«Hat irgendjemand diese korrupte Wahl verfolgt?»: Trump streut erneut das falsche Gerücht eines Wahlbetrugs durch die DemokratenDer amerikanische Präsident behauptet, in den Vorwahlen in Kalifornien hätten die Republikaner gewinnen sollen. Es ist ein beunruhigendes Vorzeichen für die Kongresswahlen im November.09.06.2026, 15.53 Uhr5 LeseminutenDas langwierige Verfahren beim Auszählen der Wahlzettel in Kalifornien befördert Verschwörungstheorien.Jae C. Hong / APFür einen Moment war Spencer Pratt ein Shootingstar der Republikaner. Der Bürgermeisterkandidat schaffte es in Los Angeles, dieser Hochburg der Demokraten, bei ersten Stimmenauszählungen in der Wahlnacht auf Platz zwei. Dem Aussenseiter half, dass die bisherige Bürgermeisterin Karen Bass wegen ihres Umgangs mit der Brandkatastrophe in der Kritik steht. Doch als mehr Stimmen ausgezählt wurden, verlor er an Schwung. Schliesslich schied Pratt dann doch aus dem Rennen aus. Bass und eine linke Demokratin, Nithya Raman, gehen in die Stichwahl.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ähnliches geschah in der Ausmarchung für die Gouverneurswahlen im Golden State, wobei der Republikaner Steve Hilton letztlich die Hürde geschafft hat und im November gegen den Demokraten Xavier Becerra antritt. Für Präsident Trump erscheint trotzdem klar, dass da etwas nicht stimmen kann: «Zwei grossartige republikanische Kandidaten sind betrogen worden und damit ganz Amerika», postete er auf Truth Social.Trump hatte mit seiner Stimmungsmache schon Tage zuvor begonnen: «Schaut, was in Kalifornien geschieht, die ‹Dumocrats› stehlen vor euren Augen die Abstimmung», schrieb er bereits vor einer Woche. Das neue Schimpfwort, ein Zusammenzug der Wörter dumm und Demokraten, hat er in Dutzenden weiteren Posts benutzt. Am Freitag eröffnete der von Trump eingesetzte Bundesstaatsanwalt Bill Essayli in Los Angeles mehrere Ermittlungen, um den Vorwürfen eines Wahlbetrugs nachzugehen. Bisher legte er keine Indizien vor.Als eine NBC-Journalistin in der Sonntags-Talkshow «Meet the Press» Trump dazu drängte, Beweise für seine Anschuldigungen vorzulegen, brach er das Interview wutentbrannt ab. Der Betrug sei ja wohl offenkundig, behauptete er.Präsident Trump erhebt unbelegte Vorwürfe der Wahlmanipulation während eines Interviews mit der NBC-Journalistin Kirsten Welker, «Meet the Press», am 7. Juni.NBC via GettyWiederholt sich das Drehbuch 2020?Was Trump zur Wahlmanipulation aufbauscht, ist ein wohlbekanntes Phänomen bei Wahlen mit hohem brieflichem Anteil. In der Regel stimmen republikanische Wähler öfter im Wahllokal ab, demokratische Wähler vertrauen auf die Briefwahl. Weil persönlich eingeworfene Stimmzettel oft schneller als briefliche ausgezählt werden, können frühe Resultate für republikanische Kandidaten unrealistisch günstig aussehen. Man spricht von einer «roten Fata Morgana» (Rot ist die Farbe der Republikaner).So geschah es schon im Wahljahr 2020. Bereits im Frühling begann Trump, die unbegründete These zu verbreiten, dass die Demokraten die Wahlen manipulieren würden. Bald glaubten viele Republikaner, eine Niederlage von Trump sei nur möglich, wenn die Demokraten schummeln würden. Klar war auch schon im Voraus, wie das passieren würde: durch die Manipulation in der Briefwahl. Im ersten Pandemiejahr hatten die Behörden die Regeln für die briefliche Stimmabgabe in den meisten Gliedstaaten stark gelockert, was dem Trump-Lager verdächtig erschien.In der Wahlnacht organisierten sich Trump-Anhänger in einer Art ziviler Bürgerwehr, um in Swing-Bezirken die Wahlen zu beobachten und angebliche Unregelmässigkeiten zu melden. Es kam zu Auseinandersetzungen in Wahllokalen, in Arizona und Philadelphia marschierten bewaffnete Milizen auf. Trump weigerte sich, die Niederlage gegen Joe Biden einzugestehen.Ein Team rund um den Trump-Berater Rudy Giuliani verklagte lokale Wahlbehörden aufgrund der Meldungen in der Wahlnacht. Die Gerichte fanden jedoch keine Beweise für massenhaften Wahlbetrug und erklärten die allermeisten Klagen für gegenstandslos. Am 6. Januar 2021 stürmten die Trump-Anhänger das Capitol, um die Zertifizierung der Wahl von Joe Biden zu verhindern. Bis heute verteidigt Trump die in seinen Augen patriotische Aktion; nach seiner erneuten Wahl begnadigte er im Februar 2025 sämtliche Straftäter des 6. Januar. Es war eine seiner