Die allgemeine Krisenstimmung wird im Kulturmarkt zum Verkaufsschlager. Ein gutes Zeichen.06.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenSo wollen wir nicht leben: Zwei Protagonistinnen der Serie «The Testaments», in der Frauen in einem totalitären Männerstaat leben müssen.PDSchaut man sich so um, was der Kulturmarkt gerade zu bieten hat, kann einem das Grausen kommen. Es wimmelt von Untergangsphantasien, wie etwa die kürzlich angelaufene Serie «The Testaments» eine ist, die auf der Fortsetzung von Margaret Atwoods «Der Report der Magd» beruht und die Leiden von jungen Frauen in einem totalitären Männerstaat schildert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die unzähligen Bücher, die den Untergang der Demokratie herbeischreiben, stapeln sich in den Läden. Wie auch die Bestseller, die ein Gegengift gefunden haben wollen, wie «Zukunft ohne Angst» von Isabella Hermann, «Keine Macht der Ohnmacht. Wie wir Krisen bewältigen und uns gegen Faschismus wehren» von Matthias Quent oder «Nein sagen», die brillante Rede von Matthias Brandt, die der Sohn von Kanzler Willy Brandt in der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee hielt – dem Ort, an dem viele der Beteiligten an dem Attentat gegen Adolf Hitler hingerichtet wurden. Und die vielen Romanzen, die sich gerade in den Top 10 tummeln, sie sind natürlich auch eine Art Schmerzmittel gegen die Zumutungen der Gegenwart, wenn auch vielleicht nicht diejenigen, die man sich als interessierter Zeitgenosse wünschte.Man kann das alles tadeln, als eine Art perverser Untergangseuphorie beklagen. In der Tat gibt es ja diese menschliche Charaktereigenschaft, sich, wenn es gerade nicht so super läuft, ins Elend hineinzubohren und alles schwarzzusehen. Und es gibt auch die Menschen, die darum wissen und diesen Umstand für sich als Geschäftsmodell entdeckt haben, PR-Manager oder Psychologen etwa.Aber alles in allem ist diese Schwemme von kulturellen Erzeugnissen ein gutes Zeichen für den Willen zu widerstehen. Auch während der Corona-Zeit schnellten die Nutzungszahlen von dystopischen Kulturprodukten nach oben. Man weiss auch, dass nach dem ersten Amtsantritt von Donald Trump die Verkaufszahlen von George Orwells Klassiker «1984», Aldous Huxleys «Schöne neue Welt» oder Ray Bradburys «Fahrenheit 451» geradezu explodiert sind.Wenn sich die Menschen in Untergangsszenarien suhlen, dann ist das nicht unbedingt einer Lust am Untergang geschuldet, sondern dem Wunsch, die eigenen Ängste zu bannen – und sich durch die Beschäftigung mit einer offenbar schwarz gefärbten Zukunft Energie zu holen, um die Gegenwart zu verbessern.Die 2019 verstorbene ungarische Philosophin Agnes Heller sagte einmal, die Dystopie sei eine «Utopie der Verantwortlichkeit als Zivilcourage». Ja, die Dystopie ist wohl der Utopie als Mittel, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, himmelweit überlegen.
Kulturmarkt: Untergang ist jetzt sexy. Ein gutes Zeichen
Die allgemeine Krisenstimmung wird im Kulturmarkt zum Verkaufsschlager. Ein gutes Zeichen.









