Ein Tableau mit zwölf alten, grau-körnigen Schwarz-Weiß-Fotos von Männergesichtern fesselt den Blick. Es sind abgearbeitete, ermüdete, von Erschöpfung, wohl auch Hunger und Hoffnungslosigkeit gezeichnete Gesichter. Malocher-Gesichter, im Ersten Weltkrieg zerschossene, geflickte Soldaten-Gesichter, Opfer-Gesichter, Täter-Gesichter. Archivbilder von Mühseligen und Beladenen vor fast 100 Jahren.

Sven Johne, Fotokünstler, gebürtiger Rügener, einst Timm-Rautert-Meisterschüler an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, setzt, dafür ist er bekannt, in seinen Arbeiten immer Kontroversen. In diesem Falle sind es Hände, die Mund und Nase der Abgebildeten verdecken: eine schöne, makellos zarte Frauenhand, die eines jungen Mädchens, die Nägel noch ganz fein. Klavierfinger vielleicht über diesen groben Gesichtern. Sie berühren behutsam, aber zugleich signalhaft.

Sven Johne: Fotomontage „Hands & Arms“, 2025, 12-teilig, Archivar Pigment Druck

© VG Bildkunst Bonn 2026/Sven Johne

Johnes eindringliche Montage „Hands & Arms“ ist keine Illustration zur Ausstellung „Kleiner Mann – was nun?“ Sie ist vielmehr eine Metapher, bezieht sich auf Hans Falladas am Ende der Weimarer Republik erschienenes Buch. Der Titel des 1932 in der Vossischen Zeitung vorab, dann bei Rowohlt gedruckten Romans wurde im Elends- und Agonie-Jahr der Weimarer Republik zu einem Markenzeichen für Falladas Lebenswerk. Der Autor galt bald als „Dichter des kleinen Mannes“, der in der Weltwirtschaftskrise und unter dem Schatten der aufkommenden Naziherrschaft seinen Existenzkampf und den seiner kleinen Familie kämpfte. Und der Titel wurde zu einem geflügelten Wort.