PfadnavigationHomePolitikDeutschlandEx-Außenministerin„Sie sagen, das hat sie nie gesagt?“ – Lanz streitet mit Grünen-Politiker über Baerbock-ZitatStand: 12:25 UhrLesedauer: 4 MinutenGrünen-Politiker Andreas Audretsch in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“Quelle: Markus Hertrich/ZDFBei „Markus Lanz“ gerät die deutsche Niederlage im Rennen um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat zum Streit über Baerbocks Außenpolitik. Moderator Lanz konfrontiert Grünen-Politiker Audretsch mit Aussagen der früheren Außenministerin zu Toiletten in nigerianischen Dörfern.Bei „Markus Lanz“ ist es bei der Debatte über die deutsche Niederlage bei der Wahl um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu einem Schlagabtausch zwischen dem stellvertretenden Grünen-Fraktionschef Andreas Audretsch und dem Moderator gekommen. Auslöser war die Frage, welche Verantwortung die frühere Außenministerin Annalena Baerbock für das Debakel trägt. Lanz verwies dabei auf die Kritik der CDU. Der Tenor: Der sogenannte globale Süden habe Baerbock ihre „moralinsauren Belehrungen“ übelgenommen.Audretsch wies den Vorwurf zurück. „Also mir scheint das hilflos, ehrlich gesagt, diese Argumentation in der jetzigen Situation zu bringen“, sagte er. Baerbock sei „mit fast 90 Prozent zur Präsidentin der Generalversammlung“ gewählt worden. „Offensichtlich hat sie in der Breite der Nationen eine ganz große Unterstützung gehabt“, so Audretsch. Es gehe jetzt vielmehr darum, die internationalen Beziehungen neu aufzustellen und Kooperationen mit anderen Mittelmächten und dem globalen Süden so zu gestalten, „dass sie in diese neue Welt passen“.Lesen Sie auchLanz hielt dagegen, Audretsch unterschlage die Kritik, „die aus Afrika dazugehört hat“. „Gibt es da keinen Anlass für Sie, mal Dinge zu überdenken, die Art und Weise, wie man Politik begreift und wie man durch die Welt reist und den Leuten erklärt, wie sie es zu machen haben?“Einen solchen Ansatz habe Baerbock nie verfolgt, entgegnete der Grünen-Politiker. Dann sprach er über Handelspolitik und die Frage, wie man große Handelsabkommen abschließe. Der Streit bei „Markus Lanz“ um das Toiletten-Zitat„Sie lenken ab“, sagte Lanz. Er verwies auf Äußerungen des früheren Präsidenten von Botswana, Mokgweetsi Masisi, und fragte: „Verstehen Sie, was er meint?“ Anschließend zitierte Lanz den Ex-Präsidenten mit den Worten: „Vielleicht hätte sich Frau Baerbock darauf konzentrieren sollen, ihre Arbeit in der deutschen Diplomatie zu erledigen, statt zu versuchen, Nigerianern vorzuschreiben, wo sie ihre Toiletten zu bauen haben und den Afrikanern zu sagen, wie sie mit Elefanten umgehen sollten.“Audretsch erwiderte darauf: „Das ist offensichtlich eine Zuspitzung.“ Baerbock habe „nie irgendwo darauf rekurriert, zu sagen, wie in Ländern die Bauten von Dörfern passieren sollen“. „Stopp, stopp“, unterbrach ihn Lanz. „Sie sagen, das hat sie nie gesagt?“Lesen Sie auchAudretsch antwortete, Baerbock habe „einen Ansatz gewählt, der immer wieder darauf Wert gelegt hat, die Augenhöhe mit anderen Ländern zu suchen“. Lanz griff wieder ein und ließ einen O-Ton Baerbocks aus dem Jahr 2023 einspielen, in dem diese ihre feministische Außenpolitik anhand eines Dorfaufbaus in Nigeria erläuterte. „Wenn man nach dem Geruch geht“, könnte man die Sanitäranlagen am Rande des Dorfes planen. Wenn man sich aber fragt: Was bedeutet es für ein zehnjähriges Kind, nachts diese Sanitäranlagen zu erreichen? Oder für eine Frau? Dann trifft man die Entscheidung vielleicht nicht für die Lage am Rande des Dorfes.“Es gehe es auch darum, „wie eine Frau mit einer anderen Frau umgeht“Nach dem Einspieler sagte Lanz zu Audretsch: „Das ist das, was er meint, wenn er sagt: Man sollte Nigerianern nicht erklären, wo sie ihre Klohäuschen hinbauen sollen.“ Audretsch verteidigte Baerbocks Ansatz erneut und erklärte: „Wenn man sich anschaut, dass zum Beispiel in Krisen, in Kriegen Frauen und Mädchen immer wieder zu Opfern werden … dann hat man mehr Perspektiven am Tisch.“ Es gehe darum, „Frauen an den Tisch zu holen“ und internationale Zusammenarbeit anders zu gestalten. Lanz widersprach deutlich und sagte: „Herr Audretsch, was erzählen wir uns hier für ein Zeug?“ Er erklärte, wenn man mit afrikanischen Frauen in Dörfern spreche, rede man darüber, „wie sie Teilhabe gewinnen können“, wie sie an Mikrokredite kämen oder ein eigenes Geschäft aufbauten. „Man redet sicher nicht darüber, wo man seine Klohäuschen platziert“, sagte Lanz. „Die leben dort seit Jahrhunderttausenden von Jahren. Und wir kommen an und sagen denen, wo sie ihre Klohäuschen zu platzieren haben? Das ist doch nicht unser Ernst.“Audretsch blieb bei seiner Verteidigung. Es sei um Sicherheit, wirtschaftliche Perspektiven und die stärkere Beteiligung von Frauen gegangen. Er fügte hinzu, das sei auch ein Grund dafür gewesen, dass Baerbock international so viel Unterstützung erhalten habe. „Die knapp 90 Prozent sind, glaube ich, auch ein Ausweis davon, dass es wirklich eine Unterstützung für sie gab“, sagte Audretsch.„Spiegel“-Redakteurin Marina Kormbaki widersprach in der Runde der Darstellung, dass vor allem Baerbocks feministische Außenpolitik Deutschland Sympathiepunkte gekostet habe. Nach dem, was sie aus Diplomatenkreisen gehört habe, sei nicht so sehr die feministische Außenpolitik das Problem gewesen, sondern es sei eher die Art und Weise gewesen, wie sie sich das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung gesichert habe. Ursprünglich war die deutsche Spitzendiplomatin Helga Schmid für diesen Posten vorgesehen. Kormbaki sagte, in New York habe man nicht vergessen, „wie burschikos sie sich da dieses Amt gesichert hat“. Das sei „jetzt sicherlich nicht der Grund“, aber „in dieser Vielzahl von Gründen für die deutsche Schlappe war das womöglich einer“. Auf Lanz’ Bemerkung, dabei gehe es auch darum, „wie eine Frau mit einer anderen Frau umgeht“, sagte Kormbaki, Baerbock habe damit „das Ideal von einer feministischen Außenpolitik ein Stück weit selbst konterkariert“.
„Markus Lanz“: „Sie sagen, das hat sie nie gesagt?“ – Moderator streitet mit Grünen-Politiker über Baerbock-Zitat - WELT
Bei „Markus Lanz“ gerät die deutsche Niederlage im Rennen um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat zum Streit über Baerbocks Außenpolitik. Moderator Lanz konfrontiert Grünen-Politiker Audretsch mit Aussagen der früheren Außenministerin zu Toiletten in nigerianischen Dörfern.







