Das Tagebuch der Anne Frank erzählt vom Terror der NS-Diktatur, von der Angst auf einem totalitären Kontinent, von einem Kampf ums Überleben, der scheitert. Es erzählt aber auch von einem Mädchen in der Pubertät, von Sehnsüchten, Träumen und schwärmerischer Verliebtheit. Es ist das, was gern eine Coming-of-Age-Geschichte genannt wird. Und ein Buch, in dem eine Jugendliche sich ihren Frust über die Erwachsenen von der Seele schreibt. „Haben meine Eltern vergessen, dass sie mal jung waren?“: Diese wütende Frage notierte Anne darin am 24. März 1944.Und unter diesem Motto stehen nun auch die Anne-Frank-Tage, die von Mittwoch, 10. Juni, bis Sonntag, 14. Juni, in Frankfurt stattfinden. Seit 2017 veranstaltet die Stadt gemeinsam mit der Bildungsstätte Anne Frank die Reihe rund um das Geburtsdatum der Autorin: Am 12. Juni 1929 wurde Anne Frank in Frankfurt geboren. Im Stadtteil Dornbusch wuchs sie auf.1934 flüchtete die jüdische Familie in die Niederlande. Von Sommer 1942 bis Sommer 1944 versteckten sie sich vor den Nazis in einem Hinterhaus an der Amsterdamer Prinsengracht, wo Anne Frank bis zur Deportation ihr Tagebuch schrieb. Vermutlich im Februar 1945 starben sie und ihre Schwester Margot im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr Vater Otto Frank sorgte nach dem Zweiten Weltkrieg dafür, dass die Notizen seiner jüngeren Tochter publiziert – und zum Bestseller wurden.Wie werden junge Menschen zu Ikonen?Das Programm der diesjährigen Anne-Frank-Tage richtet sich wieder an Jugendliche, im Mittelpunkt stehen die Sichtweisen, Wünsche und Sorgen junger Menschen. So wird etwa ein Plakatwettbewerb zum Thema „Gefühle zeigen!“ veranstaltet. Es gibt Führungen durch das Familie-Frank-Zentrum des Jüdischen Museums und Besuche der Frankfurter Synagoge. Ein Workshop auf dem Campus Westend der Goethe-Universität kreist unter dem Titel „Vom Tagebuch zum globalen Feed“ um die Frage, wie junge Menschen zu Ikonen werden.Außerdem wird es einen Vortrag des auf Instagram aktiven Influencers Mirco Becker („Damals in Frankfurt“) geben, der sich 800 Jahren jüdischer Geschichte in Frankfurt widmet. Selbst auf der Bühne stehen Jugendliche bei einem Poetry-Slam auf dem Vorplatz des Jüdischen Museums: Dort wollen sie mit eigenen Texten zeigen, was das Veranstaltungsmotto „Haben meine Eltern vergessen, dass sie mal jung waren?“ ihnen bedeutet.„Jugendliche zeigen großes Interesse an Politik und Gesellschaft – und doch werden ihre Perspektiven viel zu oft nicht ernst genommen.“ So begründet Deborah Schnabel, die Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, den Schwerpunkt der diesjährigen Anne-Frank-Tage. Es gehe darum, genau hinzuschauen, „wie Jugendliche hier und heute die Welt wahrnehmen und gestalten“. Das komplette Programm der Veranstaltungsreihe findet sich im Internet unter bs-anne-frank.de. Für bestimmte Veranstaltungen ist eine vorherige Anmeldung nötig.