In Frankfurts Innenstadt zeigt sich einige Tage vor dem WM-Start ein gemischtes Bild: Während Trikots und kleinere Fanartikel zunehmend über die Ladentheke gehen, bleibt der große Ansturm auf andere Produkte wie teurere Fernseher bislang aus. In vielen Sport- und Streetwear-Geschäften stapeln sich Leibchen teilnehmender Nationen aus aller Welt sowie Deutschland-Schals und Hüte in Schwarz-Rot-Gold. Im Elektronikhandel dagegen hoffen Händler mit kurzfristigen Aktionen noch auf einen Schub, dort liegt die Nachfrage derzeit eher noch unter den Erwartungen, wie eine Umfrage in der Frankfurter City zeigt.Bei den Textilien ist die Weltmeisterschaft deutlich sichtbar. Bei Sport Scheck in Frankfurt hängen seit einigen Wochen mehrere Nationaltrikots verschiedener Länder prominent in der Nähe des Eingangs. Nach Angaben des Personals hat die Nachfrage erst in den vergangenen Wochen merklich angezogen. Im Vergleich zur Europameisterschaft vor zwei Jahren, die in Deutschland stattfand, sei der Run allerdings geringer, der Heimturniereffekt fehlt.Auch in den Filialen von Ketten wie Snipes und Foot Locker berichten Mitarbeiter davon, dass das Interesse bei Kunden steige, je näher die WM rückt. Snipes bietet seit dem Einzug auf der Zeil im Oktober 2024 Kurzarm- und Langarmtrikots in unterschiedlichen Farben an und meldet einen stabil guten Verkauf. Foot Locker ist erst seit rund einem Jahr im Trikotgeschäft, hat aber eine große Auswahl verschiedener Nationalteams im Sortiment. Dort sei die Nachfrage bereits seit Jahresbeginn hoch und nehme weiter zu.Frankfurt rüstet sich mit TrikotsBesonders auffällig ist der Trend zu Retro-Designs. Im Frankfurter Adidas-Store sind Vintage-Trikots aus den 1990er-Jahren extrem gefragt, viele Modelle sind bereits ausverkauft, heißt es. Vor allem Deutschlandtrikots gehen dort häufig über die Ladentheke, Trikots anderer Nationalteams spielen eine deutlich kleinere Rolle. Im Einkaufszentrum My Zeil läuft auch bei Footkorner das Trikotgeschäft „sehr gut“, wie es aus dem Laden heißt. Ein Kunde im Adidas-Shop fasst die Stimmung so zusammen: „Ich sammle Trikots und kaufe deswegen jedes Jahr eins.“Bei Woolworth füllen kleine Fanartikel die Regale: Girlanden, Fähnchen, Hüte in Deutschlandfarben und einfache Deko für das Wohnzimmer oder den Balkon. Die Nachfrage komme „so langsam in die Gänge“, heißt es von den Verkäufern dort. Eine Kundin erklärt, warum sie zugreift: „Wir planen beim ersten Spiel einen Grillabend zu machen, deswegen kaufe ich Fähnchen und Girlanden zur Dekoration.“ Beim Sport-Discounter Decathlon wiederum konzentriert sich das Sortiment auf zwei Kurzarm-Deutschlandtrikots in Weiß und Blau, jeweils für Erwachsene und Kinder. Die Nachfrage ziehe an, allerdings erst seit wenigen Tagen, bekommt man dort zu hören. Eine dekorierte Ecke mit Luftballons im Laden macht klar, dass die WM nun auch hier zum Thema wird.Großbildschirme bleiben LadenhüterGanz anders sieht es im Elektronikhandel aus. Media Markt und Saturn versuchen mit einer Aktion, wonach den Kunden beim Einkauf befristet die Mehrwertsteuer nachgelassen wird, zu punkten, um unentschlossene Fans doch noch zu größeren Bildschirmen, zu einer neuen Soundbar oder zum Beamer greifen zu lassen.Bei spezialisierten Fachhändlern fällt die Zwischenbilanz nüchtern aus. Die Frankfurter HiFi-Profis melden auf Nachfrage etwa keine besonderen WM-Deals und berichten von insgesamt geringer Nachfrage. Man habe sich im Vorfeld mehr Anfragen erhofft, der erwartete WM-Effekt sei bislang ausgeblieben. Ähnlich klingt es bei Elektronik Partner Fischer. Dort verzeichnet man nicht mehr Nachfrage als sonst, heißt es. Doch damit habe man auch gerechnet, weil die vergangenen Turniere bereits gezeigt hätten, dass große Verkaufswellen ausblieben.Euronics Schmidt, ein seit 1953 in Frankfurt ansässiges Unternehmen, das vor allem Informations- und Veranstaltungstechnik für Hausverwaltungen und gewerbliche Kunden betreut, kann ebenfalls keinen WM-Schub erkennen. Im Privatkundengeschäft mit Fernsehern und Elektronik seien die Leute „nicht in Konsumlaune“, heißt es. „Eine Weltmeisterschaft ist einfach nichts mehr Besonderes“, so Ladenbesitzer Werner Schmidt. Inflation, gestiegene Lebenshaltungskosten und die Tatsache, dass viele Haushalte während der Pandemie bereits in Fernseher und Heimkino investiert hätten, sind seiner Meinung nach ein Grund dafür.
Der große Run auf WM-Artikel bleibt noch aus
Ist Deutschland schon in WM-Stimmung? Der große Ansturm auf WM-Fanartikel oder Fernseher bleibt noch aus. Dafür gibt es gute Gründe.












