Als er in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen wurde, stellte Richard Pietraß sich „als am Erzgebirgsrand geborener und aufgewachsener Sohn eines entwurzelten Müllers und Landwirts und einer Landlehrerin“ vor, der seit Jahrzehnten eine „Dreifelderwirtschaft“ betreibe. Was Pietraß, der jetzt achtzig Jahre alt wird, beharrlich verrichtet, sind das Schreiben, Übersetzen und Herausgeben von Gedichten.
Der Beruf ist ihm zugewachsen, nachdem er seinen Facharbeiterbrief als Metallhüttenwerker samt Abitur in der Tasche hatte und ans Studium der Klinischen Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin noch die Arbeit an einer Promotion anschloss, die er aber nicht zu Ende brachte. Neben Lehre und Studium schrieb er längst Gedichte, stellte sie im Lyrikclub Pankow vor, wo auch Thomas Brasch, Bettina Wegner, Uwe Greßmann und Uwe Kolbe lasen und die unabhängige Lyrikszene der DDR zur frühen Blüte kam. Eine erste Sammlung eigener Gedichte erschien 1974 in der Reihe „Poesiealbum“.
Von 1977 bis 1979 gab er sie selbst heraus. Im Zuge der Proteste gegen die Biermann-Ausbürgerung verlor Pietraß dann – wie auch die Schriftsteller Joochen Laabs und Joachim Walther – die Anstellung beim Verlag Neues Leben, und wurde unfreiwillig freier Autor. Und als mit „Notausgang“ 1980 das erste Buch herauskam, war es „ausgekämmt vom Blechkamm der verlagsinternen Zensur, die das Manuskript um sechs der sechzig Gedichte amputierte“, wie er später aufklärte.








