Sie sitzen sich in einer schnell anberaumten Pressekonferenz im Stadttheater Kamenz gegenüber. Ein Chefarzt, Hebammen, Krankenschwestern. Vor ihnen im Podium der Oberbürgermeister der sächsischen Kleinstadt (17.000 Einwohner) sowie Kreisräte aus dem Landkreis Bautzen, die in und um Kamenz zu Hause sind.

Das „Stück“, wenn man so will, das hier gegeben wird, hat Dramatik und politische Brisanz. Denn ausgerechnet am 23. April, so erinnert sich Oberbürgermeister Michael Preuß, habe er erfahren, dass die Geburtenstation im einzigen Kamenzer St. Johannes-Krankenhaus bereits Ende Mai geschlossen werden soll.

Die Klinik-Leitung begründet auf ihrer Webseite die Schließung wie folgt: „Hintergrund sind insbesondere strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen sowie die demografische Entwicklung im Einzugsgebiet. In den vergangenen Jahren sind sowohl die Geburtenzahlen als auch die Fallzahlen deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualität, Personal und Dienstplanung.“ Krankenhäuser müssen sich wirtschaftlich tragen, sind mehr Geschäftsmodell als Daseinsvorsorge.

Geburtenrückgang und Krankenhaus-Sterben

316 Kinder erblickten im vergangenen Jahr im Kamenzer Krankenhaus das Licht der Welt. Pavel Rubeš, Chefarzt der dortigen Gynäkologie, erklärt: „Wir dürfen nur noch bis zum 29. Mai die letzten Patientinnen zur Entbindung aufnehmen, damit sie bis zum 1. Juni versorgt werden können. Sieben Ärzten ist bereits gekündigt worden, einer soll in einem medizinischen Versorgungszentrum weiterarbeiten. Die 26 Hebammen, gynäkologischen und Kinderkrankenschwestern werden noch bis Jahresende auf andere Stationen der Klinik verteilt.“