Distanz zum Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke ist in der Partei inzwischen selten geworden. Viel lieber demonstrieren Partei- und Fraktionsspitzen Einigkeit, jubeln etwa Schulter an Schulter zu Wahlergebnissen.Als der AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen Höcke im Kontext der Wehrpflicht angriff, war es am Ende Lucassen, der seinen Sprecherposten verlor. Höcke gewann, obwohl er gänzlich unpatriotisch erklärt hatte, für ihn gebe es in Deutschland nichts zu verteidigen.Doch nun stößt Höcke auf breite Missbilligung, Augenrollen und scharfe Kritik in der eigenen Partei. Weidel und Chrupalla auf Distanz Selbst AfD-Parteichef Tino Chrupalla, gebürtiger Ostdeutscher, distanziert sich offensiv vom Thüringer Landeschef und sagte am Dienstag vor Journalisten: „Wahrscheinlich meint er sich ja selbst damit, wenn er ursupiert meint.“ Die AfD solle sich auf dieser Ebene nicht spalten lassen. AfD-Parteichefin Alice Weidel erklärt, man müsse Björn Höcke selbst fragen, wie er seine Äußerungen „als Westdeutscher“ meine.Vorausgegangen war ein Interview, in dem der AfD-Landeschef Ostdeutsche als die echten Deutschen bezeichnet hatte, Westdeutsche dagegen als amerikanisch indoktriniert. „In der westlichen Republik gibt es deutsch sprechende Amerikaner“, so Höcke. „Und im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche.“ Hier seien die Menschen noch (echte) Deutsche, im Westen hätten diese sich von amerikanischer Kultur „usurpieren“ lassen, hatte Höcke in einem Podcast mit Roger Köppel, dem Chefredakteur der rechten Schweizer „Weltwoche“ gesagt. Deutschland bezeichnete er als Vasallen der USA.Höcke selbst stammt aus Lünen in Nordrhein-Westfalen.Es kommt nicht allzu oft vor, dass sich die Parteispitze auf diese Weise vom Sympathieträger der Rechtsextremen distanziert. In diesem Fall ist die Haltung der beiden Vorsitzenden klar: Höcke hat hier keine Unterstützung. Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der AfD bei einer Kundgebung der AfD auf dem Schlossplatz Oranienburg. © IMAGO/mix1/Daniel Lakomski In der Partei distanzieren sich in dieser Frage mittlerweile viele vom Thüringer Landesvorsitzenden, der nach wie vor als einflussreich gilt, insbesondere kurz vor den drei Landtagswahlen in Ostdeutschland.„Hochgradig dämlich“, nannte ein hochrangiger Fraktionsvertreter die Äußerung gegenüber dem Tagesspiegel.Als eine der ersten kritisierte AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch die Äußerung bei „The Pioneer“. Und erklärte, die deutsche Einheit sei oberstes Ziel, man spalte nicht.Normalerweise hat Höcke viele Fans und aus strategischen Gründen Verbündete bis in die Fraktions- und Parteiführung auf Bundesebene. Die Diffamierung aller Westdeutschen geht aber offenbar vielen in der Partei zu weit – bis hin zu klaren Distanzierungen.AfD-Fraktionsvize Stefan Keuter sagte dem Tagesspiegel zu Höckes Thesen: „Ich teile diese Auffassung nicht. Das ist die Auffassung von Herrn Höcke. Meine ist eine andere.“Vor Journalisten distanzierte sich am Dienstag auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Partei, Bernd Baumann, von Höcke und erklärte, man befinde sich gerade im Wahlkampf. Bei Höckes Äußerung handele es sich um eine Zuspitzung. AfD-Parteivize Kay Gottschalk bezeichnete die Deutsche Einheit als große Chance. Man habe den Vereinigten Staaten viel zu verdanken.AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen kritisierte Höcke ebenfalls scharf. Er könne sich „nicht mehr erklären, was in ihn gefahren ist“, sagte der Abgeordnete und nannte Höckes Aussage herabwürdigend. Seine Einschätzung, Westdeutsche seien „in Wahrheit verkappte Amerikaner“, nannte Lucassen „absolut falsch und töricht“. Das sei SED-Sprech.Aus der Parteispitze heißt es zudem, man könne den Einfluss der US-amerikanischen Lebenskultur auf die westdeutsche Bevölkerung sicherlich kritisch sehen. In der Zuspitzung sei die Darstellung jedoch zu kulturpessimistisch.In Thüringen dürfte nun genau registriert werden, wer sich in der aktuellen Debatte wie äußert. Seit der vergangenen Bundestagswahl ist das Lager der Höcke-Verbündeten in der Fraktion gewachsen.Gelegenheit zur persönlichen Auseinandersetzung hat der Thüringer Landeschef schon bald. Anfang Juli trifft sich die AfD zum Parteitag, ausgerechnet in der Thüringischen Landeshauptstadt Erfurt.
Höcke hält nur Ostdeutsche für richtige Deutsche: Selbst Weidel und Chrupalla distanzieren sich
Der Thüringer Landeschef Björn Höcke diffamiert alle Westdeutschen als „deutsch sprechende Amerikaner“. Das trifft selbst in der AfD auf massiven Widerstand bis hin zur Parteispitze.












