Gewalt gegen Frauen : Höchststand beim Hilfetelefon – fast 70.000 Anrufe08.06.2026, 13:21Lesezeit: 2 Min.Wenn Frauen Gewalt erleben, können sie beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ anrufen. Im Jahr 2025 wurde die Nummer so häufig gewählt wie noch nie – fast 70.000 Mal.Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wurde im vergangenen Jahr über 69.500 Mal für eine Beratung kontaktiert. Das entspreche durchschnittlich 190 Beratungen pro Tag und stelle einen neuen Höchststand dar, wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Angelegenheiten am Montag mitteilte. Häufigster Anlass für die Kontaktaufnahme war häusliche Gewalt (32.186 Anrufe).Selbst in der Zeit der Corona-Pandemie sei das Hilfetelefon nicht so häufig kontaktiert worden wie im Jahr 2025, hieß es weiter. Während die Hotline im Gründungsjahr 2013 noch 18.812 Beratungen verzeichnet habe, liege die Zahl inzwischen mehr als 3,7 Mal so hoch. Auch im Vergleich zum Vorjahr sei das Beratungsaufkommen um 14 Prozent gestiegen, was mehr als 8.000 zusätzlichen Beratungen entspreche.Betroffenen von Gewalt zuhörenWegen sexualisierter Gewalt riefen demnach 6.435 Personen an, gefolgt von 3.561 Beratungen zu psychischer Gewalt, 2.604 zu physischer Gewalt und 2.439 zu Stalking. Neben der telefonischen Kontaktaufnahme seien auch Online-Angebote verstärkt genutzt worden: Die Zahl der Beratungen per E-Mail und Chat stieg laut Angaben um 43 Prozent.Die Präsidentin des Bundesamtes, bei dem das Hilfetelefon angesiedelt ist, betonte, die Bedeutung des Angebots zeige sich nicht allein in Zahlen: „Jede einzelne Beratung, jeder Hinweis und jede Information tragen dazu bei, Frauen Wege aus der Gewalt zu eröffnen und neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben zu geben.“Die Leiterin des Hilfetelefons, Petra Söchting, begrüßte es, dass geschlechtsspezifische Gewalt mehr Beachtung finde. Dies signalisiere Betroffenen, „dass ihnen zugehört wird und es niedrigschwellige Unterstützung gibt, um aus ihrer Situation herauszufinden“.Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ berät unter der Rufnummer 116 016 und online auf www.hilfetelefon.de zu allen Formen von Gewalt – rund um die Uhr, anonym und kostenfrei. Die Beratung erfolgt vertraulich und barrierefrei und ist laut Angaben in 18 Fremdsprachen möglich. Auf Wunsch können die Beraterinnen an eine Unterstützungseinrichtung vor Ort vermitteln. Auch Menschen aus dem sozialen Umfeld von Betroffenen sowie Fachkräfte können sich an das Hilfetelefon wenden. Hilfe bei Gewalt Sprechen Sie mit Menschen Wenn Sie psychischen Druck oder körperliche Gewalt durch Ihren Partner / Ihre Partnerin erfahren, kann es helfen, mit anderen Menschen darüber zu reden. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – über Ihre Situation sprechen können. Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“Frauen, die Gewalt erleben oder erlebt haben, können sich an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden. Unter der Nummer 116 016 ist rund um die Uhr und kostenlos ein Kontakt zu Beraterinnen möglich – vertraulich und anonym. Die Beratung kann per Telefon, Onlinechat oder E-Mail erfolgen. Auch Angehörige und Freunde gewaltbetroffener Personen sowie Fachkräfte erhalten Unterstützung beim Hilfetelefon. Die Beratung beim Hilfetelefon kann mithilfe von Dolmetscherinnen in 18 Fremdsprachen erfolgen. Das Angebot richtet sich auch an Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung. Sie können Beratung in Leichter Sprache erhalten oder in Deutscher Gebärdensprache beraten werden. Eine Beratungsstelle findenEine Fachberatungsstelle ist für gewaltbetroffene Frauen sowie deren Angehörige und Freunde häufig die erste Anlaufstelle. Rund 200 Beratungsstellen und Notrufe sind im Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) organisiert. Dieser listet die Angebote auf seiner Website auf. Die Beratung ist kostenlos und anonym. Sie kann persönlich oder telefonisch erfolgen. Die Website des BFF informiert auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und in Deutscher Gebärdensprache. Ein Frauenhaus findenIn Deutschland stehen gewaltbetroffenen Frauen und Kindern rund 400 Frauenhäuser sowie über 40 Schutz- oder Zufluchtswohnungen mit mehr als 6000 Plätzen zur Verfügung, heißt es auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend. Der Verein Frauenhauskoordinierung e. V. bietet eine bundesweite Übersicht über freie Plätze in Frauenhäusern und Schutzwohnungen. Auch auf der Website der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF) finden Gewaltbetroffene und ihr Umfeld die Kontaktdaten von Frauenhäusern. Hilfetelefon „Gewalt an Männern“Unter 0 800 1239900 können Sie sich an das bundesweite Männerhilfetelefon wenden. Dort werden Sie zu folgenden Sprechzeiten beraten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 20 Uhr sowie Freitag von 8 bis 15 Uhr. Die Beratung kann anonym erfolgen. Auf der Website https://www.maennerhilfetelefon.de können Sie im Sofortchat eine Anfrage stellen (auch anonym). Dieser findet von Montag bis Donnerstag zwischen 12 und 15 Uhr sowie 17 bis 19 Uhr statt. Darüber hinaus können Sie jederzeit eine E-Mail senden an: beratung@maennerhilfetelefon.de Eine Schutzwohnung für Männer finden Männer, die sich vor Ort beraten lassen möchten oder eine Schutzwohnung suchen, können sich bei der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz informieren. Auf der Website der Stelle sind Einrichtungen in ganz Deutschland aufgelistet.