Das heutige System des Ehegattensplittings begünstige vor allem Partnerschaften, in denen einer – meist der Mann – gut verdient und die Frau nur wenig oder gar nicht arbeitet, heißt es zur Begründung in einem offenen Brief an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD). Angesichts des Arbeits- und Fachkräftemangels könne es sich Deutschland aber nicht leisten, Erwerbspotenziale ungenutzt zu lassen. „Wer möchte, dass mehr Menschen ihre Arbeitszeit ausweiten, muss dafür sorgen, dass sich zusätzliche Arbeit auch im Nettoeinkommen spürbar lohnt.“
Zu den Initiatorinnen gehören die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Nicola Fuchs-Schündeln, die Vorsitzende des Sachverständigenrats Wirtschaft, Monika Schnitzer, und Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics.Vorteil beim Steuersplitting begrenzenKonkret schlagen sie vor, den seit Jahrzehnten gewährten Ehegattenausgleich zu erhalten, aber den Vorteil zu begrenzen: Künftig soll nicht mehr das gesamte Einkommen beider Ehepartner zusammengerechnet, halbiert und nach dem Splittingtarif besteuert werden.
Stattdessen darf die besser verdienende Person nur maximal 13.805 Euro vom eigenen steuerpflichtigen Einkommen abziehen – und den Betrag muss der andere Partner als sonstige Einkünfte versteuern. Die Obergrenze orientiert sich an den Regeln für Unterhaltszahlungen zwischen geschiedenen Ehepartnern.Mehreinnahmen voll an Familien zurückgebenDie Mehreinnahmen sollte der Staat vollständig an Familien zurückgeben, schlagen die Forscherinnen vor – und zwar durch eine deutliche Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrags. So würde die Förderung dorthin verlagert, wo Verantwortung für Kinder tatsächlich getragen wird – unabhängig davon, ob Eltern verheiratet sind, unverheiratet zusammenleben oder ein Kind allein erziehen.












