Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft RSM Ebner Stolz hat zum ersten Mal einen Umsatz von mehr als einer halben Milliarde Euro erzielt. Im Geschäftsjahr 2025 stiegen die Einnahmen der Geschäftsbereiche Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung und Consulting um mehr als elf Prozent auf insgesamt 535 Millionen Euro. Besonders deutlich war das Wachstum in der Wirtschaftsprüfung mit einem Anstieg um fast 20 Prozent auf nahezu 164 Millionen Euro. Dazu haben neue Prüfungsaufträge beigetragen wie von Deutsche Euroshop, einem Investor von Einkaufszentren und der Jobrad-Gruppe, die Fahrräder an die Mitarbeiter von Unternehmen vermietet.Für Holger Jenzen, Sprecher der Partnerschaft von RSM Ebner Stolz, dient das Wachstum dazu, den Mitarbeitern attraktive Perspektiven zu bieten. „Wir wachsen seit jeher zweistellig“, sagt Jenzen im Gespräch mit der F.A.Z. Das sei für RSM Ebner Stolz normal. Besonders große Wachstumssprünge wie mit 20 Prozent im Jahr 2024 gebe es selten. „Für die Steuerung des Unternehmens interessieren der Gesamtumsatz oder unser Ranking im Wettbewerb nicht“, sagt Jenzen.Der achtundfünfzigjährige Steuerberater arbeitet seit 33 Jahren bei RSM Ebner Stolz und betont, dass er nicht Chef des Unternehmens sei, sondern nur Sprecher der etwa 240 Partnerinnen und Partner. Ein Unternehmen mit über einer halben Milliarde Euro Umsatz und ohne zentrale Führung, funktioniert das? „Wir haben keinen Vorstand und keine klassischen Service Lines wie andere große Prüfungs- und Beratungsgesellschaften“, sagt Jenzen. „Wir bestehen aus Teams, die von einer oder einem der Partnerinnen und Partner geleitet werden“. Der Kunde habe einen verantwortlichen Partner, der selber an dem Mandat arbeite. Das passe gut zu den Mandanten aus dem gehobenen Mittelstand. Aufgrund der Größe könnten Teams mit unterschiedlichen Spezialisierungen entwickelt werden, sodass in allen Bereichen Fachleute zur Verfügung stehen.Was sagt RSM Ebner Stolz zur Debatte über Finanzinvestoren?Zu den Kunden gehören aber auch zahlreiche börsennotierte Großunternehmen oder Finanzinvestoren. Letztere proben neuerdings den Einstieg in die stark wachsende Prüfungs- und Beratungsbranche, was im Berufsstand der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater für Aufregung sorgt.Kritiker sehen die Unabhängigkeit in Gefahr, Befürworter verweisen in erster Linie auf Investitionen in die Digitalisierung. „Für RSM Ebner Stolz kommt ein externer Investor jedweder Art nicht infrage, da besteht Einigkeit im Kreis der Partnerinnen und Partner“, sagt Jenzen. Das sei aber nicht als Absage an Finanzinvestoren insgesamt zu verstehen. Diese seien für einen funktionierenden Markt wichtig und als Mandanten und Geschäftspartner sehr geschätzt.Der Steuerberater Holger Jenzen ist Sprecher der Partnerschaft von RSM Ebner Stolz und Honorarprofessor an der Universität Mannheim.UnternehmenAuch RSM Ebner Stolz hat inzwischen einen großen Teil der Routineaufgaben in der Wirtschaftsprüfung und Beratung digitalisiert. Viele Prozesse, vom Eingang der Mandantendaten über die Erstellung der Steuererklärungen bis hin zur Prüfung der von den Finanzämtern verschickten Steuerbescheide, laufen weitgehend automatisch. Viele Aufgaben, die früher für das Anlernen von Berufsanfängern geeignet waren, übernimmt heute die Maschine. Daher muss sich laut Jenzen auch die Ausbildung für den Nachwuchs ändern. „Die Künstliche Intelligenz ist keine Bedrohung, sondern eine große Hilfe“, sagt Jenzen.Wobei kann KI Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern helfen?Ein Beispiel sei die Steuerberatung. „Das deutsche Steuerrecht ist eine Katastrophe, weil es zu kompliziert ist“, sagt Jenzen. Da könne die KI helfen, erste und schnelle Einschätzungen zu komplexen Gestaltungsfragen zu gewinnen, was heute viel schneller gehe als früher. Eine optimale Lösung, die alle Facetten eines Mandats abdeckt, liefere die KI aber nicht. „Da sind die Menschen als Berater gefordert“, sagt Jenzen.Aber wie lassen sich angesichts des Mangels an Fachkräften junge Leute für den auf den ersten Blick recht trocken scheinenden Job mit Bilanzen und Paragraphen begeistern? Argumente dafür fallen Jenzen, der einen Lehrauftrag an der Universität Mannheim hat, schnell ein: Kaum ein Beruf biete so viel Freiheit und Abwechslung wie der des Anwalts, Wirtschaftsprüfers, Steuer- oder Unternehmensberaters.Der Begriff des Freiberuflers sei daher wörtlich zu nehmen. Das sei attraktiv für Menschen, die unternehmerisch denken und Verantwortung übernehmen wollen. „Mit dem Berufsexamen in der Tasche steht Talenten die Welt offen“, sagt Jenzen. Gute Kandidaten könnten sich ihre Arbeitgeber und Positionen aussuchen und Freiheiten in ihrer beruflichen Entwicklung nutzen. Das große Hemmnis bei der Berufswahl seien die schweren Prüfungen für Wirtschaftsprüfer und insbesondere Steuerberater mit hohen Durchfallquoten. Daran müsse sich etwas ändern.