Der Gen-Z-Flüsterer aus Vevey: Der Nestlé-Chef Philipp Navratil verordnet seinem Konzern eine VerjüngungskurNestlé übernimmt den Trinkmahlzeiten-Anbieter Yfood aus Deutschland. Der Zukauf zeigt, wie der Chef das Traditionsunternehmen auf die Bedürfnisse einer neuen Generation einstimmt.07.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenWeiss, was die Jungen wollen: Der Nestlé-Chef Philipp Navratil.Pierre Albouy / ReutersTrinken und Essen, das waren einst zwei unterschiedliche Dinge. Doch in einer chronisch gehetzten Gesellschaft ist es dem Menschen offenbar nicht mehr zuzutrauen, sich für beides separat Zeit zu nehmen. Und so ist eine neue Lebensmittelkategorie entstanden, der Hybrid unter den Kalorienlieferanten: die sogenannte Trinkmahlzeit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kritische Geister mögen einwenden, es handle sich hierbei bloss um hochgradig verarbeitete, künstlich aufgemotzte Milchmischgetränke. Doch das Konzept trifft den Zeitgeist nun einmal: Die Produkte versprechen das totale Nährstoffparadies, eine Rundumversorgung mit Proteinen, Vitaminen, Ballaststoffen, Pipapo. Und das Beste? Niemand muss mehr Gemüse schnippeln oder, Gott bewahre, eine Gabel in die Hand nehmen.Der Nestlé-Chef Philipp Navratil hat das Potenzial erkannt. Wie diese Woche bekannt wurde, übernimmt sein Lebensmittelkonzern den deutschen Trinkmahlzeiten-Anbieter Yfood. Man kennt dessen Flaschen aus den Regalen von Coop und Migros, wo sie mit der fetten Aufschrift «THIS IS FOOD» um die Gunst der gestressten Kundschaft buhlen. Bisher hielt Nestlé eine Minderheit an Yfood, nun soll die Übernahme die internationale Expansion ermöglichen.Für Navratil ist der Zukauf ein logischer Schritt im dringend nötigen Verjüngungsprozess des Konzerns. Die Gen Z giert nach Produkten mit hohem Nährwert bei minimalem Aufwand. Und Navratil liefert. Auch beim Kaffee trimmt er das Unternehmen auf jugendlich: Nescafé lancierte jüngst ein Konzentrat für den Espresso Tonic zu Hause, und Nespresso bandelt via den Pop-Star Dua Lipa bei den Jungen an.Gleichzeitig räumt Navratil mit den Altlasten seines Vorvorgängers Mark Schneider auf. Er stiess die amerikanische Kaffeekette Blue Bottle Coffee ab, und auch das Hamburger Gewürzunternehmen Ankerkraut lässt er nach nur vier Jahren wieder ziehen. Es scheint, als hätte Navratil seine ganz eigenen Vorstellungen davon, wie ein hippes Nestlé im Jahr 2026 auszusehen hat.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel