PfadnavigationHomeICONISTServiceSupersportwagen Audi NuvolariAufbruch mit 1001 PS – das ist der teuerste Audi aller ZeitenVon Thomas GeigerStand: 20:02 UhrLesedauer: 7 MinutenDie ersten Fotos sind etwas aseptische Studioaufnahmen. In Monaco beim Rennen der Formel 1 ist er dann live zu sehen: der Audi Nuvolari, hier in der Farbe TitaniumQuelle: AUDI AGBalsam für Petrolheads: Audi präsentiert mit dem „Nuvolari“ seinen neuen Supersportwagen, den ersten der Marke mit Hybridantrieb. 2027 wird er in Serie gehen. Der 600.000-Euro-Straßenbolide ist eine Art Lamborghini „next level“.Gegen den Designbereich eines Autoherstellers ist selbst Fort Knox ein „Open Space“. Noch ein wenig besser gesichert schien bei Audi in Ingolstadt in den vergangenen Monaten das Studio C-3. Dort hat eine Task Force von anfangs gerade einmal einem halben Dutzend und zum Ende hin immer noch weniger als 50 Mitarbeitern hinter dicken Panzertüren ein Auto ausgeheckt, das Audi aus der anhaltenden Schockstarre holen, Aufbruch symbolisieren und zugleich den Einstieg in die Formel 1 würdigen soll. Innerhalb von nicht einmal 18 Monaten von der ersten Idee bis zur Jungfernfahrt ist dabei ein 1001 PS starker und über 350 km/h schneller Supersportwagen herausgekommen. Unter dem Namen „Audi Nuvolari“ dreht er schon an diesem Wochenende beim Grand Prix in Monaco seine ersten Runden. Anders als viele Schaustücke wird der Nuvolari kein Unikat bleiben, sondern im nächsten Frühjahr für Preise um 600.000 Euro in Serie gehen (limitiert auf 499 Stück) – „als bis dato stärkster und schnellster Audi“, schwärmt der neue Entwicklungsvorstand Rouven Mohr über seinen Erstling im Zeichen der Ringe. Kleinlaut schiebt er noch einen weiteren Superlativ hinterher: Mit einem Preis von rund 600.000 Euro werde der Nuvolari zugleich auch das teuerste Auto, das sie bislang in Ingolstadt gebaut haben. Dass sich was tut bei der Nummer drei unter den deutschen Premiumanbietern, das haben die Ingolstädter bereits im letzten Jahr auf der IAA mit ihrem Concept C bewiesen. Das Showcar soll für eine neue Klarheit in der Strategie und im Styling stehen und als elektrischer Roadster mit versenkbarem Hardtop zudem die schmerzliche Lücke schließen, die seit dem Ende von TT und R8 im Portfolio klafft. Doch weil der intern „C-Sport“ genannte Zweisitzer noch zu lange auf sich warten lässt und weil er zudem für ein Statement im Umfeld der Formel 1 in jeder Hinsicht viel zu leise ist, haben sie im Rekordtempo den Nuvolari durchgeboxt. „Damit beschleunigen wir unseren technologischen Aufbruch“, sagt Vorstandschef Gernot Döllner: „Der Nuvolari zeigt, was möglich ist, wenn der Fokus auf Technologie, Leistung und Umsetzung in Teamarbeit liegt – und wenn wir Fortschritt gemeinsam erarbeiten.“Lesen Sie auchDer neue Tiefflieger sieht dabei nicht nur spektakulärer aus, sondern er klingt auch so. Denn durch die beiden Endrohre, wie bei einem Walfisch hoch in den Buckel gerückt, bläst die Fanfare eines gierigen V8-Motors, der sein Lied von der Lust an der Leistung mit bis zu 10.000 Touren singt.Der hinter den Sitzen montierte Vierliter-Motor wird mit gleich drei E-Maschinen zusammen gespannt – und zum Benzintank gibt es noch eine Batterie. Die Elektrifizierung spielt hier aber nur eine Nebenrolle und dient allein der Performance statt der Political Correctness. Aus den auch allein schon ordentlichen 800 PS des Verbrenners werden so jene märchenhaften 1001 PS, die den Nuvolari für Audi zum Renner der Rekorde machen. Und die Fahrleistungen nähern sich der Formel 1: Von 0 auf 100 km/h gelingt der Sprint in 2,6 Sekunden, 200 Sachen sind nach 6,8 Sekunden erreicht und Schluss ist erst jenseits von 350 km/h. Das wütende Brüllen, das da immer mal wieder aus dem abgeriegelten Studio dringt und am Wochenende über dem Formel-1-Kurs von Monaco zu hören sein wird, ist Balsam für die Seelen aller Petrolheads, die zuletzt arg geschunden wurden. Schließlich hat ihnen Ferrari gerade den elektrischen Erstling namens Luce zugemutet, der nicht nur mit seinem Design irritiert, sondern auch mit seinem seelenlosen Antrieb. Und selbst wenn AMG vom „besten V8 spricht, den wir nie gebaut haben“, sind es am Ende doch nur Sound-Simulationen, die den neuen elektrischen GT-Viertürer zum emotionalen Erlebnis machen wollen.Audi dagegen setzt beim Nuvolari auf das Wahre, Schöne, Gute – und wählt deshalb einen bewusst klassischen Ansatz. Das gilt nicht nur für den Antrieb, sondern auch für das schnörkellose, fast monolithische Design: aktive Aerodynamik statt aggressive Spoiler, Schweller