Im ländlichen Kamenz soll die Geburtenstation schließen. Die lokale Politik von AfD bis Linke will das zusammen verhindern – trotz Brandmauer.
A n diesem Donnerstag im Mai bleiben noch drei Tage. Drei Tage, bis die Geburtenstation der sächsischen Kleinstadt Kamenz zum 31. Mai schließen soll. Seit 200 Jahren kommen hier Kinder zur Welt. Im letzten Jahr waren es 315, fünf Jahre zuvor noch knapp 500. Die Station ist eine von drei im Landkreis Bautzen, eine Region so groß wie das Saarland.
Der Klinik, die die Kamenzer Geburtenstation betreibt, fehlt das Geld. Der private Träger des St. Johannes Krankenhauses hält die Station für nicht wirtschaftlich. Es wäre wieder ein Kreißsaal weniger, wieder einer in einer ländlichen Region.
Eine ungleiche Gruppe Kamenzer Kreisräte hat sich zusammengeschlossen, um die Schließung zu verhindern. Während andernorts über die Brandmauer zur AfD diskutiert wird, machen die Stadt- und Kreisräte links wie rechts hier gemeinsame Sache – wenngleich das in diesem Fall auch in Kamenz ein Novum ist.
Am Tisch von Oberbürgermeister Michael Preuß im Rathaus sitzen an diesem Donnerstag Cordula Gneuß von der in Sachsen vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD, daneben Roland Dantz von den Freien Wählern und ihnen gegenüber Alex Theile von den Linken. Preuß, parteilos, sitzt am Kopfende.






