PfadnavigationHomePolitikDeutschlandThüringer AfD-ChefWestdeutsche keine echten Deutschen? AfD-Spitze ist irritiert über Höcke-InterviewStand: 07:46 UhrLesedauer: 2 MinutenThüringens AfD-Fraktionschef Björn HöckeQuelle: Christoph Schmidt/dpaLaut AfD-Politiker Björn Höcke haben sich Westdeutsche „von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen“. Seine Aussagen in einem Interview sorgen bei der AfD-Spitze für Fragezeichen. Ein Parteikollege nennt die Einschätzung „absolut falsch und töricht“.Äußerungen von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke über West- und Ostdeutsche haben in der AfD eine Diskussion ausgelöst. Hintergrund ist ein Interview Höckes mit der Schweizer „Weltwoche“ und deren Herausgeber Roger Köppel. Dort hatte der AfD-Politiker als wichtige Ursache für gesellschaftliche Polarisierung und Ost-West-Unterschiede gesagt: „Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie über Jahrzehnte eine Ersatzidentität gefunden und haben sich von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen.“ Usurpieren bedeutet, etwas zu verdrängen und seinen Platz einzunehmen.Höcke, selbst Westdeutscher, zitierte außerdem einen Satz, den er „irgendwo gelesen“ habe und für passend befand: „In der westlichen Republik gibt es deutsch sprechende Amerikaner oder wohnen deutsch sprechende Amerikaner und im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche.“ Der Amerikanismus sei eine Antithese zum Deutschtum, sagte er auch.Kritik von AfD-SpitzenpolitikernAfD-Chefin Alice Weidel sagte auf eine Reaktion angesprochen lediglich: „Müssen Sie Herrn Höcke fragen, wie er das als Westdeutscher meint.“ Co-Parteichef Tino Chrupalla sagte, „wahrscheinlich meint er sich ja selbst damit. Wenn er usurpiert meint, also muss er sich ja selbst damit gemeint haben“. Die AfD sei die erste gesamtdeutsche Partei. „Und ich denke, wir sollten uns auf dieser Ebene nicht spalten lassen.“AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch sagte dem Portal „The Pioneer“: „Wir sind eine einige unteilbare deutsche Nation. Die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands ist unser oberstes Ziel. Wir spalten sie nicht, weder politisch, geistig noch kulturell.“ Lesen Sie auchDer AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen, der sich in der Vergangenheit schon offene Auseinandersetzungen mit Höcke geliefert hatte, kritisierte ihn für seine Aussagen. Er könne sich „nicht mehr erklären, was in ihn gefahren ist“, sagte der frühere hochrangige Bundeswehroffizier und nannte Höckes Aussage herabwürdigend. Seine Einschätzung, Westdeutsche seien „in Wahrheit verkappte Amerikaner“, nannte Lucassen „absolut falsch und töricht“. Das sei SED-Sprech.Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann wollte auf Nachfrage nicht direkt auf Höckes Aussagen Bezug nehmen. Der Hamburger sagte aber: Im Westen habe man eine andere Erziehung genossen. Da habe man natürlich diesen Ansatz einer gewissen Entnationalisierung, sagte Baumann.AfD-Vize Kay Gottschalk antwortete auf eine Journalisten-Nachfrage, ob er sich als usurpiert von der amerikanischen Kultur fühle, er betrachte die deutsche Einheit als große Chance für Deutschland als Makler zwischen Russland und den USA. Er selbst sehe sich „als gesundes Produkt einer damals noch intakten westdeutschen Schule, die eigenes Denken und eigene Schlussfolgerungen ermöglicht hat“.dpa/lay