Die kreuz und quer über das weitläufige Gelände verteilten Altlasten bestehen meist aus hartem Stahl und dickem Beton. Sie liegen noch dazu häufig im Verborgenen unter der Erde, so wie es sich für bombensichere Bunkeranlagen gehört. Echte Schadstoffe aus früheren Zeiten beschäftigen die Abriss- und Entsorgungsspezialisten, die derzeit auf dem gut acht Hektar großen Gelände der ehemaligen Generalfeldzeugmeister-Kaserne in Mainz am Werk sind, dagegen nur in dem Maße, wie es bei der Beseitigung alter Häuser und Hallen auch andernorts üblich wäre. Die gewaltigen Stahl- und Betonhügel sind dagegen schon beeindruckend, die in den vergangenen Wochen auf dem früheren Bundeswehrareal in der Mainzer Oberstadt – also an Freiligrathstraße, Geschwister-Scholl-Straße und An der Goldgrube – in den Himmel gewachsen sind.Demnächst, wenn man die alten Bunker komplett abbreche und zudem asphaltierte Straßen und Wege beseitige, dürften auf dem Grundstück noch einige tiefe Krater hinzukommen, hieß es beim Rundgang über das von der Mainzer Grundstücksverwaltungsgesellschaft (GVG) mbH im vergangenen Jahr erworbene Areal. Das war übrigens ein Geschäft, das die Bundeswehr heute, weil sich die Verteidigungsstrategie inzwischen grundlegend geändert hat, vermutlich nicht mehr machen würde.GFZ-Kaserne wird Stadtquartier „Pariser Tor“Die Investitionssumme von 75 Millionen Euro müsse beim Weiterverkauf der für Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung gedachten Flächen in den nächsten fünf bis zehn Jahren wieder hereingeholt werden, verriet GVG-Geschäftsführer Franz Ringhoffer. Von einem Zukunftsprojekt, das der Stadt bis zu 450 Wohnungen unterschiedlicher Preisklassen und außerdem einen zusätzlichen Schub für den Biotechnologiestandort Mainz bringen werde, sprach der parteilose Oberbürgermeister Nino Haase.Aus dem kurz GFZ-Kaserne genannten einstigen Bundeswehrareal werde jetzt das neue und attraktive Stadtquartier „Am Pariser Tor“: mit einem zentral gelegenen Quartiersplatz inklusive einer Garage mit circa 400 Stellplätzen. Das Ganze soll zudem nicht nur den künftigen Bewohnern, sondern der gesamten Nachbarschaft ein in der Oberstadt bisher fehlendes Nahversorgungsangebot in Form eines Lebensmittelladens und eines Drogeriemarktes bescheren.Auf gute Nachbarschaft: Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech (im Vordergrund) hat seinen Sitz ebenfalls auf dem ehemaligen Kasernenareal gefunden.Michael BraunschädelDer Grundstücksverkäufer, die kurz Bima genannte Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, hat sich einen Teil der Flächen selbst gesichert, um dort gut 200 vergleichsweise günstige Wohnungen für Bundesbedienstete zu schaffen. GVG-Geschäftsführer Ringhoffer geht insgesamt von einem „durchmischten Viertel“ aus. Jedenfalls wolle das Unternehmen als hundertprozentige Tochter der Stadt Mainz beim Verkauf der Baufelder keinesfalls nur Höchstpreise erzielen. Vorgesehen seien unter anderem auch der Bau einer neuen Ortsverwaltung für die Oberstadt und von Kindertagesstätten. Für den direkten Nachbarn, das seinerzeit durch die Herstellung eines Corona-Impfstoffs bekannt gewordene Pharmaunternehmen Biontech SE, gebe es auf dem früheren Kasernengelände ebenfalls noch Erweiterungsflächen.Mit dem neuen Stadtquartier werden Haase zufolge die Rahmenbedingungen für die künftige Entwicklung des Biotechnologiestandorts weiter verbessert: Denn Biontech, aber auch andere forschungsstarke Unternehmen und Institute benötigten „nicht nur Labore, sondern durchaus auch attraktive Quartiere für jene Menschen, die dort arbeiten“, sagte der Mainzer Rathauschef: „Das Pariser Tor verbindet beides.“Zunächst sollen möglichst bis zum Jahresende die 17 nicht mehr benötigten Bestandsgebäude sowie mehrere Bunker beseitigt werden. Erst wenn alle beim Abbruch angefallenen Materialien säuberlich getrennt, zum Teil auch an Ort und Stelle recycelt und schließlich abtransportiert worden sind, kann auf dem traditionsreichen Kasernengelände, für das es schon seit Jahren einen Aufstellungsbeschluss zum „Bebauungsplan O 53“ gibt, die zivile Zukunft als neuer Mainzer Stadtteil beginnen.