. € werden vorgezogen und sollen das Thema KI voranbringen.Höhere Marge voraus?Diese Investitionen schaffen die Voraussetzung dafür, dass Infineon später von der skizzierten Entwicklung profitiert. Das Unternehmen selbst peilt bei der Segmentergebnismarge 20% an, nachdem der Konzern bei dieser Kennziffer für die operative Profitabilität zuvor eine Zahl im hohen Zehnerbereich anvisiert hatte.Das Management um CEO Hanebeck gilt dabei als behutsam. Analyst Jarad geht davon aus, dass die Zahlen am Jahresende die aktuellen Prognosen übertreffen werden.Auch Fondsmanager Junker ist optimistisch: «Die Margenentwicklung sollte sich analog zur Umsatzentwicklung wieder verbessern.» Dazu beitragen sollen Faktoren wie die verbesserte Grundauslastung der Werke oder der Start der neuen Produktionslinie in Dresden. Golinski erwartet die Margenwende für das vierte Quartal 2026.Bei der Kapitalrendite fällt Infineon gegenüber Unternehmen wie Monolithic Power Systems zurück. Allerdings setzt Infineon für einen Grossteil des Portfolios auf eigene Fabriken, wohingegen Konkurrenten wie Monolithic Power Systems darauf verzichten. Dieser «fabless-Ansatz» erspart Unternehmen die Investitionen in Fabriken und die Herausforderung, die Werke auszulasten. Infineon selbst vermeldet für 2026 Leerstandskosten von 650 Mio.. 2027 solle die Zahl «signifikant» sinken. Quantifizieren wollte das Unternehmen dies aber noch nicht.KI-Euphorie lässt Bewertung spriessenAngesichts dieser Entwicklungen ist es kein Wunder, wenn Bewertungen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) deutlich gestiegen sind.Der Blick auf die Relation zwischen Unternehmenswert und Gewinn (Stufe Ebitda) zeigt eine vergleichbare Entwicklung.Sind die Aktien damit zu teuer? NXP beispielsweise ist günstiger. Das niederländische Unternehmen setzt stärker auf Auftragsfertiger und muss daher deutlich weniger investieren als Infineon. Andere Konkurrenten sind vergleichbar bewertet oder sogar deutlich teurer.Die Angst der Anleger, etwas zu verpassenFür den Preis erhält der Anleger eine Gegenleistung, nämlich Momentum und Wachstum. So soll das Ergebnis je Aktie 2027 um beinahe 49% steigen, so die Analystenschätzungen. Infineon kann also in die Bewertung hineinwachsen, falls die Nachfrage anhält und insbesondere der Boom der Rechenzentren nicht in einem Crash endet. Zwar beobachte man «eine gewisse Angst, etwas zu verpassen, im Markt», sagt Junker. Doch er konstatiert auch, dass die notwendigen KI-Investitionen und der Bedarf an solchen Lösungen stärker sind als vielfach angenommen.Infineon ist kein reines KI-Play. Der Konzern investiert viel in die Technologie und die eigene Marktposition, was Wachstumschancen schafft. An der Börse wird das goutiert. Das Auto-Geschäft hat weniger Strahlkraft. Das langfristige China-Risiko sollten Investoren im Blick behalten.Infineon ist für risikofreudige Anleger interessant, die vom derzeit dominierenden Börsenthema profitieren wollen. Wegen des inzwischen «exzessiven Momentums», das Vermögensverwalter Alfons Cortés in seiner Kolumne für The Market konstatiert und vor dem auch Tech-Investoren warnen, besteht weiterhin das Risiko einer vorübergehenden, starken Kurskorrektur.
Der Chip-Boom dürfte Infineon weiter tragen
Halbleiter sind weltweit gefragt. Davon profitieren Infineon-Aktien. Sie sind nicht mehr günstig. Doch andere Faktoren sind verlockend.






