In wenigen Monaten wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Das Rennen ist offen: Die CDU führt den Wahltrend, knapp dahinter folgen AfD, Grüne, Linke und SPD eng beieinander. Für die Grünen ist rechnerisch vieles möglich. Ein Dreierbündnis mit Linken und SPD wäre denkbar, oder auch das Novum einer schwarz-grünen Koalition.

Dennoch gehen die Grünen angeschlagen in den Wahlkampf. Nicht mehr Klimathemen dominieren die politische Debatte, sondern steigende Preise und eine mehr als angespannte Wirtschaftslage. Hinzu kommen Vorwürfe einer autoritären Führung im Berliner Landesverband, der Fall Stefan Gelbhaar und der Streit um eine Flüchtlingsunterkunft.

Trotz allem gibt sich der Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf im Interview mit der Berliner Zeitung siegessicher, träumt von einer grün-schwarzen Koalition und erklärt, warum er die Erhöhung von Parkgebühren in der Hauptstadt für sinnvoll hält und wieso die Grünen trotz leerer Senatskassen mehr als eine Million Bäume pflanzen wollen, die den Steuerzahler bis zu sieben Milliarden Euro kosten könnten.

Herr Graf, Sie sind seit 1997 Mitglied der Grünen, waren Landesvorsitzender der Grünen Jugend Bayern, haben ein Politikstudium absolviert, arbeiteten mehrere Jahre für die damalige Grünenvorsitzende Claudia Roth, wurden 2016 zum Landesvorsitzenden Ihrer Partei in Berlin gewählt und sitzen seit 2021 im Berliner Abgeordnetenhaus. Ihre politische Laufbahn ist bemerkenswert geradlinig und wirkt strategisch aufgebaut. Täuscht dieser Eindruck?