Signalrot leuchtet das Buch „Die hohe Kunst des Schimpfens“, herausgegeben von Tobias Roth und Wolfgang Hörner. Meckern, Poltern und Stänkern füllen am Dienstag eine Zirkusmanege, denn dann feiert das Buch Premiere im Cabuwazi-Zelt des Literaturhauses Berlin. Wolfgang Hörner sei gefragt: Lässt sich über das Schimpfen überhaupt etwas Gutes sagen?
Wolfgang Hörner: Aber sehr!! Vielleicht ist das gepflegte Schimpfen gar das Antidot gegen die deplorable Verrohung unserer Zeit. Gewiss: Affektkontrolle und Zurückhaltung gelten zu Recht als edel. Aber wer zu viel zu lange nur in sich hineinfrisst, tut sich nichts Gutes – und seiner Mitwelt erst recht nicht, wenn es zu spät unkontrolliert aus ihm hinausbricht.
Ein gutes, saftiges Schimpfwort lässt Dampf aus dem Schädel und der Brust. Besser ein Kampf, der mit muskulösem Vokabular ausgetragen wird, als mit Fäusten. Zudem bietet das Feld der Beschimpfung so viele Möglichkeiten, pure Aggression in lustvolles Dampfablassen umzuwandeln und dem Gegenüber mit der Mühe, die man sich dabei macht, einen ritterlichen Respekt zu bezeugen, dass es dringend Zeit ist, für die hohe Kunst des Schimpfens eine Lanze zu brechen.
Fallbeispiele aus den Mündern der besten Schimpfer








