Drei Monate vor der Berlin-Wahl ist fast alles offen. Mehrere Parteien kämpfen um Platz eins, verschiedene Dreierbündnisse sind rechnerisch möglich. Auch die Grünen können sich Hoffnungen auf das Rote Rathaus machen. Doch ihr Spitzenkandidat Werner Graf hat ein Problem: Er ist deutlich weniger bekannt als der regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und die übrigen Konkurrenten. Aber er hat einen Plan.Für die Vorstellung ihrer Kampagne hatten die Grünen am Freitag ins Neuköllner Thiemann-Quartier geladen. In der Präsentation wird den Berlinern versprochen, dass ein Alltag mit Graf im Roten Rathaus besser funktioniert: „Keine Versprechen. Ein Plan für Berlin“, lautet das Motto für die Wahl im September.

Grüne wollen „ein Berlin, das funktioniert“

Auffällig ist auch, was auf dem Kandidatenplakat fehlt. Graf, der bei öffentlichen Auftritten häufig mit einem „Fuck Nazis“-Button an der Jacke erscheint, trägt ihn dort nicht. Dabei hatte er dieser Zeitung noch Ende Mai erklärt, wie wichtig ihm Haltung gegen Rechtsextremismus sei.

Der neue Ton der Grünen ist weniger utopisch als in früheren Wahlkämpfen. Die Partei malt nicht mehr zuerst den idealen Kiez der Zukunft, sondern spricht über Busse, Bahnen, Schulen, Verwaltung, Mieten und saubere Parks. Die Themenplakate greifen Verkehr, Mieten, Energie, Klima, Kultur und den Kampf gegen Rechtsextremismus auf. Auf ihrer Kampagnenseite nennen die Berliner Grünen das „ein Berlin, das funktioniert“. Das klingt nach Reparatur, nicht nach Aufbruch.