1001 PS im Bauhaus-Kleid: Der Audi Nuvolari soll in der Krise neuen Optimismus schürenDer neue Supersportwagen beeindruckt mit monolithischem Design, viel Leistung und einem klar auf Exklusivität ausgerichteten Auftritt. Gut fürs Image, aber ohne Aufschwungpotenzial.10.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenKlar und schlicht zeigt sich der Audi Nuvolari als erster Supersportwagen der deutschen Marke.PDAudi wagt sich in neue Sphären: Der soeben vorgestellte Supersportwagen Nuvolari ist mehr als ein Nachfolger für den zweisitzigen R8. Er ist das erste Fahrzeug der Marke, das die 1000-PS-Leistungsgrenze überschreitet und mehr als 350 Kilometer pro Stunde schnell ist.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die rasanten Fahrleistungen passen zum Namensgeber. Tazio Nuvolari (1892–1953), bekannt als «Mantovano volante» («Fliegender Mantuaner»), war bereits zu Lebzeiten eine Legende und gilt noch heute als einer der besten Rennfahrer der Geschichte.Das äussere Erscheinungsbild des flachen Zweisitzers folgt in den Grundzügen der neuen Designsprache von Audi, die erstmals in der Fahrzeugstudie Concept C zu erkennen war. Ein rechteckiger Kühlergrill wird eingerahmt von schmalen LED-Scheinwerfern, die quer über grossen Kühllamellen angeordnet sind. Die Fronthaube, das Dach und das fensterlose Heck sind flach und ohne Kanten oder Rillen gestaltet. Auch die Flanken sind flächig, einzig unterbrochen durch dunkel abgesetzte, vertikale Lüftungsöffnungen, die etwas an die Blades des bisherigen Audi-Sportwagens R8 erinnern.Der klare und geradlinige Stil setzt sich auch im Innenraum fort, etwa bei den Sitzen und Armaturen. Er erinnert deutlich an markante Entwürfe der italienischen Designschmiede Bertone aus früheren Zeiten. Wie schon von aussen wirkt der Nuvolari innen wie ein Produkt der Bauhaus-Zeit, so exakt und schlicht sind die einzelnen Elemente zusammengefügt.Nichts ist Schein, alles ist echtDer Audi Nuvolari zeigt sich auch bei der Auswahl der Materialien puristisch. Wo immer ein Grill für Lüftung oder Kühlung verbaut ist, findet sich Aluminium statt Plastik. Nichts ist hier vorgetäuscht – mit einer Ausnahme: Das erste Exemplar des Supersportwagens zeigt sich optisch in matt-dunklem Aluminium (die Lackierungsfarbe heisst Titanium), aber die Karosserie ist komplett aus Carbon gefertigt. Kunden können dies je nach Wunsch auch zur Schau stellen, wenn sie etwa ein Dach aus sichtbarem Kohlefaser-Verbundstoff bestellen.Keine Linie ist überflüssig, Ziernähte fehlen: Der Nuvolari ist auch innen maximal reduziert.PDDie fehlende Heckscheibe kompensiert der Nuvolari mit einem Bildschirm als Rückspiegel.PDBeim Antrieb des Nuvolari folgt Audi dem Trend zum Hybridantrieb in besonders sportlicher Auslegung. Ein hinter den beiden Sitzen angeordneter V8-Benzinmotor mit vier Litern Hubraum und zweifacher Turboaufladung sorgt für den Basisschub und den authentischen Motorklang.Hinzu kommen drei Elektromotoren, die platzsparend in Axial-Fluss-Bauweise gefertigt sind und von der Mercedes-Tochterfirma Yasa geliefert werden. Sie sorgen für Allradantrieb und im Zusammenspiel mit dem Benziner für bis zu 1001 PS Leistung und einen für Supersportler ungewöhnlich tiefen Benzinverbrauch. Doch war die Idee, den Wagen als Elektroauto zu bauen, bald vom Tisch, wie der Audi-Chef Gernot Döllner im NZZ-Interview bestätigt.Die Karosserie des Nuvolari passt sich je nach Tempo und gewähltem Fahrprogramm der Geschwindigkeit an, etwa indem sich automatisch ein Spoiler aus der Kofferraumabdeckung erhebt.Die Kraft soll der Nuvolari so effektiv auf den Asphalt bringen, dass er in 6,8 Sekunden aus dem Stand die Marke von 200 Kilometern pro Stunde erreicht. Bis 100 Kilometer pro Stunde vergehen nur 2,6 Sekunden, sofern der Fahrer solche Belastungen aushält, wie sie sonst nur Piloten von Militärjets kennen. Nur die wenigsten Nuvolari-Kunden dürften das ausprobieren. Auch die Höchstgeschwindigkeit von fast 360 Kilometern pro Stunde ist nichts für Alltagsfahrer oder normale Strassen.Auch sonst hilft der Nuvolari dem Hersteller nur beim Entstauben seines Markenbilds, nicht aber bei den Alltagsproblemen. Zwar nutzt Audi sein Engagement als Eigner eines Formel-1-Teams zur Emotionalisierung der Marke. Zur Präsentation des Nuvolari hat der Hersteller das Rennwochenende in Monaco als glitzernden Ort der Weltpremiere ausgewählt. Doch befindet sich Audi wie der gesamte Mutterkonzern Volkswagen in einer grossen Absatzkrise.Insbesondere die Erträge auf dem für Audi während Jahrzehnten sehr erfolgreichen chinesischen Markt sind in kurzer Zeit deutlich geschrumpft. Gefragt sind nun moderne Fahrzeuge für den chinesischen Alltagsgeschmack, nicht aber Supersportwagen mit einem Preisschild jenseits von einer halben Million Euro.Ohne Lamborghini hätte es den Nuvolari nicht gegebenDoch für Audi ist der Nuvolari eine günstige Gelegenheit. Genau genommen ist sein Technikkonzept direkt vom Lamborghini Temerario übernommen. Die italienische Sportwagenmarke gehört ebenfalls zum VW-Konzern und arbeitet eng mit Audi zusammen. Es lag also auf der Hand, gemeinsam einen Sportwagen der Extraklasse zu entwickeln, und dies mit hybridem Antrieb. Lamborghini durfte seinen Temerario schon im August 2024 vorstellen, er ist dort als Ersatz für den Huracán unterhalb des Spitzenmodells Revuelto positioniert.Zur Enthüllung an der Côte d’Azur holte sich der Audi-Chef Gernot Döllner die Unterstützung der beiden Audi-Formel-1-Fahrer Nico Hülkenberg (rechts) und Gabriel Bortoleto (links).PDAudi bringt den technischen Zwilling nun als besonders exklusiven Supersportwagen in einer auf 499 Stück limitierten Serie auf den Markt. Der Preis liegt mit mindestens 590 000 Euro rund 70 Prozent über dem Temerario, die Leistung ist hingegen nur knapp neun Prozent höher als beim Italiener. Wie das Fahrzeug ab Anfang 2027 an zahlungskräftige Kunden gelangen soll, muss Audi erst noch herausfinden. Hier dürfte die Verkaufsabteilung der Ingolstädter Marke von der erfahrenen Lamborghini-Mannschaft rund um den CEO Stephan Winkelmann profitieren.Passend zum Artikel