Es ist eine jener Szenen, in denen sich der Riss zwischen politischer Rhetorik und parlamentarischer Realität in einem einzigen Wortwechsel verdichtet. Auf der aktuellen Regierungspressekonferenz stellte diese Zeitung Regierungssprecher Stefan Kornelius eine Frage, die angesichts der wirtschaftlichen Lage Deutschlands eigentlich auf der Hand liegt: Wie erklärt die Bundesregierung den Bürgern den offenkundigen Widerspruch zwischen der vom Kanzler mit Nachdruck vorgetragenen Forderung, mehr zu arbeiten, und der zweimonatigen Sommerpause des Bundestages, in der zentrale Reformprojekte erst einmal liegen bleiben?
Die Antwort des Regierungssprechers fiel bemerkenswert dünn aus. Diese Debatte, so Kornelius, werde „ungefähr jedes Jahr einmal“ geführt, „nämlich vor der Sommerpause“. Die Abgeordneten gingen ja nicht zwei Monate „an den Strand“ und legten „die Füße hoch“, sondern arbeiteten weiter; auch fänden Ausschusssitzungen statt. Im Übrigen müsse, so der Sprecher süffisant, „nicht jeder Beitrag zur frühen Befüllung des Sommerlochs heute schon befriedigend beantwortet werden“.
Eine Frage – und der Verweis aufs „Sommerloch“
Diese Replik ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen, weil sie eine inhaltlich begründete Frage in die Kategorie der saisonalen Beschäftigungstherapie für Hauptstadtjournalisten verschiebt – ein rhetorischer Kunstgriff, der die Sache selbst umgeht. Zum anderen stammt die Forderung nach einer Verkürzung der parlamentarischen Sommerpause keineswegs aus den Federn unterbeschäftigter Reporter.











