PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftArtikeltyp:MeinungNeues FDP-LogoDie verpasste Chance liegt im BlauStand: 08:21 UhrLesedauer: 4 MinutenMagenta verschwindet, Westerwelle-Blau und Genscher-Gelb kehren zurückQuelle: FDPEs hätte der erste virale Moment nach dem Aus im Bundestag werden können. Stattdessen bleibt der große Knall aus. Das neue Design hat dasselbe Problem wie die FDP selbst.Es ist ein komplett neues Logo. Und es hätte ein Moment maximaler Aufmerksamkeit für die FDP werden können. Stattdessen hat niemand etwas davon mitbekommen. Die FDP beginnt politisch fast wieder bei Null. Also fängt sie auch gestalterisch wieder bei Null an. Das war unbedingt notwendig. Doch das Logo sieht aus, als hätte es der Designer schon nach fünf Minuten abgegeben. Fertig, kein Bock mehr, Feierabend, Work-Life-Balance und so. Jede KI kriegt das besser hin, und zwar in fünf Sekunden. Blick zurück: Lange dominierte Gelb, eine schwierige Farbe, die den Liberalen allerdings bemerkenswert gut stand, weil sie Optimismus und Leistungsfreude ausstrahlte. Dann, als Christian Lindner die Partei 2015 nach dem Bundestagsausstieg neu aufstellte, bekam die FDP ihr Pink. Wie sich das gehört, öffentlichkeitswirksam vorgestellt auf dem Dreikönigstreffen in der Stuttgarter Staatsoper. Mit Pink hatte damals niemand gerechnet. Man trat ausgerechnet in einer Farbe auf, die die politischen Gegner für sich beanspruchten. Das war irgendwie frech, zumindest selbstbewusst. In der Realität entwickelte sich daraus jedoch ein Problem. Das Pink, und nicht nur das, zog kulturelle Milieus an, mit denen die FDP politisch nie wirklich zusammenpasste und die die Partei verwässerten. Die FDP ist keine woke Partei und war es auch nie. Sie denkt Freiheit vom Individuum her, nicht von Gruppenidentitäten.In Zeiten, in denen falsch verstandene Progressivität nur noch zum Rückschritt beiträgt, war es also möglicherweise ein notwendiger Schritt, das Pink restlos zu entfernen. So geschehen, und zwar unter der Obhut der hippen Berlin-Mitte Agentur Antoni, die für das neue Design verantwortlich ist. Vielleicht war auch schon alles Pink für die neue Katjes-Kampagne aus demselben Haus aufgebraucht, wo eine Frau mit Kopftuch sich darüber freut, dass es Gummibärchen ohne Gelatine gibt. Frage: Ist es so schlau, eine Agentur zu beauftragen, deren Stratege in Neukölln-Uniform sich möglicherweise ins Fäustchen lacht, einer Partei, mit der er nichts anfangen kann, eine gestalterische Identität zu verpassen, mit der niemand was anfangen kann? Das Ergebnis ist so, als würde man sich von jemandem fotografieren lassen, der einen nicht leiden kann.