KommentarChina hat ein Problem: ein zunehmend unkontrollierbares NordkoreaXi Jinpings Besuch bei Kim Jong Un hat zum Ziel, Nordkorea wirtschaftlich wieder stärker an China zu binden. Die wachsende Atommacht wird für Peking immer gefährlicher.09.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEhefrauen im Hintergrund: Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un (rechts) hält eine Willkommenszeremonie für den chinesischen Staatschef Xi Jinping ab.XinhuaXi Jinpings Reise nach Pjongjang hat einen triftigen Grund: Es geht Peking in Nordkorea vor allem darum, wieder mehr Berechenbarkeit in die Beziehung zu bringen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Xi hat am Montag nach seiner Ankunft in Pjongjang Chinas «unerschütterliche Unterstützung» für Nordkorea bekräftigt. Er hat das Versprechen mit der Aussicht auf einen Ausbau der Handelsbeziehungen in Bereichen wie Infrastruktur, Landwirtschaft und Technologie untermalt. Wirtschaftliche Anbindung ist eine bewährte chinesische Strategie, den Einfluss auf andere Nationen auszuweiten.Peking fürchtet KontrollverlustLange war China Nordkoreas wichtigste Verbindung zum Rest der Welt. China nahm diese Rolle nicht nur wegen der historischen Freundschaft zweier kommunistischer Regime wahr. Sie gab Peking auch Gewicht auf der Weltbühne und einen Hebel gegenüber den USA. An der Grenze ist Nordkorea für China ein Pufferstaat gegen die amerikanischen Verbündeten Südkorea und Japan. Dabei blieb Nordkorea durch die starke Abhängigkeit von China kontrollierbar.Doch Nordkorea ist eigenständiger geworden. Einen Tag bevor die beiden Staaten das Treffen ankündigten, hatten nordkoreanische Staatsmedien eine neue Produktionsstätte vorgestellt, vermutlich eine Urananreicherungsanlage. Eine Machtdemonstration. Nach Schätzungen kann Nordkorea inzwischen jährlich fünf bis sechs Atombomben herstellen, andere Beobachter gehen sogar von einer noch höheren Zahl aus.Daneben hat Nordkorea seine Partnerschaft mit Russland im Zuge des Kriegs gegen die Ukraine ausgebaut. Pjongjang sendet Soldaten, Waffen und Munition. Im Gegenzug erhält es vermutlich russische Hilfe bei militärischer Technologie. Nordkoreanische Soldaten, die zurückkehren, haben wertvolle Kriegserfahrung gesammelt.Nordkorea ist damit in einer komfortableren Position als früher. Es hat seinen wichtigsten Machtfaktor ausgebaut – Atomwaffen und Langstreckenraketen – und mit Russland neben China eine zweite Schutzmacht und Einnahmequelle gewonnen. Dadurch wird Chinas Hebel schwächer und das Eskalationspotenzial auf der koreanischen Halbinsel grösser. Peking hat das Regime in Pjongjang immer wieder gebremst, etwa durch zeitweilige Handelsbeschränkungen. Nun kann Nordkorea sagen: Wir haben eine Alternative.Chinas Nordkorea-DilemmaEin Krieg wäre ein Horrorszenario für China. Seit 1961 ist China durch einen Beistandspakt an Nordkorea gebunden. Falls einer der beiden Staaten angegriffen wird, soll die andere Seite sofort militärische Hilfe leisten. Es ist bis heute Pekings einziges Militärbündnis, und es bringt China in ein Dilemma. China kann es nicht kündigen, ohne eine diplomatische Krise mit Nordkorea zu provozieren, es will aber auch nicht in einen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel hineingezogen werden.Ein Zusammenbruch Nordkoreas oder eine Vereinigung unter Seouls Führung wäre für Peking sogar verheerend: China verlöre seinen Pufferstaat, müsste mit Flüchtlingsströmen rechnen und sähe sich einer noch engeren Kooperation der USA mit Südkorea und Japan gegenüber.Anbindung statt DruckXi Jinping setzt deswegen in Pjongjang auf Freundschaftsbekundungen, letztlich handelt es sich dabei um Anbindung und Beschwichtigung. In Peking hat man längst eingesehen, dass nukleare Abrüstung zwar wünschenswert, aber unrealistisch ist – auf dieser Forderung zu beharren, würde Nordkorea womöglich noch stärker in die Arme Russlands drängen.Nordkorea bleibt ein wichtiger Verbündeter Chinas, aber es ist zugleich sein gefährlichster. Das Land ist für China zu einer der grössten sicherheitspolitischen Herausforderungen geworden.Passend zum Artikel
Xi Jinping bei Kim Jong Un: warum Nordkorea für China zunehmend unberechenbar wird
Xi Jinpings Besuch bei Kim Jong Un hat zum Ziel, Nordkorea wirtschaftlich wieder stärker an China zu binden. Die Atommacht wird für China immer gefährlicher.











