Drei Zuschauertribünen stehen einem rostroten Metallgerüst gegenüber, das ein bisschen an die Barrikaden aus der Zombie-Serie „The Walking Dead“ erinnert (Bühne: Holger Syrbe). Die Kulisse dahinter: Häuserfassaden mit abblätterndem Putz und vergitterten Fenstern, Zäune, ein Wachturm und patrouillierende Justizbeamte.Wir befinden uns im Herz der JVA Tegel, wo das Ensemble des Freiluftgefangenentheaters das Stück „Caligula. Inferno“ aufführt. Die Spieler auf der Bühne sind allesamt Häftlinge, begleitet werden sie von der Band 17 Hippies, die auch schon vor zwei Jahren bei der „Dreigroschenoper“ im Gefängnishof spielte.
Folter, Bordell, Götterspott: Caligula dreht frei
Das Stück ist ein Mash-up aus Albert Camus’ „Caligula“ und Dantes „Göttlicher Komödie“, nach postmoderner Theatermanier gespickt mit den „Inferno“-Adaptionen von Peter Weiss und des Musikers FM Radio, sowie mit jeder Menge Songs von Rio Reiser bis zum deutschen CCR-Cover „Ein böser Mond geht auf“.Die Handlung dreht sich um den jungen Kaiser Caligula (Norman), der nach dem Verlust seiner inzestuös geliebten Schwester seine privat-existenzialistische Freiheit darin sucht, alle Regeln des sozialen Miteinanders mit einer grausamen Feier des Unmöglichen zu ersetzen („Ich will den Himmel ins Meer stürzen, Hässlichkeit und Schönheit vermischen, aus Leid Gelächter hervorbringen lassen.“)Munter foltern und morden seine tatsächlich sehr bedrohlich aussehenden Wachen (Eddy A., Rico, Senad); er eröffnet ein kaiserliches Bordell, in dem die Frauen der Senatoren die Staatskasse füllen müssen, und verhöhnt die Götter, wenn er sich selbst als Apoll verkleidet und anbeten lässt.







