Die deutsche Presse feiert den French-Open-Sieg des Tennisspielers Alexander Zverev. Haben die nicht ein Detail vergessen?

E ndlich hat „unser Sascha“ es geschafft. Alexander Zverev – Sascha ist die russische Koseform seines Namens – ist es nach drei verlorenen Grand-Slam-Finals beim vierten Versuch geglückt: Bei den diesjährigen French Open konnte er sich den einzigen Titel, der ihm in seiner Karriere noch fehlte und um den er so lange kämpfte, sichern.

Und alle freuen sich mit: „Der Durchbruch für Zverev: ‚Wir sind Champion‘“, titelte das ZDF, „Jetzt muss er es keinem mehr beweisen“, die Zeit. „Zverev in Paris am Ziel seiner Grand-Slam-Träume“, schreibt Eurosport. Wie toll!

Aber mit wem identifizieren sich die deutsche Presse und alle, die seinen Sieg feiern, da eigentlich? Haben sie vergessen, dass Zverevs Ex-Freundin Olga Sharypova, ebenfalls Tennisspielerin, 2020 schwere Vorwürfe der physischen und psychischen Gewalt gegen ihn erhob? Haben sie auch vergessen, dass eine zweite Ex-Freundin, Brenda Patea, ihm ebenfalls Körperverletzung anlastete?

Sharypovas Vorwurf, dass Zverev sie während der Shanghai Masters 2019 gewürgt und ins Gesicht geschlagen habe, wies Zverev damals kategorisch zurück. Eine Untersuchung der ATP, der Vereinigung der professionellen männlichen Tennisspieler, kam im Januar 2023 zu dem Schluss, dass es dafür „keine ausreichenden Beweise“ gebe und dass er deswegen keine Maßnahmen zu fürchten habe. Zu einem gerichtlichen Prozess kam es nie.