65 Meter, das ist für ein Hochhaus in München gar nicht mal so besonders, in der Kategorie gibt es viele in der Stadt. Aber hinter diesem 65-Meter-Gebäude, das in ein paar Jahren nahe dem Ostbahnhof entstehen soll, stecken mehrere Bekenntnisse: Ein großes Unternehmen bleibt dauerhaft in München, es will künftig sichtbarer in der Stadt sein – und es setzt auf skandinavische Star-Architektur.Es geht um den familiengeführten Technologiekonzern Rohde und Schwarz, mit einer 90-jährigen Geschichte, einem Jahresumsatz von 3,16 Milliarden Euro und weltweit mehr als 15 000 Beschäftigten. Die Firma ist in der IT-Sicherheit tätig, sie stellt auch Funktechnik für zivile und militärische Zwecke her sowie Körperscanner für Sicherheitskontrollen an Flughäfen.Seinen Stammsitz hat Rohde und Schwarz zwischen der Mühldorfstraße und der Trausnitzstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Werksviertel. In diesem Neubauquartier hat der Konzern auch mehrere Bürogebäude gebaut, die an andere Firmen vermietet sind.Nun macht Rohde und Schwarz sich an die Umgestaltung des eigenen Betriebsgeländes, das bisher von Zweckgebäuden geprägt und nach außen verschlossen ist. Im Zentrum stehen soll künftig jenes neue Hochhaus.Dafür hat Rohde und Schwarz einen Wettbewerb mit elf Architekturbüros aus mehreren Ländern veranstaltet. Im Februar 2026 vergab die Jury Preise an die Entwürfe von Cobe und C.F. Møller, beide aus Kopenhagen, sowie von Snøhetta mit Sitz in Oslo aus. Rohde und Schwarz entschied sich für das Konzept von Snøhetta.In der Projektliste dieses Büros stehen spektakuläre Museumsbauten in aller Welt sowie die Oper von Oslo. Gerade in dieser Woche allerdings wurde bekannt, dass die Stadt Düsseldorf den Bau einer neuen Oper von Snøhetta wegen zu erwartender Kosten von weit mehr als einer Milliarde Euro ersatzlos gestrichen hat und die alte Oper sanieren will.Das Hochhaus, das Snøhetta nun für Rohde und Schwarz entworfen hat, ist ein im Vergleich zu diesen Projekten eher zurückhaltendes Gebäude. Patrick Lüth von der Innsbrucker Snøhetta-Filiale spricht von „dezenter skulpturaler Präsenz“. Die Fassade, so erläutert er, solle eine Sinuswelle nachahmen, die sich über die Nord- und Südfassade bewegt. Betont werden soll die Wirkung der Fassade dadurch, dass die Blautöne von unten nach oben heller werden. Das, so heißt es, lasse das Gebäude in der Höhe „leichter erscheinen“.Das Gelände von Rohde und Schwarz in München in Berg am Laim grenzt direkt ans Werksviertel. Das norwegische Architekturbüro Snøhetta konnte sich mit seinem Entwurf für den Hochhaus-Neubau gegen die Konkurrenz durchsetzen. SnøhettaIn die engere Auswahl kam aber auch der Entwurf des dänischen Architekturbüros C. F. Møller. C. F. MöllerUnd auch an den Entwurf des ebenfalls in Kopenhagen ansässigen Büros Cobe vergab die Jury einen Preis. Cobe/Made with Google AIUnterkommen sollen in dem Komplex, zu dem auch eine fünfgeschossige Sockelbebauung gehört, Flächen für Büros, Forschung und Entwicklung sowie ein öffentlich zugängliches sogenanntes „Experience Center“.Verbunden mit der Neuplanung ist, dass auf dem Betriebsgelände ein sogenanntes „Campusband“ entstehen soll, das Teil „einer zentralen grünen Achse durchs Werksviertel“ werden soll, wo sich Rohde und Schwarz also der Stadt gegenüber öffnen will – in begrenztem Rahmen, Teile des Betriebs werden aus Sicherheits- und Geheimhaltungsgründen auch künftig abgeriegelt bleiben.Christian Leicher, der CEO von Rohde und Schwarz, betont: „Die Weiterentwicklung des Betriebsgeländes mit dem neuen Areal ist ein klares Commitment zur Stadt München als unserem Stammsitz.“ Man wolle hier den „Wachstumskurs der vergangenen Jahre“ fortsetzen.Bis das kleine Hochhaus entstehen kann, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. Dafür nötig ist nämlich ein neuer Bebauungsplan, den das Planungsreferat gemeinsam mit den Bauherren erarbeiten und den der Stadtrat verabschieden muss. Rohde und Schwarz rechnet damit, dass dieser Prozess bis 2028 dauern wird. Erst danach kann die Stadt eine Baugenehmigung erteilen.Alle Architekturentwürfe aus dem Wettbewerb für das Hochhaus sind vom 11. bis 23. Juni in einer Ausstellung zu sehen, im Atrium des Gebäudes i8, August-Everding-Straße 24, von Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr.