Tech-Zweifel und der Krieg in Iran drücken auf die BörsenstimmungDer Ausverkauf bei den Technologietiteln verunsichert die Märkte. Anleger fragen sich, ob es nur eine notwendige Korrektur der vorangegangenen Euphorie ist – oder ob nun Zurückhaltung angebracht ist.08.06.2026, 11.17 Uhr3 LeseminutenNvidia-CEO Jensen Huang will mit dem RTX-Spark-Chip den PC revolutionieren.Ann Wang / ReutersFür den Nvidia-Chef Jensen Huang ist klar, was die jüngsten Kursrückgänge bei den Tech-Werten bedeuten: eine Kaufgelegenheit. Als CEO eines Chip-Herstellers muss er optimistisch sein. Er sieht den Boom der künstlichen Intelligenz (KI) erst am Anfang – und somit noch einen grossen Bedarf an Ausrüstung für Computer und Rechenzentren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Diesen Optimismus teilen nicht alle Anleger. Am Freitag hatte die US-Technologiebörse Nasdaq vier Prozent eingebüsst. Weltweit verloren Aktien von Unternehmen, die als Profiteure der KI-Aufrüstung gelten, an Wert.Am Montagmorgen setzte sich der Ausverkauf insbesondere in Südkorea fort und zwar so, dass kurz nach Börsenstart in Seoul eine 20-minütiger Handelsstopp verfügt wurde. Der dortige Leitindex Kospi wird von Samsung und dem Halbleiterhersteller SK Hynix dominiert, die zusammen rund 45 Prozent des Indizes ausmachen. Die Nachricht, dass SK Hynix eine Kooperation mit Nvidia plant, vermochte die Stimmung nur geringfügig zu heben.In der Schweiz startete der Swiss-Market-Index knapp negativ in die Handelswoche. Die meisten Blue-Chips notierten leicht im Minus. Etwas stärker traf es einen Überflieger der vergangenen Monate: Das Technologieunternehmen Huber + Suhner gilt als Profiteur des KI-Booms, entsprechend war die Korrektur mit 4,8 Prozent auch stärker – dies, nachdem die Titel bereits am Freitag deutlich nach unten korrigiert hatten.Investoren fragen sich, ob es sich bei der KI-Euphorie um eine Blase handelt, oder ob die neusten Verluste einfach eine gesunde Korrektur vor dem nächsten Höhenflug sind. Daneben beschäftigen am Markt jedoch noch andere Themen.Erneute Ungewissheit zu HormuzDie Angriffe von Iran auf Israel am Sonntag haben den Krieg in Nahost wieder ins Bewusstsein der Anleger gerückt. Donald Trump hat zwar kurz darauf in verschiedenen Medien versucht, sich als Herr der Lage in Szene zu setzen, doch ein Deal mit Iran scheint weniger wahrscheinlich als auch schon. Damit verbunden dürfte sich auch die Öffnung der Meerenge von Hormuz weiter verzögern.Die Reaktion am Markt folgte sogleich mit einem Anstieg des Erdölpreises. Ein Fass der Erdölsorte Brent verteuerte sich um fast fünf Prozent auf 97.50 Dollar. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat zwar am Sonntag angekündigt, die Fördermenge zu erhöhen. Doch im Hinblick auf die andauernde Blockade von Hormuz hat die Ansage des Kartells vermutlich nur beschränkte Auswirkungen.Knifflige Fragen für die NotenbankenDer Erdölpreis wiederum beschäftigt auch die Notenbanken. Für sie stellt sich die Frage, inwiefern sie den Umstand höherer Energiepreise bei ihren nächsten Zinsentscheiden berücksichtigen müssen. Diese fliessen etwa auch in die Kosten für die Nahrungsmittelproduktion ein, sei es in Form von Dünger, Herstellungs-, Transport- oder Verpackungskosten.Das ist deshalb knifflig, weil unklar ist, wie lange die Sperre von Hormuz und damit der hohe Erdölpreis anhält. Selbst im besten Fall einer baldigen Öffnung der Meerenge ist umstritten, wie rasch es dauert, bis sich die Erdölversorgung wieder normalisiert.Eindeutiger ist die Lage für die Notenbanker in den USA bezüglich dem Arbeitsmarkt. Wie neue Daten am Freitag zeigten, wurden in Amerika deutlich mehr Jobs geschaffen, als Ökonomen erwartet hatten. Diese an sich positive Nachricht kam jedoch an der Börse nicht gut an. Anleger befürchten, dass nun die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Fed im laufenden Jahr die Zinsen anheben wird.Bis dahin wird das Technologie-Thema die Märkte aber noch eine Weile bewegen. Ein Stimmungstest für die Anleger werden die geplanten Börsengänge von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX, möglicherweise noch im Juni, sowie vielleicht im zweiten Halbjahr jene der beiden KI-Riesen OpenAI und Anthropic sein.Passend zum Artikel