und Flügel. Mehr noch gilt es für das Materialkonzept – innen wie außen. Wenn Entwicklungsvorstand Rouven Mohr bei einer geheimen Preview im C-3 stolz um den erstmals bei Audi komplett aus Karbon gebackenen Wagen herumgeht, klimpern seine Fingernägel deshalb immer wieder mit diebischer Freude über die stählernen Kühlrippen auf dem Heck, die großen Lüfterkästen vor den Türen oder die aus Metall ins Sichtkarbon der Karosserie eingelassenen Audi-Ringe. Der Vorstand freut sich, dass da alles echt ist. Kein Fake. In der von grauem Leder und poliertem Aluminium geprägten Kabine sind es deshalb auch keine Sensorfelder oder Bildschirme, die den Techniker begeistern, sondern das feine Klicken, wenn die Lüftungsdüsen der Klimaanlage links und rechts des wieder runden Lenkrads in eine neue Position rasten.Um seine Sonderstellung in der Audi-Familie zu unterstreichen, haben sie den Überflieger bewusst nicht R9 oder R10 genannt und stattdessen Tazio Nuvolari zum Taufpaten erhoben. Damit würdigen sie nicht nur einen ganz großen Fahrer aus der Audi-Historie, den Ferdinand Porsche mal den Besten aller Zeiten nannte (Nuvolari hatte erst für Alfa Romeo und dann für die Auto Union in den 1930ern zahlreiche Grand-Prix-Siege eingefahren). Sondern sie würdigen damit indirekt auch die italienischen Wurzeln des neuen Supersportwagens. Schließlich ist der Nuvolari nicht auf einem weißen Blatt Papier entstanden, sondern basiert auf dem Lamborghini Temerario. Bei aller Begeisterung und allem Drive, den es bei Audi für das Projekt vom ersten Tag an gegeben hat, wäre es nicht zu schaffen gewesen, sagt Mohr mit Blick auf den „China-Speed“, der plötzlich auch in Bayern funktioniert. Und dass der Saarländer noch bis vor wenigen Wochen Entwicklungschef bei der berühmten Supersportwagentochter von Audi in Sant’Agata war, hat sicher auch nicht geschadet.Lesen Sie auchDer Nuvolari sei aber kein Temerario, dem der Entwicklungschef beim Umzug nach Bayern schnell ein neues Gewand übergestülpt habe. Selbst wenn Teile des sportlichen Flaggschiffs später tatsächlich in und um Sant‘Agata gebaut werden sollten und sich die Autos vom Achtzylinder bis zu den drei elektrischen Axial-Fluss-Motoren (wie sie auch im neuen AMG GT zum Einsatz kommen), den Antrieb teilen: Der Nuvolari sei eine konsequente Weiterentwicklung. Lamborghini next level sozusagen. Das gilt für die Leistung, die von 920 auf 1001 PS steigt. Und mehr noch für die Steuerung: Nicht umsonst hat Mohr für den Nuvolari die nächste Evolutionsstufe des Quattro-Antriebs entwickelt und eine vorausschauende Regelung eingebaut: „Quattro predictive ride“ nennt Audi das System, das den Grip und die Traktion vorausberechnet und damit die Kraftverteilung primär über die zwei E-Maschinen an der Vorderachse schon nachregelt, bevor der Fahrer überhaupt eine Änderung spürt.Am Steuer des Nuvolari mag man solche schnellen Reaktionen erwarten, noch nötiger sind sie allerdings bei Audi selbst. Denn die angekündigte „größte Produktoffensive aller Zeiten“, die vor drei Jahren mit dem Q6 E-Tron losgetreten wurde und bis dato schon ein Dutzend Neuheiten wie den Q5, den A5, den A6 oder gerade den RS5 gebracht hat, ist beinahe verpufft. Wirklicher Aufbruch ist bisher nicht zu spüren. Umso mehr wollen Döllner und Mohr den Schwung nutzen, den das Formel-1-Projekt ins Unternehmen gebracht hat, sagt Entwicklungsvorstand Mohr. Stolz erzählte er von stundenlangen Schlangen vor dem Souvenirshop, als die Mitarbeiter zum ersten Mal die Teamwear der Formel-1-Mannschaft kaufen konnten. Er beschreibt, die Stimmung sei gewesen wie damals, als Audi noch bei den „24 Stunden von Le Mans“ mitgefahren sei. Mit einem entscheidenden Unterschied: Während Audi in Le Mans in Serie gewann, war die bislang beste Platzierung in der Formel 1 ein neunter Rang. Den Audi-Piloten Hülkenberg und Bortoleto wird der Nuvolari kaum helfen, selbst wenn sie ihn am Wochenende eigenhändig durch die Rascasse-Kurve prügeln werden, durch den Hafen und vorbei am Casino. Doch zumindest auf der Straße fährt Audi damit jetzt endlich wieder um die Pole-Position mit. In der Gunst der Petrolheads macht Audi mit dem Nuvolari als Gegenentwurf zu AMG GT und Ferrari Luce erst recht einen Sprung.
Supersportwagen Nuvolari: Aufbruch mit 1001 PS – das ist der teuerste Audi aller Zeiten - WELT
Balsam für Petrolheads: Audi präsentiert mit dem „Nuvolari“ seinen neuen Supersportwagen, den ersten der Marke mit Hybridantrieb. 2027 wird er in Serie gehen. Der 600.000-Euro-Straßenbolide ist eine Art Lamborghini „next level“.











