Die Zahl der Kliniken im Großraum Frankfurt, in denen Frauen ein Kind zur Welt bringen können, sinkt seit Jahren. Vergangene Woche gab das Frankfurter Hospital zum Heiligen Geist bekannt, seine Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im August zu schließen. Das Ketteler Krankenhaus in Offenbach schließt seine Geburtsmedizin schon Ende Juni. Vor zwei Jahren gab es Aufregung um die Schließung der beliebten Entbindungsstation des DGD Krankenhaus in Sachsenhausen, besser bekannt als „Schiffer-Krankenhauses“.Als Grund werden in allen Fällen der Rückgang der Geburtenzahlen, das Fehlen von Fachpersonal und der wirtschaftliche Druck genannt, der durch die hohen Kosten für den 24-Stunden-Dienst entsteht: Weil Babys, die natürlich auf die Welt kommen sollen, weder Dienstpläne kennen noch sie beachten, müssen nicht nur Ärzte und Hebammen, sondern auch Anästhesisten, Assistenzärzte und Pflegekräfte rund um die Uhr bereitstehen.Im insolventen Ketteler Krankenhaus, das gerade von einem neuen Träger vor Schlimmerem bewahrt wurde, waren im vergangenen Jahr nur noch 484 Babys auf die Welt gekommen. Nach Einschätzung des Sanierungsgeschäftsführers, Dietmar Eine, hätten es aber mindestens 800 sein müssen, um Defizite zu vermeiden. Er nennt auch weitere Zahlen: Die Geburtsmedizin habe zuletzt einen Verlust von mehr als einer Million Euro im Jahr für die Klinik bedeutet. In sämtlichen Krankenhäusern, die sich in den vergangenen Jahren von ihren Entbindungsstationen trennen mussten, waren zuletzt weniger als 1000 Kinder im Jahr auf die Welt geholt worden.Auf der mittlerweile geschlossenen Geburtsstation im Krankenhaus Sachsenhausen ist im Juni 2024 eines der letzten Babys geboren worden.Michael BraunschädelIn Frankfurt bleiben noch vier größere Kliniken, die über Geburtsstationen verfügen: das Bürgerhospital, die Klinik mit den meisten Geburten in ganz Deutschland, das St. Elisabethen Krankenhaus, die Uniklinik und das Varisano-Klinikum Höchst. In Offenbach wird es Entbindungen von 2027 an nur noch im Sana-Klinikum geben.Beleghebammen betreuen das Baby nach der Geburt weiterInsgesamt stieg in Frankfurt die Zahl der Geburten gegen den Bundestrend an. Ein Hersteller von Babynahrung, der jedes Jahr die Zahlen aus allen deutschen Krankenhäusern zusammenträgt, meldete 11.310 Babys für 2025, im Jahr zuvor waren es 11.145 gewesen. Zwar ist auch die Frankfurter Bevölkerung um 0,58 Prozent gewachsen, aber nicht so stark wie die Zahl der Geburten mit 1,48 Prozent. Diese Statistik erfasst jedoch nicht alle Neugeborenen. Werdende Mütter, die zu Hause oder in einem Geburtshaus entbinden, fehlen. In beiden Fällen müssen Hebammen die Geburt begleiten. Doch die Zahl derer, die außerhalb eines Krankenhauses gebären, ist gering. Ein Anhaltspunkt liefert das Frankfurter Geburtshaus im Nordend, wo im vergangenen Jahr 245 Kinder auf die Welt kamen. Im Jahr 2024 waren es noch 263 gewesen.Das Hospital zum Heiligen Geist in der Frankfurter Innenstadt schließt im August die Gynäkologie und die Geburtsstation.Janek StempelWas in großen Kliniken möglicherweise verloren geht, ist die Intimität, die ein eingespieltes Team in einem kleineren Krankenhaus zu bieten scheint. Doch darauf haben die großen Häuser bereits reagiert und bemühen sich, besondere Angebote für werdende Eltern zu schaffen. Das St. Elisabethen Krankenhaus und das Bürgerhospital bieten einen Hebammenkreißsaal für Frauen mit risikoarmer Schwangerschaft, die während der Geburt ausschließlich durch Hebammen betreut werden. Dabei steht jederzeit ein Ärzteteam im Hintergrund bereit.Das St. Elisabethen Krankenhaus bietet außerdem eine Kooperation mit Beleghebammen, die die Betreuung auch vor und nach der Geburt übernehmen und während der Entbindung im Krankenhaus tätig sind. Drei der vier Geburtskliniken sind außerdem Perinatalzentren des Levels 1, wie die höchste Versorgungsstufe für Risikoschwangerschaften, Frühgeborene und kranke Neugeborene bezeichnet wird.Doch die Kreißsäle sind in Hessen ungleich verteilt. Während Frankfurt vier, Wiesbaden und Gießen noch je drei haben, gibt es in 13 Landkreisen nur noch je eine einzige Klinik mit Geburtshilfe – etwa im Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und Odenwaldkreis. Der Abschied von den Entbindungsstationen hat bereits vor zehn Jahren begonnen. Seit 2015 wurden in Hessen 14 Kreißsäle geschlossen. Drei Landkreise haben gar keine Geburtsklinik mehr, nämlich der Vogelsberg- und der Rheingau-Taunus-Kreis sowie der Landkreis Darmstadt-Dieburg, nachdem im vergangenen Jahr die Geburtshilfe im Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt aufgegeben wurde.Die flächendeckende Versorgung in der Geburtshilfe sei trotz dieser Schließungen weiterhin gesichert, hieß es im Januar in einer Antwort des hessischen Gesundheitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag. Die Aussage bezieht sich auf den hessischen Krankenhausplan, in dem unter anderem geregelt ist, wie lange die Fahrt zu einer medizinischen Einrichtung höchstens dauern darf. Die Geburtshilfe muss demnach von jedem Ort aus in höchstens 40 Minuten erreichbar sein. Diese Frist wird selbst im Vogelsbergkreis nicht überschritten, wie der Krankenhausatlas des Statistischen Bundesamts in einer farbigen Karte darstellt. Dort findet sich allerdings auch der Hinweis, dass die Fahrt zur Klinik wegen Staus, Baustellen oder Straßensperrungen auch deutlich länger dauern kann.