ersten Amtshandlungen.Im ersten Wahlgang der Gouverneurswahlen lieferten sich der Demokrat Xavier Becerra und der Republikaner Steve Hilton ein Kopf-an-Kopf-Rennen.Chris Torres / EPAKalifornien zählt notorisch langsam ausWährend die Präsidentschaftswahlen 2024 regulär verliefen, zeichnet sich dieses Jahr wieder ein Konflikt ab, denn die Demokraten haben gute Chancen, in den Zwischenwahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzuerobern. Kalifornien ist einer der Schauplätze, wo sich der Ausgang der Wahlen entscheiden wird, da gleich mehrere republikanische Sitze auf der Kippe stehen. Trump hat die Republikaner darauf eingeschworen, alles zu tun, um eine Niederlage in der grossen Kammer zu verhindern.Dass er nun das komplexe kalifornische Wahlsystem attackiert, überrascht nicht. Der Teilstaat mit seinen 23 Millionen registrierten Wählern bietet einige Angriffsfläche. Rund 90 Prozent der Kalifornier stimmen brieflich ab; bis eine Woche nach dem Wahltermin werden Stimmabgaben angenommen. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Wahlergebnisse aus Kalifornien notorisch spät bekannt werden, oft erst Wochen nach dem Wahltag. Ein weiterer Grund sind strenge Sicherheitsregeln: Jede Unterschrift auf einem Wahlzettel muss manuell überprüft werden. Bei ungültigen Wahlzetteln werden die Wähler kontaktiert, damit sie Fehler korrigieren können. Das langwierige Auszählverfahren soll die Sicherheit erhöhen, lädt aber zu Spekulationen ein.Es kommt in Kalifornien, wie auch andernorts in den USA, gelegentlich zu Manipulationen von Wahlzetteln. So versuchte ein Bürgermeisterkandidat im Jahr 2020 in der Agglomeration von Los Angeles 8000 Obdachlose zu registrieren, mit gefälschten Namen und Adressen. Der Skandal flog frühzeitig auf. Ein Bericht der California State Library fand bloss eine Handvoll Betrugsfälle in den Jahren 2020 bis 2024, die für die Wahlausgänge nicht relevant waren . Eine Studie der Brookings Institution kommt zu dem Schluss, dass Briefwahlen sicher sind und Millionen von Wählern die Stimmabgabe erleichtern würden. Von 10 Millionen Wahlzetteln seien nur 4 gefälscht.Ein Konflikt bahnt sich anPräsident Trump indes gibt sich überzeugt, dass die Sicherheit der Wahlen in den USA akut gefährdet ist. Er strebt eine umfassende Wahlreform an, für die im Kongress allerdings die nötigen Stimmen fehlen. Die «Save America Act» würde die Briefwahl stark einschränken und eine strengere Ausweispflicht bei der Wählerregistrierung einführen. Zudem verlangt die Trump-Regierung Zugriff auf die Wählerlisten in den Teilstaaten, um nach illegalen Stimmabgaben zu suchen. Trump verbreitete schon 2020 das Gerücht, Millionen von illegal Eingewanderten gäben ihre Stimmen ab. Wiederholte Audits in Swing-Staaten wie Arizona und Georgia bestätigten diesen Verdacht nicht.Insbesondere demokratisch regierte Teilstaaten sehen die neuen Vorstösse der Trump-Regierung als Angriff auf ihre verfassungsrechtliche Souveränität an und bereiten sich auf Übergriffe aus Washington bei den Zwischenwahlen im November vor. In Kalifornien etwa unterschrieb Gouverneur Gavin Newsom im Mai ein Gesetz, das den Wahlprozess und die Wahlhelfer vor externer Einmischung schützt.Derweil hat die Trump-Regierung zentrale Regierungsstellen, die sich mit der Sicherheit von Wahlen beschäftigen, mit Personen besetzt, die bei der Wahllüge-Kampagne im Jahr 2020 eine Rolle spielten, wie die «New York Times» recherchierte.Es ist zu erwarten, dass das Justizdepartement Vorwürfe von Wahlbetrug aggressiv untersuchen wird. Im Januar durchsuchte das FBI ein Wahlzentrum in einem Bezirk in Georgia und transportierte fast 700 Kisten mit Wahlzetteln ab – im Beisein der Justizministerin Pam Bondi. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Wahlen im kommenden November in einen erbitterten Streit vor den Gerichten ausarten könnten, insbesondere wenn das Resultat knapp ausfällt. Trumps Wahlmanipulationsvorwürfe gegen Kalifornien können als Startschuss gesehen werden.Im Auge des Sturms: Eine Wahlhelferin in Los Angeles am 2. Juni.Daniel Cole / ReutersPassend zum Artikel
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Der amerikanische Präsident behauptet, in den Vorwahlen in Kalifornien hätten die Republikaner gewinnen sollen. Es ist ein beunruhigendes Vorzeichen für die Kongresswahlen im November.















