PfadnavigationHomeGesundheitFrüherkennungWas das Gehirn schon in jungen Jahren über das Demenzrisiko verrätStand: 08:28 UhrLesedauer: 3 MinutenViele Faktoren beeinflussen, wie gut das Gehirn im Alter funktioniertQuelle: Getty Images/Image Source/Andrew BrookesWarum bleiben manche Menschen bis ins hohe Alter geistig fit, während andere abbauen? Forscher richten den Blick auf eine Altersgruppe, die in der Demenzforschung bislang wenig beachtet wurde – mit überraschenden Ergebnissen.Demenz gilt für viele als Krankheit des Alters. Die ersten Hinweise darauf könnten jedoch deutlich früher sichtbar werden als bislang angenommen. Eine neue Studie zeigt, dass bekannte Risikofaktoren für Demenz bereits bei jungen Erwachsenen mit der geistigen Leistungsfähigkeit zusammenhängen.Forscher der Universität Leipzig haben untersucht, ob sich bekannte Risikofaktoren für Demenz bereits bei jungen Erwachsenen bemerkbar machen. Das Ergebnis: Menschen mit einem höheren Demenzrisiko schnitten schon im Alter zwischen 20 und 39 Jahren bei Gedächtnis- und Denkaufgaben schlechter ab.Für die Studie wertete das Forschungsteam Daten von knapp 150.000 Teilnehmern der deutschen Gesundheitsstudie NAKO aus. Die Teilnehmer waren zwischen 20 und 75 Jahre alt. Für jede Person berechneten die Wissenschaftler den sogenannten LIBRA-Score. Dieser Index erfasst beeinflussbare Risikofaktoren für Demenz, darunter Rauchen, Bewegungsmangel, Depressionen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.Lesen Sie auchAnschließend verglichen die Forscher die Risikowerte mit der geistigen Leistungsfähigkeit der Teilnehmer. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia“. Dabei zeigte sich ein klares Muster: Je höher das Demenzrisiko, desto schlechter fiel die kognitive Leistung aus. Dieser Zusammenhang zeigte sich nicht nur bei älteren Menschen, sondern in allen Altersgruppen.Besonders auffällig waren die Unterschiede bei jungen Erwachsenen. Während bei ihnen vor allem Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome eine Rolle spielten, überwogen bei älteren Menschen klassische Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder koronare Herzerkrankungen.Lesen Sie auch„Es wird deutlich, dass sich die Art der Risikofaktoren für Demenz über die Lebensspanne verändert“, sagt Studienautorin Steffi G. Riedel-Heller von der Universität Leipzig. Die Risikoreduktion sollte deshalb nicht erst im mittleren oder höheren Alter beginnen, sondern bereits in jungen Jahren.Lesen Sie auchDie Ergebnisse sprechen dafür, dass die Gehirngesundheit eng mit dem Lebensstil verknüpft ist. Bewegung, psychische Gesundheit und der Verzicht auf Zigaretten könnten demnach nicht nur Herz und Lunge schützen, sondern möglicherweise auch das Risiko für spätere geistige Einschränkungen senken.Die Studie zeigt außerdem deutliche soziale Unterschiede. Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status wiesen insgesamt ungünstigere Risikoprofile auf. Gleichzeitig war der Zusammenhang zwischen Demenzrisiko und geistiger Leistungsfähigkeit in einigen Gruppen besonders ausgeprägt. Betroffen waren vor allem Frauen mit niedrigerem sozioökonomischem Status.„Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass das Demenzrisiko nicht nur mit individuellen Faktoren zusammenhängt“, sagt Erstautor Felix Wittmann. Wer gesundheitliche Ungleichheiten verringern wolle, müsse deshalb auch soziale Unterschiede stärker berücksichtigen.Die Arbeit schließt eine wichtige Forschungslücke. Bislang wurde der LIBRA-Index vor allem bei Menschen ab 40 Jahren untersucht. Die neuen Daten deuten nun darauf hin, dass sich das Instrument auch bei jüngeren Erwachsenen sinnvoll einsetzen lässt.Allerdings hat die Studie Grenzen. Die Forscher analysierten die Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Daraus lässt sich nicht ableiten, ob die Risikofaktoren tatsächlich später eine Demenz verursachen. Die Ergebnisse zeigen zunächst nur einen Zusammenhang.Dennoch stützen sie eine Entwicklung, die sich bereits seit einigen Jahren in der Demenzforschung abzeichnet: Prävention beginnt wahrscheinlich deutlich früher als bisher angenommen. Vielleicht entscheidet sich die Gesundheit des Gehirns nicht erst im Rentenalter – sondern schon lange, bevor die meisten Menschen überhaupt an Demenz denken.lkl