PfadnavigationHomePanoramaSchwangerschaftsabbruchYouTube-Paar treibt Baby mit Down-Syndrom ab – Entscheidung löst Empörung ausStand: 12:16 UhrLesedauer: 3 MinutenAshley und Jesse RidgwayQuelle: Screenshot WELT/YouTube @JesseRidgwayMJNEin YouTuber-Paar in den USA hat den Schwangerschaftsabbruch nach einer Down-Syndrom-Diagnose seines ungeborenen Kindes öffentlich gemacht und damit eine heftige Debatte ausgelöst. Auch der Sprecher des US-Repräsentantenhauses schaltet sich ein.US-YouTuber Jesse Ridgway und seine Ehefrau Ashley haben ihr ungeborenes Baby nach einer Down-Syndrom-Diagnose abgetrieben – und die Entscheidung öffentlich gemacht. Die Mitteilung in den sozialen Medien löste eine heftige Debatte aus. Jesse Ridgway, bekannt als „McJuggerNuggets“ auf seinem YouTube-Hauptkanal, teilt mit seinen mehr als vier Millionen Abonnenten sein privates Leben. So konnten die Follower auch zusehen, wie Ridgway und seine Frau Ende Mai nach einer Fruchtwasseruntersuchung für ihr Baby die Diagnose Trisomie 21 gestellt bekamen. Ashley Ridgway brach nach dem Ergebnis in Tränen aus. Sie habe bereits Kleidung gekauft und das Kinderzimmer geplant.Er sei zunächst optimistisch gewesen, schreibt Jesse Ridgway auf X. Er dachte, das Kind würde „geistig etwas langsam“ sein, aber er habe nicht vollständig verstanden, welche gesundheitlichen Folgen das Down-Syndrom umfasse. „Mir war gar nicht bewusst, wie schwer es für das Kind ist, geschweige denn für die Familie … In den meisten Fällen sind sie für den Rest ihres Lebens vollständig auf die Hilfe anderer angewiesen.“ Die Entscheidung zur Abtreibung sei dem Paar nicht leicht gefallen. Man sei überzeugt, dass sie langfristig im Interesse der eigenen Familie sei.Der Beitrag verbreitete sich rasant und wurde mittlerweile mehr als 24 Millionen Mal aufgerufen. Darunter sammelte sich scharfe Kritik an der Entscheidung des Paares. „Stellen Sie sich vor, welche Botschaft Sie gerade an alle Menschen mit Down-Syndrom auf der ganzen Welt senden. Sie sagen ihnen damit, dass ihr Leben nicht lebenswert ist“, schreibt die Autorin Megan Basham. Der republikanische Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, bezeichnete die Entscheidung als „böse“. „Wenn eine Kultur so weit verfällt, dass ‚Influencer‘ im Internet den vorsätzlichen Mord an ihrem eigenen geliebten Kind so beiläufig abtun können, ist das Überleben dieser Kultur selbst in Gefahr.“Abtreibungen sind in den USA ein politisch umkämpftes Thema. In der Debatte um die Entscheidung der Ridgways spielt auch das Stadium der Schwangerschaft eine Rolle: Zwar ist nicht genau bekannt, in welcher Schwangerschaftswoche die Abtreibung durchgeführt wurde. Angekündigt hatte das Paar die Geburt für den Herbst. In manchen US-Staaten sind Abtreibungen verboten, in anderen bis zur 24. Woche erlaubt. In manchen Staaten sind sie unter Umständen auch bis kurz vor der Geburt möglich.Lesen Sie auchDie Ridgways sagten der „New York Times“, sie hätten nach der Bekanntgabe der Abtreibung Morddrohungen erhalten und seien in Kommentaren mit Hitler verglichen worden. Nach Angaben der Zeitung ist die Entscheidung des Paares statistisch keineswegs ungewöhnlich. Untersuchungen zufolge entscheiden sich in den USA rund 74 Prozent der Schwangeren nach der Diagnose Down-Syndrom für einen Schwangerschaftsabbruch. In seinem Beitrag verwies Ridgway auf medizinische Risiken und Begleiterkrankungen, die mit Down-Syndrom verbunden sein können. Er nannte unter anderem Herzfehler sowie Hör- und Sehstörungen und schrieb, Down-Syndrom sei „kein Segen“. Vertreter von Behindertenorganisationen kritisierten gegenüber der „New York Times“, dass diese Darstellung ein einseitig düsteres Bild vermittle. Menschen mit Down-Syndrom könnten ein lebenswertes und erfülltes Leben führen, betonten mehrere Gesprächspartner der Zeitung. Problematisch sei, wenn durch solche Aussagen der Eindruck entstehe, ihr Leben sei weniger wert.Lesen Sie auchTrotz der heftigen Reaktionen bereut das Paar die öffentliche Mitteilung nach eigenen Angaben nicht. Ashley Ridgway sagte der Zeitung, man habe zur eigenen Community stets ein offenes Verhältnis gepflegt. Neben Hassbotschaften habe es auch viel Zuspruch gegeben, etwa von Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hätten oder dankbar für die Offenheit des Paares seien.Jesse Ridgway erklärte, sie hätten niemanden mit Down-Syndrom oder anderen Behinderungen angreifen wollen. „Ich hoffe nur, dass die Leute Verständnis dafür aufbringen können, dass es eine schwierige Situation ist“, sagte er. „Wir versuchen einfach nur, das zu tun, was für unsere Familie das Richtige ist.“ll