PfadnavigationHomeKulturAusstellung in New YorkAnne Franks Versteck als Nachbau – darf man das?Veröffentlicht am 12.06.2025Lesedauer: 2 MinutenAnne Frank-Ausstellung im Center for Jewish History New YorkQuelle: John HalpernErstmals wird das Amsterdamer Versteck der Familie Frank in „realitätsnaher“ Weise ausgestellt. Ein Gang durch die Nachbildung der fünf Räume, die zwei Jahre lang Schutz vor den Nazis boten, beantwortet die Frage, ob diese Art der Erinnerung legitim ist, sehr eindeutig.Darf man an Anne Frank auf diese Weise erinnern? Das ist die Kontroverse, die sich um eine aktuelle Ausstellung des Center for Jewish History in New York dreht. Zum ersten Mal sind die fünf Räume, in denen sich die Familie Frank und vier jüdische Bekannte zwei lange Jahre vor den Nazis versteckten, in „realitätsnaher“ Weise ausgestellt.Die Wohnung an der Prinsengracht 263 in Amsterdam war fast leer, als Annes Vater nach der Befreiung von Auschwitz auf der Suche nach seinen beiden Töchtern zurückkehrte. Otto Frank veranlasste, dass die Räume genauso erhalten blieben. Leer. In New York sind sie nun originalgetreu nachgebaut und mit mehr als hundert Gegenständen gefüllt, die Kopien sind dessen, was nach 1942 dieses Versteck füllte. Gegenstände, die in ihrer Alltäglichkeit das Grauen näherbringen können. Ein Katzenkorb, ein Fahrrad, eine Schreibtischlampe. Zwei Jahre und 29 Tage eingesperrt zu sein im Wissen, dass jeder Moment in diesem Versteck einen Moment mehr Leben bedeutet. Eine Normalität aufrechtzuerhalten, weil hinter den abgedunkelten Fenstern nur tödlicher Wahnsinn herrscht.Lesen Sie auchAm Ende des Gangs durch die engen Zimmer komplementiert eine Fotomontage den Eindruck der Besucher. Das Bild einer Montessori-Kindergartengruppe in Amsterdam, aufgenommen 1935. 32 Kinder waren in Anne Franks Gruppe, davon 15 jüdische Kinder. Nur fünf überlebten den Holocaust, zehn starben in Konzentrationslagern, die meisten in Sodibor oder Auschwitz oder Bergen-Belsen. Anne und ihre Schwester Margot starben in letzterem Lager im Februar oder März 1945.Die Ausstellung in New York ist auf Wochen ausgebucht. Gerade in diesen Tagen, in denen Anschläge und Morde in den USA den ständig steigenden Antisemitismus nicht nur hierzulande vergegenwärtigen, ist die Erinnerung wichtiger denn je. Am 12. Juni wäre Anne Frank 96 Jahre alt geworden.