Der in Westdeutschland geborene und aufgewachsene AfD-Politiker Björn Höcke betrachtet Westdeutsche nicht mehr als richtige Deutsche. Das sagte der rechtsextreme Thüringer AfD-Chef in einem Podcast der Schweizer »Weltwoche« mit Roger Köppel.Konkret behauptete Höcke, Deutsche in den westlichen Bundesländern hätten sich durch die amerikanische Kultur »usurpieren« lassen, also seien gewaltvoll von den USA in Besitz genommen worden. Die Westdeutschen, sie seien »Deutsch sprechende Amerikaner« mit Ersatzidentität. Anders die Ostdeutschen, die seien noch »Deutsch sprechende Deutsche«, fabulierte Höcke. Zugleich beteuerte Höcke, kein »Anti-Amerikaner« zu sein.

Antisemitische Verschwörung und NS-RelativierungWie auch in früheren Podcasts und Reden wiederholte Höcke auch seine Erzählung vom »Ende Deutschlands«. Das Land sei so stark wie noch nie in seiner Geschichte bedroht – durch Zuwanderung und angebliche Eliten, die bewusst an der Abschaffung Deutschlands arbeiten würden. Im Kern ist das die Mär vom »Großen Austausch«, eine bekannte antisemitische Verschwörung, nach der geheime Machteliten gegen das Volk arbeiten würden.

Die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus und die deutsche Erinnerungskultur kritisierte der Rechtsextremist ebenfalls. Im Podcast forderte Höcke etwa, die deutsche Geschichte dürfe nicht als Verbrecheralbum betrachtet werden. Kritische Fragen zu rechtsextremen Positionen oder seine Vorstrafe gab es keine. Höcke war gerichtlich wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt worden, weil er wiederholt die verbotene SA-Losung »Alles für Deutschland« genutzt hat. »Weltwoche«-Moderator Köppel lobte ihn stattdessen als »die größte Reizfigur der deutschen Politik«.