PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftArtikeltyp:MeinungNeues FDP-LogoEin mutloser Versuch, sich selbst zu findenStand: 14:28 UhrLesedauer: 4 MinutenMagenta verschwindet, Westerwelle-Blau und Genscher-Gelb kehren zurückQuelle: FDPEs hätte der erste virale Moment nach dem Aus im Bundestag werden können. Stattdessen bleibt der große Knall aus. Das neue Design hat dasselbe Problem wie die FDP selbst.Es ist ein komplett neues Logo. Und es hätte ein Moment maximaler Aufmerksamkeit für die FDP werden können. Stattdessen hat niemand etwas davon mitbekommen. Die FDP beginnt politisch fast wieder bei Null. Also fängt sie auch gestalterisch wieder bei Null an. Das war unbedingt notwendig. Doch das Logo sieht aus, als hätte es der Designer schon nach fünf Minuten abgegeben. Fertig, kein Bock mehr, Feierabend, Work-Life-Balance und so. Jede KI kriegt das besser hin, und zwar in fünf Sekunden. Blick zurück: Lange dominierte Gelb, eine schwierige Farbe, die den Liberalen allerdings bemerkenswert gut stand, weil sie Optimismus und Leistungsfreude ausstrahlte. Dann, als Christian Lindner die Partei 2015 nach dem Bundestagsausstieg neu aufstellte, bekam die FDP ihr Pink. Wie sich das gehört, öffentlichkeitswirksam vorgestellt auf dem Dreikönigstreffen in der Stuttgarter Staatsoper. Mit Pink hatte damals niemand gerechnet. Man trat ausgerechnet in einer Farbe auf, die die politischen Gegner für sich beanspruchten. Das war irgendwie frech, zumindest selbstbewusst. In der Realität entwickelte sich daraus jedoch ein Problem. Das Pink, und nicht nur das, zog kulturelle Milieus an, mit denen die FDP politisch nie wirklich zusammenpasste und die die Partei verwässerten. Die FDP ist keine woke Partei und war es auch nie. Sie denkt Freiheit vom Individuum her, nicht von Gruppenidentitäten.In Zeiten, in denen falsch verstandene Progressivität nur noch zum Rückschritt beiträgt, war es also möglicherweise ein notwendiger Schritt, das Pink restlos zu entfernen. So geschehen, und zwar unter der Obhut der hippen Berlin-Mitte Agentur Antoni, die für das neue Design verantwortlich ist. Vielleicht war auch schon alles Pink für die neue Katjes-Kampagne aus demselben Haus aufgebraucht, wo eine Frau mit Kopftuch sich darüber freut, dass es Gummibärchen ohne Gelatine gibt. Frage: Ist es so schlau, eine Agentur zu beauftragen, deren Stratege in Neukölln-Uniform sich möglicherweise ins Fäustchen lacht, einer Partei, mit der er nichts anfangen kann, eine gestalterische Identität zu verpassen, mit der niemand was anfangen kann? Das Ergebnis ist so, als würde man sich von jemandem fotografieren lassen, der einen nicht leiden kann.Lesen Sie auchMagenta und Cyan verschwinden weitgehend, Westerwelle-Blau und Genscher-Gelb kehren zurück. Serifenlose Sachlichkeit, so pragmatisch wie nur möglich, ja fast allergisch gegen jede Form von Schnörkel, gegen die in Deutschland so verachtete „Performanz“. Stabilität und Verlässlichkeit, ja, ansatzweise könnte man auch von radikalem Minimalismus sprechen, was den Liberalen eigentlich sehr gut stehen würde. Aber es fehlt ein Signal, etwas Minimalmarkantes, eine Idee, ein Bruch. Kein Wille, unverwechselbar zu werdenDas neue Logo ist vernünftig, aber nicht kühn. Es hat mehr mit Schweden zu tun als mit Deutschland oder könnte eine freundliche Reverenz an die Ukraine sein. Es wirkt wie die grafische Version einer Partei, die vor allem vermeiden möchte, sich noch einmal zu blamieren. Das ist verständlich. Wer gerade abgestürzt ist, bestellt selten Champagner. Nur gewinnt man mit Kamillentee auch keine Wahlen. Und vielleicht ist es inzwischen auch nicht mehr das größte politische Risiko, besser auszusehen, als man am Ende liefert – wenn die aktuelle Regierung Wahlversprechen macht und sie nicht einhält. Die FDP scheitert damit ausgerechnet an dem, woran sie zuletzt immer scheiterte: an zu wenig Mut zum eigenen Profil. Es ist das Logo einer Partei, die sich zunächst sammeln will. Man spürt förmlich den Wunsch, wieder ernst genommen zu werden. Was man nicht spürt, ist der Wille, wieder unverwechselbar zu werden.Die größte verpasste Chance liegt im Blau. Warum kein tiefes Marineblau in Kombination mit Gold statt Gelb, das nach Hanse, Hafen und Horizont aussieht? Nach dem Kieler Käpt’n Kubicki, ein Fels in der Brandung, der mit erfahrenem Seebär-Format das Steuerbord übernimmt. Nach der Freiheit des offenen Meeres. Mit einer Brise Pathos, Aufstieg, eleganter Weltläufigkeit und der eigenverantwortlichen Zuversicht, dass das Leben größer werden kann als die eigene Ausgangslage. Es müsste gar nicht schreien. Das FDP-Logo könnte aussehen wie das einer extrem hochwertigen Luxusmarke. Vorbildlich umgesetzt bei der Liberal Alliance, den dänischen Liberalen, die so stilvoll wie keine andere Partei ihren Auftritt meistern. Parteien müssen wie gute Marken sein, die immer auch einen Traum verkaufen. Darin waren zuletzt leider eher die anderen gut. Die Grünen verkauften moralische Erlösung, die Linke die beruhigende Gewissheit, dass grundsätzlich immer die anderen schuld sind. Die FDP müsste endlich Freiheit verkaufen. Das Gefühl, dass Aufstieg möglich ist. Dass man jeden Abend kleine Erfolge mit Fischbrötchen und Champagner im Strandkorb feiern kann. Dass Erfolg wieder belohnt wird und dass alles möglich ist. Das neue Blau ist erstaunlich müde. Es bedient die eigene Sehnsucht nicht.
Neues FDP-Logo: Mutloser Versuch, sich selbst zu finden - WELT
Die FDP hat ihr Logo komplett erneuert. Es hätte ihr erster viraler Moment nach der Niederlage werden können. Stattdessen blieb der große Knall aus. Das neue Design ist so pragmatisch wie nur irgendwie möglich – und leidet damit an demselben Problem wie die Partei selbst.






