Qualität ist keine Frage des Alters. So sah das aus am Sonntag während und nach dem Großen Preis der Formel 1 in Monaco. Kimi Antonelli ist nun der jüngste Sieger dieses Grand Prix in der Geschichte der Formel 1. Und Lewis Hamilton einer der Ältesten auf Rang zwei. Und so kam es während der Pressekonferenz zu einem Plausch unter zwei Generationen über die Reife des jeweils anderen. Wie alt er denn sei, fragte der Rekord-Weltmeister den Shootingstar von Mercedes nach dessen fünftem Sieg im sechsten Saisonrennen, 21? 19, antwortete der Italiener, schaute auf den 41 Jahre alten Ferrari-Piloten und fügte kess hinzu: „Du bist sehr gut in Form.“Gelächter. Nach Antonellis Meisterstück im Fürstentum wird so eine Frotzelei nicht mehr als Anmaßung eines Möchtegern-Stars gegenüber dem erfolgreichsten Piloten der Formel 1 verstanden. Obwohl zwischen Sir Lewis und dem jungen Mann aus Bologna laut Statistik eine gewaltige, uneinholbar scheinende Lücke klafft: 100 Grand-Prix-Siege, sieben Weltmeisterschaften.Mercedes-Pilot Antonelli ist zurzeit unantastbarAber die Distanzierung von Hamilton am Sonntag über 78 Runden schuf eine Annäherung, die solch gigantische Entfernungen in Gedanken überbrückt. Denn Antonelli trotzte nicht nur den Unterbrechungen nach Unfällen, einem Rennabbruch samt Neustart aus dem Stand, mit Hamilton wieder im Nacken. Er zog ungerührt, fehlerlos noch einmal davon. Ohne die „Neutralisierung“ der Sause hätte er nicht nur fast das gesamte Feld um eine Runde hinter sich gelassen, einschließlich seines Teamkollegen George Russell, sondern – geschätzt – eine Minute vor dem Zweiten das Ziel erreicht. Antonelli war unantastbar.Das mag auch seiner Jugend geschuldet sein, seiner geringen Erfahrung mit Belastungen durch die Erwartung, die sich mitunter bleischwer auf die Schultern legt. Die Älteren, die Hamiltons Rekorden schon seit Jahren hinterherfahren, Russell, auch Charles Leclerc, beide 28 Jahre alt, suchten in Monaco nach ihrer Form und scheiterten am Wochenende letztlich an der Vorgabe des Jungspunds. Der tänzelt erst so leichtfüßig wie fröhlich durch das Fahrerlager, schießt dann aber, wenn es bitterernst wird, kaltblütig mit verblüffendem Tempo um die Ecke.Russell, auch wegen eines Teamfehlers nur Zwölfter im Rennen, konnte trotz des identischen Boliden vom ersten Training an nicht mithalten. Leclerc, Favorit auf die Pole-Position, leistete sich Fehler im Qualifying, als der Mercedes-Mann vor ihm lag. Im Rennen rutschte er mit dem Ferrari in die Bande. Antonelli macht Druck.Das liegt nicht nur an seinem „natürlichen“ Speed, sondern an seiner Begabung, die Details zusammenzufügen. Die souveräne Tour in Monaco bestätigte auch die besondere Qualität des Mercedes. Der W17 taugt auf jedem Streckentyp zum Sieg. Deshalb steht der Fortsetzung von Antonellis Serie nicht viel im Weg. Am ehesten der mit jedem Erfolg wachsende Erwartungsdruck, den Teamchef Wolff schon seit ein paar Wochen öffentlich zu dämpfen sucht.Antonelli ist in gewissem Sinn sein Kind, getrimmt in der Mercedes-Nachwuchsschule, 2025 mit 18 ins Cockpit gesetzt, weil Hamilton von Ferrari einen Vertrag über mehrere Jahre bekam. Ob dieser Wechsel halbwegs vorausgesehen, wenn nicht gar forciert wurde? Darüber schweigt Wolff höflich. Vergleiche des jüngsten WM-Führenden mit den Größten weist er zurück. Wohl wissend, dass in Antonelli ein Hamilton von morgen stecken könnte.
Kimi Antonelli: Ein echter Generationwechsel in der Formel 1
Die Rekorde von Sir Lewis sind für viele talentierte Formel-1-Piloten in gigantischer Entfernung. Kimi Antonellis Meisterstück in Monaco zeigt: In ihm steckt ein Hamilton von morgen.












