Auf dem Bahnsteig in Liziba, im Stadtteil Yuzhong, halten Dutzende Menschen ihre Smartphones bereit. Sie warten nicht einfach auf eine Bahn. Sie warten auf den Moment, in dem die Linie 2 der Einschienenbahn in einem Hochhaus verschwindet.
Der Zug kommt am Hang entlang, fährt auf die Fassade eines 19-stöckigen Wohn- und Geschäftshauses zu und verschwindet darin. Die Station liegt im sechsten bis achten Stock. Kein Trick, keine spätere Notlösung: Bahnhof und Gebäude wurden Ende der 1990er-Jahre gemeinsam geplant, seit 2004 ist die Station in Betrieb. In Chongqing kann ein Haus zugleich Bahnhof sein.
Wer das einmal gesehen hat, bewegt sich anders durch die Stadt. Der Blick sucht nicht nur Straßen und Kreuzungen, sondern Ebenen. Unten fahren Motorroller vorbei, darüber leuchten Schilder, darüber verläuft eine Hochstraße, darüber beginnen die Balkone der nächsten Wohntürme. Stadt ist hier nicht Fläche, sondern Höhe.
Eine Einschienenbahn fährt durch ein Wohnhaus. Normalität in Chongqing seit 2004.
© via www.imago-images.de











